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Höhenluft statt Depression

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Bei seiner Zehn-Gipfel-Tour wird Markus Maldinger auch die Watzmann-Mittelspitze erreichen. Fotos: privat
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Mit Weitwanderprojekten trainiert Markus Maldinger seine Ausdauer - hier bei einer Alpenüberschreitung von München nach Venedig.

Berchtesgaden - Normalerweise geht Markus Maldinger wie viele andere aus reiner Freude in die Berge. Doch bei seiner für Anfang Juli geplanten Zehn-Gipfel-Tour in den Berchtesgadener Alpen werden ihn wohl auch einige ernste Sorgen begleiten. Der 45-jährige Mannheimer wird sich nämlich Gedanken um seine im Jahr 2010 an Krebs erkrankte Freundin machen. Die erschütternde Diagnose hatte den Anstoß für dieses Bergprojekt gegeben. Maldinger will mit seiner Mammuttour zwischen Hohem Göll und Hochkalter auf die Arbeit der Deutschen Krebshilfe aufmerksam machen und einen Spendenaufruf starten.


Der schlimme Tag im Sommer des Jahres 2010 ist Markus Maldinger noch gut im Gedächtnis. Mit seinen Freunden vom »Psycho-Wanderkreis« war er am Lion-Grat des Matterhorns gerade in einen heftigen Wettersturz geraten, als er von der Krebserkankung seiner damals 33-jährigen Freundin erfuhr. Das bestärkte die Truppe darin, den schon in Erwägung gezogenen Rückzug anzutreten. Für den Mannheimer war es auch deshalb ein Schlag, weil er zuvor schon seine Stiefmutter und seinen Onkel durch den Krebs verloren hatte.

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»Nach der ersten Depression wurde mir klar, dass ich irgendetwas gegen den Krebs unternehmen musste«, erklärt der ausgebildete Krankenpfleger, der heute als Justizvollzugsbeamter in Mannheim arbeitet. Er entschied, sich mit seinem Hobby, dem Bergsteigen und Klettern, in den Dienst der guten Sache zu stellen. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Zehn-Gipfel-Tour will er auf die Arbeit der Deutschen Krebshilfe aufmerksam machen und einen Spendenaufruf starten. Dazu will er unterwegs und auf den Berghütten Prospekte verteilen.

Schauplatz dieser Aktion sollen die Berchtesgadener Berge sein, denn die kennt Maldinger am besten. Schließlich war er von 1990 bis 1998 bei den Struber Gebirgsjägern stationiert und so auch dienstlich viel in den Berchtesgadener Alpen unterwegs. Außerdem ist er regelmäßig mit seinen Freunden hier in Urlaub, um zu wandern und zu kraxeln. Zu den Lieblingstouren des 45-Jährigen gehört die Wiederroute zur Watzmann-Mittelspitze. Logisch, dass auch die ein Teil seines Bergabenteuers im Juli sein wird.

Der Startschuss soll nach den derzeitigen Planungen am 1. Juli fallen. Die lange Tour wird an der Enzianhütte an der Roßfeldstraße beginnen. Alleine wird Markus Maldinger zum Purtschellerhaus aufsteigen und dort seine erste Nacht verbringen. Weiter geht es am nächsten Tag über den Schustersteig auf den Gipfel des Hohen Göll, dann über das Hohe Brett hinunter zum Schneibsteinhaus. Tags darauf will der Mannheimer über den Schneibstein und den Kahlersberg die Wasseralm erreichen.

Besonders anstrengend wird es am nächsten Tag, wenn mit dem fast 3 000 Meter hohen Hochkönig der höchste Punkt der Rundtour erreicht wird. Vom Matrashaus geht es über die Schönfeldspitze zum Riemannhaus. Am sechsten Tag wartet die Strecke zum Ingolstädter Haus über den Hundstod und hinunter zum Kärlingerhaus am Funtensee. Über die Saugasse soll dann der Königssee erreicht werden, wo aber schon gleich wieder der Aufstieg über den Rinnkendlsteig zur Kührointhütte wartet.

Von dort ist es nicht weit bis ins Watzmannkar, wo sich der Einstieg zur Wiederroute befindet. Auf der Mittelspitze angekommen, geht es über den Watzmanngrat hinüber zur Südspitze und anschließend rund 1 500 Meter hinab zur Wimbachgrieshütte. Nicht weniger anstrengend wird wohl der letzte Tag werden. Der soll den Aufstieg vom Wimbachschloss zur Hochalmscharte, den Übergang zum Blaueiskessel und den Aufstieg zum Hochkalter bringen. Wenn Markus Maldinger so weit kommt und die Tour im Ofental langsam zu Ende geht, dann werden ihm die körperlichen Strapazen sicherlich zu schaffen machen. Gleichzeitig wird der 45-Jährige die letzten Schritte mit dem guten Gefühl gehen, etwas gegen die Krankheit Krebs unternommen zu haben. Das ist Markus Maldinger wichtig, auch wenn es seiner Freundin heute schon wieder deutlich besser geht.

Alle Informationen zur Zehn-Gipfel-Tour gibt es unter www.klettern-gegen-krebs.de. Ulli Kastner