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Holzeinschlag am oberen Felsentor in Ramsau

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Zahlreiche Buchen oberhalb der Alpenstraße sind vom Pilz befallen. Mit einer größeren Fällaktion soll das Befahren der Bundesstraße wieder sicherer gemacht werden. Fotos: Anzeiger/Scheidsach
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Mit schwerem Gerät geht die Baumfällaktion an der Alpenstraße zügig vonstatten.
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Erst wenn die Bäume gefällt sind, lässt sich erkennen, ob sie tatsächlich krank sind.

Ramsau – Eine größere Holzfällaktion ist derzeit an der Bundesstraße 305 beim oberen Felsentor in Ramsau im Gange. Mit dem Projekt will das Staatliche Bauamt Traunstein die Verkehrssicherheit auf der Alpenstraße erhöhen. Denn der tödliche Baumunfall im Mai letzten Jahres, bei dem eine Buche auf ein Auto gestürzt war, ist vermutlich auf einen Pilzbefall zurückzuführen.


Ein Ehepaar aus Köln befuhr die Bundesstraße 305 talwärts, als direkt vor dem oberen Felsentor plötzlich eine große Buche auf das Autodach stürzte und den Fahrer sofort erschlug. Eine Begehung der Einschlagflächen mit Forstexperten, unter anderen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den Forstbetrieben Berchtesgaden und den zuständigen Revierförstern, brachte die Gewissheit, dass sich an zahlreichen Buchen die gefährliche Pilzart Zunderschwamm ausgebreitet hat, die zur Weißfäule der Bäume führt. Weil sich der Pilz zumeist in relativ geringer Höhe horizontal in den Baum frisst, ist es meist zu spät, wenn man den Befall optisch wahrnehmen kann. Bei dieser Pilzkrankheit wird das Kambium (Wachstumsschicht) zerstört und schon bei kleineren, lokalen Stürmen oder bei starkem Regen kann ein Stammbruch in der Nähe des Pilz-Fruchtkörpers erfolgen.

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Dies war vermutlich auch Ursache für das tragische Unglück im letzten Jahr. Die Forstexperten befürworten daher ausdrücklich den Holzeinschlag an der Bundesstraße 305 und sehen dies als eine ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung des Bergwaldes. Dies wurde auch mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Berchtesgadener Land so besprochen. Diese bestätigte die Auffassung, dass es sich bei diesen Flächen um Waldgrundstücke handle und somit der Verbotszeitraum nach Paragraph 39 Bundesnaturschutzgesetz nicht zum Tragen kommt. Diese Grundstücke würden daher nach dem Bayerischen Waldgesetz behandelt, erklärte dazu Franz Förg vom Staatlichen Bauamt Traunstein.

Sicher seien die Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht bei Privatwaldbesitzern gegenüber Dritten anders zu sehen als die bei einem Baulastträger einer Bundesstraße, heißt es beim Staatlichen Bauamt Traunstein. Allerdings ist man auch der Auffassung, dass es angesichts des Baumsturzes und in Kenntnis des Weißfäulebefalls von den Besitzern grob fahrlässig wäre, wenn in diesem Bergwaldbereich keine Kontrollbegehungen beziehungsweise waldbauliche Maßnahmen durchgeführt würden. Untätigkeit könnte bei einem erneuten Unfall als schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht ausgelegt werden und die Versicherung würde bei einem Haftungsschaden nicht eintreten. Förg betonte auch, dass der Holzeinschlag Mitte März sehr zeitig im Jahr erfolge und die Vogelbrutzeit vor allem im Bergtal Ramsau noch nicht eingesetzt habe.

Sollten die Witterungsbedingungen gut bleiben, wird es wohl bei einer 14-tägigen Sperrung bleiben. Spätestens am Freitag, 4. April, sollen die Fällarbeiten abgeschlossen sein. Mit der Waldbauernvereinigung Laufen sind schließlich Baumexperten mit den Fällungen beauftragt worden. Die Alpenstraße ist aus Richtung Berchtesgaden ab der Ramsauer Ortseinfahrt gesperrt, der obere Ortsteil entlang der Alpenstraße und das Gebiet Hochschwarzeck können über die Grasslergasse erreicht werden.

Wegen der Sperrung kann die Regionalverkehr Oberbayern GmbH die Kurse 103, 105, 107 und 111 der Linie 845 – Ringlinie Ramsau »RamBus« – nur zum Aussteigen und in anderer Reihenfolge bedienen. Die Kurse 104 und 106 entfallen. Kurs 101 (Schulbus) wird normal bedient. Der Schulbus um 6.44 Uhr fährt schon um 6.35 Uhr ab Hochschwarzeck. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 08652/94480. Christian Wechslinger