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Helfer kochen für Flüchtlinge an der Brücke

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Private Helfer hatten am Dienstagabend für die Flüchtlinge komplette Versorgungsstationen inklusive warmem Essen aufgebaut. (Fotos: Hudelist)

Freilassing/Salzburg – Geschätzt 3 000 Flüchtlinge sind am Dienstag über die Grenzbrücke und den Bahnhof in Freilassing nach Deutschland eingereist, offizielle Zahlen gibt das Präsidium der Bundespolizei nicht mehr bekannt. Besonders an der Flüchtlingsbrücke war der Zustrom von Migranten den ganzen Tag über stark. Beim Abholen von kleinen Gruppen durch Bundespolizisten kam es dabei jedes Mal zu einem kleinen Gerangel, wie es allerdings auch bei jeder Massenveranstaltung üblich ist. Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher besuchte mit einem TV-Team am Abend erneut den Hotspot Grenzbrücke, im Interview mit der Heimatzeitung meinte er zu den Grenzkontrollen: »Wenn die noch sehr lange dauern, dann wird das nicht einfach für alle, die hier wohnen«.


Die Situation an der Saalachbrücke war auch am Dienstag beim Lokalaugenschein der Lokalzeitung immer wieder angespannt, Hunderte Neuankömmlinge mussten sich in die beiden Warteschlangen links und rechts der Fahrbahn einreihen. Obwohl die Einsatzleitung keine Versorgungsstation an der Grenze aufbauen wollte und auch private Helfer »wegen der örtlichen Gegebenheiten an der Grenze« ersuchte, keine weiteren Hilfsmittel dorthin zu liefern, war am Abend eine privat organisierte Hilfsmaschinerie angelaufen mit Kochstationen und vielen Helfern, die mit Essen und Trinken in der Hand auch immer wieder den Warteschlangen entlang gingen. In der zwei Kilometer entfernten, offiziellen Versorgungsstation »Autobahnmeisterei« waren zur selben Zeit nur mehr einige Hundert Flüchtlinge.

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Kaffee und Kuchen für Bundespolizei

Mit einem TV-Team im Gepäck kam am Abend auch Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher wieder an die Brücke, um sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten zu machen. Im Grund sei die Situation jetzt nichts Neues, »der Verkehr läuft fast so gut wie zu Zeiten der Baustelle an der Münchner Bundesstraße«. Flatscher war bereits öfters an der Kontrollstelle und am Bahnhof, »Polizeibeamte und Helfer sollen wissen, dass wir Politiker auch da sind«.

In den Medien würden meist nur die Flüchtlinge gezeigt. »Für die sind wir da, aber diejenigen, die eine geordnete Abwicklung garantieren, haben auch einmal Aufmerksamkeit und ein Danke verdient«, so Flatscher. Er habe auch schon beobachtet, dass Freilassinger den Beamten zum Beispiel am Bahnhof Kaffee und Kuchen gebracht hätten. »Die Beamten haben daraufhin gemeint, so gut sind sie von der Bevölkerung noch nie behandelt worden.«

Die Folgen der vermutlich länger anhaltenden Grenzkontrollen beschäftigen naturgemäß auch den Bürgermeister der »Eigentlich-nicht-mehr-Grenzstadt«. Er könne nicht sagen, wie lange die Kontrollen dauern werden, »aber es wäre schon positiv, wenn man einmal ein Licht am Ende des Horizonts sehen würde. Doch ich bin mir nicht sicher, ob das schon zu sehen ist«.

Flüchtlingszahlen werden geschönt

Unterdessen darf die Bundespolizei in Rosenheim offenbar seit Mittwoch keine offiziellen Flüchtlingszahlen mehr herausgeben, sondern verweist an das Präsidium in Potsdam. Von dort werden jedoch ganz andere Flüchtlingszahlen gemeldet: So seien im gesamten Bereich der Direktion München inklusive Freilassing und Passau am Dienstag nur 3 324 Personen »unerlaubt eingereist«.

Dies ist allerdings nicht die Zahl der tatsächlich eingereisten Flüchtlinge, sondern nur »die Zahl der endabgearbeiteten Fälle«, so ein Sprecher in Potsdam. Gezählt werden hier also nur die Flüchtlinge, für die wegen der unerlaubten Einreise bereits ein Strafantrag geschrieben wurde. Dies ist bei tausenden Flüchtlingen, die mit Sonderzügen einreisen oder sich nur eine Nacht in einer Notunterkunft in Freilassing aufhalten, nicht der Fall, hier wird nur eine Vorregistrierung vorgenommen.

Lars Rebel von der Potsdamer Stabsstelle Presse gibt zwei Zahlen bekannt: So seien am Dienstag bundesweit 3 498 Personen unerlaubt eingereist, »im Bereich der Direktion München sind 3 324 unerlaubte Einreisen endbearbeitet«. Die Bundespolizei gibt laut Rebel auch nur die Zahl der »endbearbeiteten Fälle« ans Bundesinnenministerium weiter. Michael Hudelist