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Heile, heile, von wegen

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Eine Gesundheitsmesse ohne heimische Ärzte. Dass die Veranstaltung im Kongresshaus so nicht funktionieren kann, sehen die Verantwortlichen. (Foto: Berwanger)

Berchtesgaden – Die Berchtesgadener Ärzte üben massive Kritik an der sogenannten »1. Berchtesgadener Gesundheitsmesse«, die kürzlich im Kongresshaus stattgefunden hat (wie berichtet). Sie werfen den kommerziellen Veranstaltern Urheberrechtsverletzung, das Ausbooten der heimischen Mediziner und einen Mangel an fachkompetenten Ausstellern vor. Auch Marktbürgermeister Franz Rasp und Kongresshaus-Chef Sepp Wenig räumen ein, dass die Gesundheitsmesse von Anfang an krankte.


Der Allgemeinmediziner Dr. Werner Vietze und der Internist Dr. Klaus Boha äußerten dem »Berchtesgadener Anzeiger« gegenüber massive Kritik an der »1. Gesundheitsmesse«. »Das war eine Farce«, so Dr. Vietze. Denn zusammen mit seinem Kollegen Dr. Boha und dem Berchtesgadener Ärztenetz hatte er bereits zwischen 1997 und 1999 drei Gesundheitsmessen im Kongresshaus veranstaltet. »Darauf können wir mit Stolz zurückblicken. Die Palette der Stationen war weit größer als bei der jetzigen Kommerzveranstaltung«, ärgert sich der Bischofswieser Arzt mit Praxis in Berchtesgaden.

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Mini-Standplätze im »Eckerl«

Ein »externer Eventmanager« habe die Messe mit wenig Gespür für die Region ausgerichtet. Außerdem kritisiert Vietze den Mangel an fachkompetenten Ausstellern sowie reines Kommerzdenken. »Die Veranstaltung war überwiegend durch Heilpraktiker und alternative Gesundheitsmethoden sowie ein paar Kurkliniken besetzt.« Dass sich das Ärztenetz letztlich nicht an der Veranstaltung beteiligte, hat laut Dr. Vietze einen simplen Grund. Kostenpflichtige Mini-Standplätze im »Eckerl«.

Die Kritik der heimischen Ärzte kann Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp größtenteils nachvollziehen. Dabei habe alles so vielversprechend angefangen. Denn als Vertreter des Ärztenetzes mit dem Wunsch, wieder eine Gesundheitsmesse zu veranstalten zu ihm gekommen seien, aber über Organisationsprobleme klagten, habe er eine Hilfestellung geben können. Mit der Vermittlung an die Profi-Eventmanager habe er den Ärzten einen Gefallen tun wollen. »Weiter war ich nicht in die Planung involviert«, betont der Berchtesgadener Bürgermeister. »Mir wäre aber ein Einvernehmen mit den heimischen Ärzten wichtig gewesen.« Dass die Mediziner und die Veranstalter »nicht zusammengefunden« haben bedauert der Gemeindechef. Und macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Gesundheitsmesse in der letztendlichen Form nicht gefallen hat. »Ich habe diese Veranstaltung nicht unterstützt. Ich habe nicht die Schirmherrschaft übernommen und war auch nicht bei der Eröffnung«, stellt Franz Rasp klar. Und fügt mit Nachdruck hinzu: »Ich stelle mich doch da nicht vorne hin und halte eine Ansprache. Das wäre ein falsches Signal an unsere Hausärzte.«

Kongresshaus-Chef hat vermittelt

Kongresshaus-Chef Sepp Wenig hat von Anfang an zwischen den hiesigen Medizinern und den Veranstaltern vermittelt. Die Ärzte loben ihn für sein Engagement. »Hut ab vor dem Wenig Sepp«, sagt Dr. Vietze. Mehrere Gespräche hätten jedoch keine für beide Seiten akzeptable Lösung gebracht. »Ich wollte unsere Ärzte unbedingt dabei haben«, so der Kongresshausleiter. Obwohl das nicht geklappt hat, hätten die Veranstalter die Messe durchziehen wollen. Schließlich hätten sie dafür bereits Investitionen getätigt, erklärt Wenig. »Und ein Ausfallhonorar konnten und wollten wir ihnen nicht zahlen.« Wenig sei sich bewusst gewesen, dass die heimischen Ärzte eine solche Veranstaltung nicht gern sehen würden. »Das waren die schlechtesten Voraussetzungen«, so der Kongresshaus-Chef, »das ist schiefgelaufen«.

Prinzipiell eine gute Idee

Auch den Plagiatsvorwurf bestätigt Sepp Wenig. »Natürlich war das nicht die erste Gesundheitsmesse in Berchtesgaden«, stellt er klar. Und fügt, ein wenig schmunzelnd, hinzu: »Es war halt die erste Gesundheitsmesse dieser Veranstalter in Berchtesgaden.«

Trotz aller Probleme und Kritik hält Sepp Wenig eine Berchtesgadener Gesundheitsmesse prinzipiell für eine gute Idee. »Ich möchte sie gerne beibehalten«, sagt der Kongresshausleiter. »Aber nur mit unserer Ärzteschaft und einer anderen Organisationsform.« Christian Fischer