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Höhlenforscher nach 48 bangen Stunden gerettet

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Die Retter hoffen, einen verletzten polnischen Höhlenforscher bis Sonntag aus der Jack-Daniel's-Höhle im Tennengebirge bergen zu können. Foto: dpa

Abtenau/Berchtesgaden (dpa) - Fast genau 48 Stunden nach seinem Absturz in 250 Metern Tiefe ist der verunglückte Höhlenforscher in den Salzburger Alpen an die frische Luft gehievt worden. Helfer,  darunter auch Bergretter der Bergwacht Berchtesgaden mit dem beim "Riesending"-Einsatz bewährten Stephan Bauhofer bargen den 27-Jährigen am frühen Samstagmorgen aus der Jack-Daniel's-Höhle im Tennengebirge. Ein Spezialhubschrauber der österreichischen Luftwaffe mit Nachtflugausrüstung brachte den Polen ins Landeskrankenhaus Salzburg. "Der Patient ist sichtlich geschwächt, aber bei gutem Allgemeinzustand", sagte Chefarzt Herbert Resch nach einer ersten Untersuchung. Der 27-Jährige habe leichte Unterkühlungen, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, linksseitige Becken- und Rippenbrüche sowie zahlreiche Blutergüsse und Schwellungen erlitten. "Eine Operation ist nicht nötig", erklärte Krankenhaussprecherin Mick Weinberger. Der Verletzte benötige nun erst einmal Ruhe. Der Höhlenforscher war am frühen Donnerstagmorgen etwa 250 Meter unterhalb des Höhleneinstiegs sieben Meter weit abgestürzt. In mehreren Etappen brachten ihn Spezialkräfte nach oben. Kurz nach 2 Uhr war die Bergung am Samstagmorgen geschafft, und der bereitstehende Hubschrauber konnte in Richtung Krankenhaus starten. An der Aktion waren insgesamt 182 Rettungskräfte beteiligt. Unter ihnen auch Helfer der bayerischen Bergwachtz, die im Juni an der spektakulären Aktion zur Rettung des deutschen Höhlenforschers Johann Westhauser aus der "Riesending"-Schachthöhle am Untersberg mitgewirkt hatte. Die Bergung Westhausers war weit komplizierter. Er war mehr als elf Tage in der Höhle eingeschlossen. Obwohl deutlich schneller vorüber, war auch die Aktion im Tennengebirge durchaus dramatisch, wie Einsatzleiter Walter Salzmann berichtete. Die Helfer hätten unter komplizierten Bedingungen aufwendige technische Umbauten an einem Flaschenzug vornehmen und den Schacht erweitern müssen, damit der Verunglückte samt Krankentrage nach oben gebracht werden konnte. Die Retter seien bis an ihre physischen Grenzen gegangen. Das hohe Tempo habwe man auch deshalb durchhalten können, weil der Forscher trotz seiner Verletzungen "außergewöhnliche körperliche und mentale Stärke" bewiesen habe, wie Höhlenrettungsarzt Jakob Crammer berichtete. Für den Einsatz seien drei Tonnen Material auf den Berg gebracht worden, teils nur mit Körperkraft, teils mit einem Polizewihubschrauber, sagte Höhlenretter Christian Roither. Insgesamt seien dafür 52 Flüge nötig gewesen.


Die Rettungskräfte hoffen nach eigenen Angaben, den 27-jährigen Forscher noch am Wochenende aus der Jack-Daniel’s-Höhle im Salzburger Tennengebirge herausholen zu können. »Wenn alles gut geht, haben wir ihn bis Sonntag draußen«, sagte Höhlenretter Gernot Salzmann gestern Freitag. An der Bergungsaktion waren am Freitag zunächst 70, später mehr als 100 Rettungskräfte beteiligt. Einige von ihnen, darunter auch der Berchtesgadener Stephan Bauhofer, waren bereits im Juni an der Rettung des deutschen Höhlenforschers Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle beteiligt, der elf Tage lang eingeschlossen war.

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Dem Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut, trotz einer Oberschenkelverletzung, Rippenfraktur und Gehirnerschütterung, sagte der Salzburger Höhlenretter Christian Roither bei einer Pressekonferenz in Abtenau. »Die Höhlenretter arbeiten sich mit dem Verletzten langsam, aber stetig durch das Schachtsystem zum Höhlenausgang«, hieß es bei der Polizei.

Am Freitagvormittag hatten Sanitäter mit dem Verunglückten auf einer Trage in Begleitung eines Höhlenrettungsarztes den »Ikara«-Schacht rund 200 Meter unter dem Höhleneingang erreicht. Allerdings müssten die Helfer darauf achten, dass die Belastung für den Verunglückten nicht zu stark wird – und entsprechend lange Pausen einlegen.

Nachdem Ärzte in der Nacht zum Freitag zu dem Verunglückten gelangen konnten, sei dieser nun »stabilisiert und versorgt«, sagte Bergrettungssprecherin Maria Riedler der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Der Pole sei am frühen Donnerstagmorgen etwa sieben Meter tief gestürzt. Die Ursache sei noch unklar.