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Hirschgulasch in doppelter Form

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Hirschgulasch zum Essen und zum Hören gab es im Restaurant »Esszimmer«. Koch Andreas Striemitzer und das Autorenduo Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger (v.l.) gaben ihr jeweiliges Hirschgulasch zum Besten. Foto: Anzeiger/CGM

Berchtesgaden - Im Restaurant »Esszimmer« von Andreas Striemitzer im Nonntal fand eine Lesung von Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger statt. Beide lasen aus ihrem Berchtesgaden-Krimi »Hirschgulasch«. Was Andreas Striemitzer den Gästen vorher servierte war natürlich klar - ein feines Hirschgulasch.


Das gemütliche Restaurant in den historischen Mauern war voll besetzt. Doch vor dem literarischen Teil gab es den kulinarischen. Da war das Thema ja vorgegeben, und was Andreas Striemitzer gelang, war alles andere als eine Themaverfehlung. Ein wunderbar zartes Hirschgulasch mit Blaukraut und Serviettenknödel und eine in Rotwein eingelegte Birne, die ein besonderes Geschmackserlebnis lieferte. Dazu wurde ein süffiger Zweigelt gereicht, bekanntermaßen passen Rotwein und Literatur besonders gut zusammen.

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Mit dem angenehmen Geschmack im Mund ging es vom gegessenen nun zum gehörten Hirschgulasch über. Es ist der erste gemeinsame Roman von Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger, der im Kölner Emons-Verlag erschienen ist. »Wir können leider keine Kurzzusammenfassung liefern, denn das wäre bei einem Krimi ganz blöd«, meinte Neuburger bei der Begrüßung. Denn wer der Täter war, das muss man sich selber erlesen. Dafür wurden verschiedene Textpassagen von beiden vorgelesen, die, genau wie das Essen vorher, Appetit auf mehr machten.

Der erste Text beschrieb die Fahrt einer der drei Hauptpersonen mit der Jennerbahn. Es ist für den ortskundigen Zuhörer interessant zu erfahren, wie die Autoren auf die Wirklichkeit blicken und sie in literarischer Form wiedergeben. Welche Details sie sehen und wie sie mit der Realität literarisch und damit auch spielerisch umgehen. Der Ausgangspunkt des Romans liegt interessanterweise aber nicht in Berchtesgaden, sondern im Sperrgebiet rund um Tschernobyl. Von dort macht sich das ukrainische Dreigestirn auf den Weg nach Berchtesgaden, mit einer aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Schatzkarte und einem Koffer voll Falschgeld. Denn um ihre Reise zu finanzieren, haben sie als Falschgeldkuriere angeheuert. Was allerdings nicht ganz glatt ging und zudem hat auch der Pate von Kiew ihnen seinen Killer hinterhergeschickt.

Eindrucksvoll beschreiben die Autoren die Landschaft in der Todeszone, in der immer noch Menschen leben. Die junge Motorradfahrerin Luba, die es liebt, über die verlassenen Straßen mit ihrer Ninja zu donnern, trifft dort auf Viktor, einen ehemaligen Liquidator, einer jener Männer, die aus Hubschraubern heraus versucht hatten, den geschmolzenen Reaktor abzudecken. Er durchstreift die verseuchte Ödnis auf der Suche nach noch verwertbaren Teilen. Später wird noch eine Historikerin dazu stoßen. Dies ist der Beginn der fast wahnwitzigen Reise der drei Hauptpersonen von der Ukraine in die Berchtesgadener Bergwelt. Dass dies einen Mord nach sich führt, den die aus der Schönau stammende Kommissarin Magdalena Morgenroth aufklären muss, so viel darf hier verraten werden.

»Die Idee zu dem Buch ist uns bei einem langen Abstieg von der Reiteralm gekommen«, erzählen die beiden Autoren. »Am Ende der Tour hatten wir schon die halbe Geschichte, aber dann begann die eigentliche Arbeit.« Ein dreiviertel Jahr später stand die erste Fassung, die nach der Korrektur der Lektorin überarbeitet werden musste. In der Zeit haben sie aber dazu noch den etwas anderen Reiseführer‚ »111 Orte im Berchtesgadener Land, die man gesehen haben muss«, geschrieben.

»Wie schreibt man zu zweit einen Roman?«, kam nach der Lesung die Frage auf. »Wir haben die einzelnen Szenen verteilt, sie geschrieben, danach ausgetauscht und so haben wir auch einen einheitlichen Stil hinbekommen«, antwortete das Autorenduo. Dass die Zusammenarbeit gut funktioniert hat, zeigt sich auch daran, dass die erste Auflage schon nach vier Wochen ausverkauft war und »Hirschgulasch« der im Augenblick erfolgreichste Titel des auf Regionalkrimis spezialisierten Verlags ist. Was den kulinarischen Titel anbelangt, so war er die letzte Rettung, wie die Autoren meinten, die sich zuvor Dutzende von Titeln überlegt hatten, aber keiner wollte so recht passen. Ein Werbeschild am Obersee mit der Aufschrift »Heute Hirschgulasch« brachte die zündende Idee. Da im Buch kein Rezept für Hirschgulasch abgedruckt ist, muss man Koch Striemitzer im »Esszimmer« am besten selber danach fragen. CGM

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