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Heil im Biwak IV angekommen

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Freuen sich darüber, dass die Bergung des verletzten Höhlenforschers so gut vorangeht: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Klemens Reindl von der Bergwacht Bayern. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden/Marktschellenberg – Die Bergung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser aus der »Riesending«-Schachthöhle im Untersberg ist am frühen Freitagabend angelaufen. Exakt um 17.28 Uhr kam die Meldung »Transport startet jetzt« per »Cave-Link«, einem speziellen Kommunikationssystem für Höhlen, in der Einsatzzentrale an. Bisher verläuft die Rettung ohne Zwischenfälle. Der Bergungstrupp ist am Sonntag im Biwak IV angelangt. Das teilten Vertreter der beteiligten Hilfsorganisationen bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag in der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden, an der neben anderen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Landrat Georg Grabner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp teilnahmen, mit.


Eine Gruppe aus 15 italienischen Höhlenrettern hatte den Transport am Freitag über elf Stunden bis zu einem Ruheplatz im Barbarossa-Thronsaal im Bereich des Biwak V durchgeführt, wo erst einmal eine Pause eingelegt wurde. Danach ging es weiter zu Biwak IV, das am Sonntag erreicht wurde.

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In der Höhle sind inzwischen weit über 2 000 Meter Seil auswechselt worden sowie 1 000 Karabiner und 500 Dübel zum Einsatz gekommen. Der gesundheitliche Zustand des Patienten ist nach wie vor stabil. Er fühlt sich in der Trage halbwegs wohl und hat Appetit. Außerdem ließ er Grüße an seine Familie und an die Helfer über Tage übermitteln. Die beteiligten Mediziner zeigten sich froh darüber, dass der Schwerverletzte den Transport scheinbar gut verträgt. Westhauser sei durch einen Medikamentenmantel stabil, Pausen würden vom beteiligten Mediziner unter Tage bestimmt.

100 Helfer in und vor der Höhle

Aktuell befinden sich etwa 100 Helfer in der Höhle und am Eingang. Nach wie vor wird an der Verbesserung der Infrastruktur in der Höhle gearbeitet, die Biwakplätze sind ausgebaut. Auch die Verlegung der Telefonleitung schreitet voran.

Die vielen Höhlenretter werden fortlaufend durch ausgeruhte Einsatzkräfte ersetzt. Eine große Aufgabe für die Einsatzleitung ist nun die Versorgung der Rettungsteams und die damit einhergehende Logistik.

Nachdem man sich mit dem Verletzten bis Sonntag vor allem in der Horizontalen bewegt hat, stehen nun die vertikalen Passagen an. Dabei muss der Wissenschaftler über Hunderte von Metern per Seil durch Schächte und Schluchten nach oben gehievt werden.

Leistungen, die Innenminister Herrmann sichtlich beeindrucken. Er war nach Berchtesgaden gekommen, um sich ein Bild vom Einsatz zu machen. »Die bayerische Staatsregierung hat stark in die Ausrüstung der Bergwacht und damit auch in die Höhlenrettung investiert«, erklärte der Minister und lobte alle Beteiligten.

»Ich habe größten Respekt vor allen freiwilligen Helferinnen und Helfern«, bemerkte der Minister und stellte die große Solidarität mit den Kräften aus den Nachbarländern heraus. Dennoch sei der Patient im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht über dem Berg, denn die schwierigsten Passagen stünden noch bevor.

Kostenfrage soll nach der Rettung geklärt werden

Anfragen und Mutmaßungen über die Gesamtkosten der äußerst aufwendigen Aktion beendete der Minister mit den Worten: »Jetzt steht alleine die Bergung des Verunglückten im Vordergrund, über die Kosten, und wer sie übernimmt, sprechen wir zu einem späteren Zeitpunkt«. Christian Wechslinger Christian Fischer