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Hochgeschaukelt und in Rage geschrieben

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Am Königssee werden Tagesgäste abgezockt – wegen der Parkgebühren. Meint zumindest Dieter Schliebs, der seinen Unmut in einem offenen Brief kundtut. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – »Raffgier in den Verwaltungen«, »menschenverachtende Unterschiede«, »Untermenschen ohne Gästekarte«: In einem offenen Brief, der dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt, tut Dieter Schliebs seinen Unmut kund und schreibt sich in Rage. Gäste würden in der Region als nicht willkommen betrachtet. Ramsaus Bürgermeister, Herbert Gschoßmann, reagiert prompt.


Es ist ein »Beschwerdebrief« der besonderen Art, den Dieter Schliebs verfasst hat. Bürgermeister Gschoßmann bleibt diplomatisch-freundlich: »Bemerkenswert Ihre Offenheit, bemerkenswert Ihre Unsachlichkeit und bemerkenswert Ihre Wortwahl.«

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Was war geschehen? Dieter Schliebs war am Wochenende gemeinsam mit seiner Ehefrau am Königssee und hat sich dort unterhalten – vor allem mit vielen Tagesgästen »aus Holland, Deutschland und Österreich«. Alle hatten geklagt, sie seien in der Region nicht willkommen, schreibt Schliebs. Tagesgäste würden unfair behandelt, so lautet das Fazit, obwohl sie »möglicherweise weitaus mehr an einem Tag konsumieren als ein Urlaubsgast mit Gästekarte«. Und trotzdem würden Tagesgäste nicht gleichberechtigt behandelt, müssten »doppelte Parkgebühren« zahlen. »Menschenverachtende Unterschiede« seien das, so Schliebs, der nach eigener Aussage »schon sehr lange erbost« ist.

Dabei bleibt es nicht. Er legt noch nach: »Durch diese Frechheiten der Verantwortlichen kann ich Ihnen mitteilen, dass die Gastronomie am Königsee in der letzten Zeit allein an uns zwei Personen geschätzte 350 bis 400 Euro verloren hat, da wir nicht bereit sind, einen solchen miesen Parkplatzeintritt für Untermenschen ohne Gästekarte als Eintritt in ein Restaurant am Königssee zu zahlen.«

Schliebs fahre da lieber nach Salzburg, immerhin sei man dort »überall herzlich willkommen, und das zu jeder Jahreszeit, auch ohne Gästekarte«. Den Verantwortlichen der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee rät er: »Machen Sie nur brav so weiter. So ruiniert man sein eigenes Haus und das der anderen.«

»Raffgier« sei wohl der »Blindmacher« in den Verwaltungen, schreibt Schliebs, »ganz besonders in dieser augenscheinlich besonders überqualifizierten Tourismus-Agentur.«

Damit ist das Austeilen aber noch nicht beendet. Seine Ausführungen unterstreicht Schliebs, indem er die Sätze mit mehreren Ausrufezeichen verstärkt: »Lernen Sie erst einmal den Inhalt des Grundgesetzes auswendig und achten Sie alle Menschen ungeachtet von Gästekarten und Herkunft!!!«

Den Verantwortlichen attestiert er eine fehlende »geistige Reife« und wirft ihnen Dilettantismus in Bezug auf die Umsetzung der Parkgebühren vor.

Die Antwort von Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann folgt prompt: »Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihren in jeder Hinsicht offenen Brief.« Von »bemerkenswerten Ansichten« ist die Rede. Und weiter: »Ich darf Ihnen versichern, dass sich die Gemeinde Ramsau mit Ihren Vorwürfen beschäftigen wird. Sie hören in nächster Zeit von mir, selbstverständlich hinsichtlich der Wortwahl auf einem anderen Niveau.« Ach ja: Den Begriff des »Untermenschen« erachtet Gschoßmann als »völlig deplatziert«. Kilian Pfeiffer

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