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»Hohe Kosten, aber großer Nutzen«

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»Das Kongresshaus ist ein wichtiger Wertschöpfungsfaktor«, sagt dessen Leiter Josef Wenig. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden - Josef Wenig, der Leiter des Berchtesgadener Kongresshauses, lässt die Vorwürfe des Kur- und Tourismusvereins Berchtesgaden, das Kongresshaus verursache zu hohe Kosten und habe ein mangelhaftes Marketing (wir berichteten) nicht auf sich sitzen. In einem Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« relativierte er das jährlich Minus von rund 700 000 Euro. Schließlich sei das Kongresshaus ein bedeutender Wertschöpfungsfaktor und zentrale Anlaufstelle für Urlauber.


»Das Kongresshaus verursacht tatsächlich große Defizite. Aber erstens wurden die Bilanzen seit der Umstrukturierung im Jahr 2008 besser. Und zweitens ist das Kongresshaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.« Auf den ersten Blick sehe man stets nur das Defizit. Aber man müsse bedenken, dass Kongresse für bessere Übernachtungszahlen sorgen. Außerdem bräuchten Urlauber eine zentrale Anlaufstelle. »Wir haben ganzjährig geöffnet und bieten öffentliche Toiletten und einen Aufenthaltsraum.« Deshalb hält er den Namen »Kongresshaus« für nicht ganz gelungen. »Eigentlich müsste es Veranstaltungs- und Kulturzentrum heißen«, so Wenig. Momentan steht aber »Kongresshaus« über dem Eingang. Und offiziell heißt das Gebäude nach wie vor Kur- und Kongresshaus. Das ist wichtig, um den begehrten Titel »heilklimatischer Kurort« nicht zu verlieren.

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Josef Wenig hält große Stücke auf die Veranstaltungen, die in seinem Haus stattfinden. »Wir haben hochkarätige Tagungen. Großveranstaltungen mit an die 800 Teilnehmern. Zum Beispiel die des Evangelischen Siedlungswerks, der Apotheker und der Asphaltbranche«, weiß Wenig. Das beschere dem Talkessel immerhin rund 25 000 Übernachtungen pro Jahr. Jeder Gast lasse durchschnittlich 150 Euro pro Tag im Ort. Außerdem fänden alle kulturellen Großveranstaltungen des Talkessels im Kongresshaus statt. Bei Veranstaltungen für Jugendliche, wie beispielsweise dem »Tag der Jugend«, legt Wenig großen Wert darauf, dass dabei keine Gewinne erzielt werden. »Wenn es um die Jugend geht, ist es doch selbstverständlich, dass wir nur kostendeckend abrechnen.«

Der zweite große Vorwurf des Tourismusvereins betrifft das Marketing des Kongresshauses. Hier gibt Josef Wenig Versäumnisse zu. Vor allem der Online-Auftritt sei veraltet. »Der wird aber gerade überarbeitet und wird dann in die ebenfalls überarbeitete Website der TRBK eingebunden«, verspricht Wenig. Immerhin habe das Kongresshaus inzwischen eine eigene Facebook-Seite.

Generell sei die Akquise von Tagungen schwierig. Denn das Kongresshaus steht unmittelbar vor der Sanierung. »Da wir die Zeiträume und den genauen Ablauf der Maßnahmen noch nicht kennen, ist es schwierig, verbindliche Terminvereinbarungen zu treffen«, bedauert Josef Wenig. Was er ebenfalls bedauert: »Wir haben eine hochwertige Broschüre. Aber aus verschiedenen Gründen verteilt sie die BGLT nicht.« Die BGLT bewirbt das Kongresshaus nämlich kategorisch nicht (siehe eigener Bericht).

Josef Wenig betont immer wieder, dass er dem Tourismusverein gerne Rede und Antwort gestanden hätte. Als Vorsitzender des Tourismusvereins Au könne er die Anliegen der Zimmervermieter gut verstehen. Jedoch habe er keine Einladung zur Jahreshauptversammlung erhalten. Auch eine Nachfrage seitens des Vorsitzenden Werner Sliwa habe es nicht gegeben. »Ich wünsche mir mehr Miteinander, dass man solche Sachen ausredet und offen Kritik übt«, betont Josef Wenig. Christian Fischer