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Beste Stimmung bei 5. BGL-Wander-Festival – Watzmann-Extremler in Top-Form

Hitze macht jede Route zur Extremtour

Vier Kollegen aus Straubing freuen sich auf das gemeinsame Abenteuer (v.l.): Christin Löbel, Diana Veitenhansl, Karlheiz Nachreiner und Andi Hirtreiter.
Während die Teilnehmer der Nationalpark-Wanderung auf der Halsalm im Schatten rasten, erzählt Jochen Grab von den Jagdgewohnheiten der Adler.
Jubel bei den Gipfelstürmern am Watzmann-Hocheck. (Fotos: Mergenthal/2 und Grassl/2)
Besonders schweißtreibend war bei der Bruthitze der lange Aufstieg zum Watzmann.

Berchtesgadener Land – In den Vorjahren hatte man zuweilen mit Kälte und Regen zu kämpfen, heuer war das Gegenteil der Fall: Bei einer Bruthitze quälten sich beim 5. Berchtesgadener Land Wander-Festival fast 300 Bergsportler auf den Watzmann oder Untersberg. Die übrigen der knapp 350 Festival-Teilnehmer wählten die »gemütlicheren« Varianten Salzalpensteig oder Nationalpark-Runde, doch im Grunde kam bei diesen Temperaturen jeder an sein persönliches Limit. Trotzdem schätzten die Wanderer ihr Leistungsvermögen gut ein, tranken genug und bekamen keine ernsthaften Gesundheitsprobleme. Das Stimmungsbarometer war ebenfalls ganz oben.


Schweißtreibend war bereits die Akkreditierung am Freitag am Weihnachtsschützenplatz. Für Christian Klick aus Fürstenzell bei Passau, der sich der Herausforderung der Tour »Watzmann extrem« stellte, ist das Wandern ein guter Ausgleich zum Bürojob. Vier Kollegen und Freunde aus einem Elektronik-Dienstleistungs-Betrieb in Straubing gingen gemeinsam die 24-Stunden-Tour mit Besteigung des Hochecks. Viel trinken, leichte Klamotten und Sonnenschutz sind ihre Rezepte gegen die Hitze. »Und net übertreiben am Anfang«, ergänzte die bereits vom Vorjahr erfahrene Diana Veitenhansl. »Liaba hoimas in da Nacht wieder eina«, fügte Karlheinz Nachreiner schmunzelnd hinzu.

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Nur im Flachland, nämlich mit Marathonläufen, konnte Dietmar Prüne aus Bremen trainieren. »Die Hitze und die Höhenmeter, das ist eine ganz andere Sache«, räumte er ein und scherzte: »Man wurde halt überredet am Stammtisch.«

Für einen ausgeglichenen Energiehaushalt hat Christian Suhr einen generalstabsmäßigen Plan für die Labestationen ausgefeilt. Immer wieder gab es viel Obst und viel zu trinken, später auch alkoholfreies Weißbier. Am Anfang sollten Süßigkeiten einen Schub geben und später Salzhaltiges, wie Würstchen, Salzgebäck und Speck, den Salzverlust ausgleichen. Kraft für die Nacht gaben kalt-warme Buffets im Kurgarten und – für die Untersberg-Wanderer – auf der Toni-Lenz-Hütte. Nach dem emotionalen, gemeinsamen Zieleinlauf am Sonntag um 9 Uhr mit Ehrung der Jüngsten und der fünf Teilnehmer, die alle fünf Festivals mitgemacht hatten, stärkten sich alle mit einem Frühstück.

Bei den Watzmann-Touren staute sich vor allem am Klingersteig vom Königssee am Grünstein entlang die Hitze. Vorsorglich hatte Organisator Toni Grassl den Teilnehmern der Extremtour geraten, maximal eineinhalb Liter Getränk selber mitzuschleppen. Oberhalb des Watzmannhauses konnten sich die »Extremler« über einen leichten Wind freuen. Am angenehmsten zu gehen war bei diesen Verhältnissen die Nachtetappe. Sie klang mit Berggottesdiensten zum Sonnenaufgang, für die Tour »Watzmann alpin« am Toten Mann und für Watzmann extrem« am Söldenköpfl, aus.

Nur etwa 20 Teilnehmer der Tour »Watzmann extrem« kapitulierten aus körperlichen, aber nicht gesundheitlichen Gründen, zum Beispiel aufgrund von Knieproblemen oder wegen der Hitze. Zehn davon wechselten zur Gruppe »Watzmann alpin« über. Einige weitere Wanderer sparten sich am Ende die 350 Höhenmeter zum Söldenköpfl und blieben auf dem Soleleitungsweg.

Als Jüngste hatte sich Toni Grassls Tochter Theresa (16) der extremen Watzmann-Tour gestellt. Bei der Nationalpark-Wanderung war die achtjährige Chiara aus München die Jüngste auf eigenen Beinen. Am schönsten hatte es die erst zehn Monate junge Mila aus Essen. Sie wurde von Mutter Miriam Wendelmuth in der Kraxe hinaufgetragen, für die diese Almwanderung darum eine echte sportliche Herausforderung war.

Den Nationalpark besser kennenlernen wollten Petra Glotzbach und ihre erwachsene Tochter Sophia, zumal sie in ihrer Heimat, der Rhön, selber ein Biosphärenreservat haben. Die frühere Bäuerin freute sich auch auf ihren ersten Besuch auf einer Alm. Sie entschied sich für eine zweite Teilnahme am Wander-Festival, weil ihr die Tour auf den Hirschkaser mit den Schauspielern von »Die Bergretter« zu gut gefallen hat.

Seit 45 Jahren machen Sandra und Peter Schwark aus Wiesbaden in Anger Urlaub, wo sie auch diesmal wohnen. »Auf dem Watzmann waren wir letztes Jahr schon. Das hat uns gereicht«, erzählt Peter Schwarz. »Da hast du keine Chance, einmal zur Seite zu treten und das eigene Tempo zu gehen.« Auch den Untersberg haben sie schon oft überquert, darum wählten sie die Halsalm-Tour.

Von Jochen Grab, Leiter der Nationalpark-Ranger, erfuhren sie viel Wissenswertes über die Steinadler, die am Morgen oft die Thermik in der Felsarena über der Halsalm zum Aufgreifen ihrer Beute nutzen, aber auch über die Gänse- und Bartgeier und das Leben im Nationalpark. Ein Adler war zwar diesmal nicht zu erspähen, aber dafür ein Turmfalke, der in der Spitze einer Fichte sitzend eine Maus verspeiste und danach mit ein paar Dohlen seine Kreise zog. Veronika Mergenthal