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Hennen im Glück

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Gockel Hansi und die Hennen erfreuen sich wieder ihres Lebens.
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Claudia Maier (l.) und Catharina Strobl würden sich freuen, wenn sie viele ehemalige Legehennen an neue Besitzer vermitteln könnten. (Fotos: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Auch Hansi ist jetzt wieder glücklich. Acht Hennen scharen sich um den mächtigen Gockel, laufen über das große Gartengrundstück am Färberwinkl direkt an der Ache. Claudia Maier und Catharina Strobl haben in den letzten Jahren Hunderte Hühner aus großen Geflügelhofbetrieben gerettet, aus Massentierhaltungen, in denen die Tiere zum Eierlegen verdammt waren. Am Dienstag steht die nächste Rettungsaktion an. Die Hühnerretterinnen suchen noch nach weiteren Leuten, die den Hennen ein neues Zuhause geben.


»Rettet das Huhn« heißt die Aktion, die mittlerweile deutschlandweit durchgeführt wird und in der »ausgediente« Legehybriden, so nennt man die auf das Eierlegen spezialisierten Hühner, neu vermittelt werden. Claudia Maier hat ein Lächeln im Gesicht, wenn sie von ihren Hühnern spricht, denen es mittlerweile wieder richtig gut geht. Das Gefieder ist zurückgekehrt, die Tiere haben an Gewicht zugelegt, sie erfreuen sich am großen Garten. Bis vor wenigen Monaten waren sie eingesperrt, in einem Geflügelhofbetrieb im österreichischen Kuchl. Ihre damalige Daseinsberechtigung: Eier legen. So viele wie möglich. Freilauf kannten die Hennen nicht. »Ihnen ging es sehr schlecht«, erinnert sich Claudia Maier. Ohne Rettung wären die Hennen mittlerweile nicht mehr am Leben, »zerschreddert«, sagen die Tierretterinnen. Nach 15 Monaten werden die Hühner ausgetauscht. Der Eier-Ertrag ist dann nicht mehr optimal.

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Den Hühnertod wollen die beiden abwenden, dafür ein artgerechtes Zuhause finden. Mehrmals haben sie sich an der Legehennen-Rettung bereits beteiligt, Geflügelhofbetriebe gesucht und Kontakt mit den Betreibern aufgenommen. Nicht alle sind bereit, ihre Hennen abzugeben. Das kräftezehrende Eierlegen hat meist Spuren hinterlassen, das Gefieder ist kaputt, die Hühner mager vom Frühstücksei-Produzieren. »Wir kaufen die Hühner den Betreibern für einen symbolischen Euro ab«, sagt Catharina Strobl. Die Betriebe haben die Zwei noch nicht von innen gesehen. »Die lassen uns meistens nicht rein.« Eine Geflügelhof-Betreiberin habe sich aber sehr gefreut, als die Tierfreunde anfragten: »Obwohl sie schon viele Vorbestellungen für Suppenhühner hatte, haben wir am Ende die Hühner mitnehmen dürfen«, freut sich Claudia Maier.

Dass die Hennen am Ende im Kochtopf landen, das wollen die beiden tunlichst vermeiden. »Sie sollen weiterleben dürfen, ihnen soll es besser gehen.« Selbst essen Catharina Strobl und Claudia Maier kein Fleisch, die geretteten Hennen hingegen geben sich mit allem zufrieden. Von altem Brot über Nudeln und Küchenabfälle bis hin zum Blatt Wurst schmeckt den unkomplizierten Tieren ziemlich alles, weiß Catharina Strobl. Die Hühnerhaltung sei einfach, »jeder, der einen Garten hat, kann Hühner haben.« Als Gegenleistung gibt es das klassische Frühstücksei. »Tolle Eier sind das, der Dotter ist tiefgelb, sie schmecken richtig gut.« Ehemalige Hochleistungslegehennen werden aber nicht so alt wie gewöhnliche Hühner. Drei bis fünf Jahre lautet der Durchschnitt. Durch die angezüchtete, ständige Eierproduktion sind die körperlichen Ressourcen aufgebraucht. Die Legehybriden sollten anfangs ausgewogenes Futter erhalten, erst nach und nach sollte es von Legemehl auf Körnerfutter umgestellt werden. »Später geben sie sich auch mit Gemüseabfällen und Ähnlichem zufrieden«, sagt Claudia Maier.

Eine artgerechte Haltung geht einher mit Licht, Luft und Sonne. Ein trockener Stall, den man entweder selbst bauen kann oder den es fertig zu kaufen gibt, ist die Basis für ein glückliches Hühnerleben. Bei einer Lebensgemeinschaft von zehn Tieren sollte der Holzstall etwa zwei auf zwei Meter groß sein. Der optimale Lebensraum für Hühner ist ein grasbewachsener Auslauf mit einigen Büschen. »Die Hühner fressen auch Gras«, sagt Catharina Strobl, sie picken sich Würmer aus dem Boden, freuen sich über Insekten. Hin und wieder nehmen sie gerne Staubbäder. Trotzalledem machen sie nicht viel Arbeit, weiß Claudia Maier, die bereits bei der Rettung mehrerer Hundert Hennen dabei war. »Die haben wir alle weitervermittelt. Zutraulich seien ihre Hühner, sagt Catharina Strobl, sie verstehen sich mit anderen Tieren. Eine Freude sei es, ihnen zuzusehen. »Die Hennen wollen doch nur leben.«

Wer an der Aufnahme von geretteten Hühnern interessiert ist, kann sich bis Montagabend bei Catharina Strobl (Telefon: 08657/9839858) oder bei Claudia Maier (0175/2320913) melden. Kilian Pfeiffer