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Herbert und Schnipsi schmeißt's gewaltig

Berchtesgaden – Weil sie für ihr neues Programm »Juchhu, glei schmeißt's uns wieder!« ein »robustes Publikum« brauchen, machten die Komiker Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer am Samstagabend Station im Berchtesgadener Kongresshaus. In bewährter Manier boten die beiden, die schon lange auch durchs echte Leben gemeinsam gehen, in ihren Paraderollen als Herbert und Schnipsi Haberkorn das, was man von ihnen erwarten darf.

Herbert und Schnipsi hatten für ihren Auftritt im Kongresshaus Berchtesgaden auch jede Menge Instrumente mitgebracht. Foto: Anzeiger/Schüssler

Viel brauchen sie dafür auch nicht. Neu ist allerdings Plastikschwein Rudi, das einen Ehrenplatz auf der Bühne einnimmt. Gelegentlich nutzt es Herbert als Orakel, das er durch Drücken befragt, um das undefinierbare Grunzen des Schweins dann als wunschgemäßes »Ja« zu interpretieren. Beim neuen Programm sind also gleich drei echte Rampensäue auf der Bühne.

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Neben dem Plastikschwein braucht Meilhamer vor allem eine Vielzahl an Instrumenten für seinen Auftritt. Schon beim Einzug ist er mit mehreren davon beladen, wobei er die Trommel auf seinem Rücken mithilfe einer speziellen Konstruktion mit seinen Füßen zu spielen versteht. Die Hände muss er frei haben, denn Meilhamer ist nicht nur Multi-, sondern sozusagen Synchroninstrumentalist. Es gibt einen schwungvollen Auftakt, der wie vieles an diesem Abend auf gekonnte Art etwas unbeholfen wirkt und das Publikum im gut gefüllten Großen Saal gleich in Stimmung bringt.

Mit politischem Kabarett hat das Programm der folgenden rund zwei Stunden nichts zu tun, aber das soll es bei Herbert und Schnipsi auch nicht. Sie bieten eine Art Nummernrevue mit Szenen aus dem Haberkorn'schen Alltags- und Eheleben, bei der sich Sketche und Lieder abwechseln. Da Schnipsi zwischendurch immer wieder hinter der Bühne verschwindet, um sich umzuziehen, muss Herbert die Hauptlast stemmen und zwischendurch moderieren oder auch mal allein ein Lied zum Besten geben: ein bairisches Liebeslied für das SMS-Zeitalter.

So souverän er das vorträgt, so unbeholfen wirkt Herbert, wenn er zu Beginn des Programms versucht, seine Frau bei der Kleiderwahl zu beraten und ihr Komplimente wegen ihrer Figur zu machen. Programmgemäß schmeißt's ihn dabei gewaltig, Herbert stolpert verbal von einem Fettnäpfchen ins nächste. Schließlich lässt Schnipsi das Publikum über die richtige Rocklänge entscheiden, indem sie ihren Rock zum lauter und leiser werdenden Applaus nach oben und unten bewegt. Das wenig vorteilhafte Ergebnis lehnt sie dann aber doch ab, es sieht auch fast ein wenig unanständig aus.

Während sie in der Folge aufwendigere Kostümwechsel vornimmt, um sich in eine Fitnesstrainerin oder eine Firmenchefin zu verwandeln, zieht er einfach einen Pullunder über, um aus Herbert Haberkorn den Büroangestellten Kohlpeintner zu machen. Kohlpeintner ist zwei Stunden zu spät im Büro erschienen und hat dafür weder einen triftigen Grund noch eine plausible Ausrede. Er hat schlicht und ergreifend verschlafen. In seinem Traum ist er ganz normal in die Arbeit gegangen, hat die Akte »Meier und Söhne« bearbeitet und sich gewundert, dass seine Chefin heute gar nicht so »hantig« ist wie sonst – eine Geschichte, bei der die reale Chefin natürlich erst recht wieder hantig wird. Kohlpeintner führt hier schön vor, wie man es gerade nicht machen soll, wenn man sich aus einer verfahrenen Situation herausreden will und reitet sich zum Vergnügen des Publikums immer weiter in sein Schlamassel hinein.

Mitunter lassen die beiden in den Zwischenmoderationen etwas Fiktion und Realität verschwimmen, und es ist nicht mehr ganz klar, ob nun Herbert und Schnipsi auf der Bühne stehen oder Meilhamer und Schlenger, die aus ihrem realen Eheleben erzählen. Auch wenn sie zwischendurch in andere Rollen schlüpfen, scheinen dahinter immer irgendwie Herbert und Schnipsi durch. Das ist nicht unbedingt ein Mangel, denn diese beiden etwas schrulligen, aber doch sympathischen Figuren – er mit etwas naivem Gesichtsausdruck und charakteristischem Lachen, sie mit enorm ausdrucksstarker Mimik – sind es, derentwegen der Saal voll ist.

Und man kann von Herbert und Schnipsi auch Praktisches für den Alltag lernen. Was macht man zum Beispiel mit einem Nachbarshund, der einen immer anschaut, als wäre man eine Wurstsemmel, und einem regelmäßig ein stinkendes »Präsent« vor der Haustür hinterlässt? Man gibt ihm mit Abführmittel und Pfeffer angereichertes Hackfleisch zu fressen und schickt ihn dann zurück zu seinen Besitzern. Die unappetitliche Bescherung in der Wohnung kann sich jeder vorstellen.

Diffiziler zu lösen sind da schon die Eheprobleme, die in dem Programm verhandelt werden: Ein mit den Haberkorns befreundetes Paar steht zwei Wochen nach der Hochzeit schon wieder kurz vor der Scheidung, woraufhin Herbert zu schlichten versucht und Schnipsi die 250 Euro zurückfordert, die man den beiden schließlich zur Eheschließung, nicht zur Scheidung geschenkt habe. Dass das nicht ohne Peinlichkeiten abgeht, ist klar, und auch bei den Haberkorns hängt der Haussegen zwischenzeitlich schief.

Weniger krachert geht es mitunter bei den Liedern zu. Einmal, ein mutiger Einstieg direkt nach der Pause, wird es fast melancholisch, als »de staden und langsama Leid« in einer griechischen Taverne besungen werden. Die beiden Komiker agieren dabei als eingespieltes Team, und auch wenn Meilhamer der begabtere Musiker ist, so muss Schlenger ihre betonte Talentlosigkeit auf diesem Gebiet doch als Koketterie ausgelegt werden. Auch sie zeigt ihr Können mit einer ganzen Reihe von teilweise ungewöhnlichen Instrumenten, von der Trompete über die Mandoline bis zum Waschbrett.

Meilhamer und Schlenger sind eben echte Profis, denen das Publikum sichtlich gerne verzeiht, dass nicht alles an dem neuen Programm wirklich neu ist. Die Fitnesstrainerin Heidi Hüpfel, die den Beckenboden zum wichtigsten Muskel erklärt, dürften viele ebenso schon gekannt haben wie die beiden musikalischen Zugaben. Das positive Gesamtbild trübt das nur unwesentlich, und erst ein nach Spenden verlangender Hut kann den lang anhaltenden Applaus verstummen lassen. Markus Schüssler