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Gudrun (l.) mit Rosemarie Helliel vom BRK am Bohinj-See in Slowenien. (Foto: BRK BGL)

Hospizmobil auf Braunbären-Suche

Berchtesgadener Land – Die ehrenamtlichen Helfer des Roten Kreuzes waren mit ihrem Herzenswunsch-Hospizmobil mehrere Tage lang in Slowenien unterwegs, um der schwer kranken 50-jährigen Wildbiologin Gudrun und ihrem 13-jährigen Sohn einen ganz besonderen Herzenswunsch zu erfüllen. Rosemarie Helliel vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) – beruflich in der Hospiz- und Kinderhospiz-Arbeit tätig – und Mike Hinterhofer vom Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) – Jugendreferent beim Salzburger Jugendrotkreuz – bereiteten den viertägigen Ausflug vor und verbrachten mit Gudrun und ihrem Sohn eine erlebnisreiche Zeit in Bohinj.


Bei der Wildbiologin und ehemaligen Berg- und Crosslauf-Sportlerin wurde 2005 ein Gehirntumor diagnostiziert. Trotz einer OP schwebte sie in Lebensgefahr, überstand den schweren Kampf aber und wurde wieder gesund. Gudrun erforschte zehn Jahre lang die Küstenwölfe in Kanada, hatte Bären- und viele andere Wildtier-Begegnungen an den entlegensten Orten. Sie erzählt ihre Erlebnisse in dem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm »Auf den Spuren der Küstenwölfe« und schrieb unter anderem auch das Buch »Wolfspirit«. Ein Buch, das Mut macht, sich dem Leben zu stellen. 2009 kehrte sie nach Österreich zurück und brachte einen gesunden Sohn zur Welt.

Leider kehrte die Krankheit dann in den letzten Jahren zurück und ihre rechte Körperseite zeigt mittlerweile deutliche Lähmungserscheinungen. Auch das Blickfeld der rechten Seite ist stark eingeschränkt und durch eine OP wurden die Stimmbänder verletzt. »Denken und Handeln dieser ganz besonderen Frau brauchen viel Zeit, die sich unser gut eingespieltes Team natürlich gerne nimmt«, berichtet BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter.

Gleich nach der Ankunft hatte der 13-jährige Sohn viel Spaß mit Mike Hinterhofer als Animateur im Aqua-Bereich des Hotels. Ein als Überraschung mitgebrachtes Stand-up-Paddle-Board – gespendet von der Firma »John Spielwaren« aus Freilassing – machte dann den zweiten Tag am Bohinj-See unvergessen. Gudrun konnte ihren Sohn vom Strand aus beobachten und machte mit körperlicher Unterstützung durch Rosemarie Helliel einen Spaziergang. Die erfahrende Hospiz-Arbeiterin achtete während der ganzen Reise immer gut auf die gesundheitlichen Bedürfnisse und Einschränkungen von Gudrun, während Mike sich vor allem den Interessen ihres Sohnes widmete.

Am dritten Tag eroberten die beiden Männer den Hochseilgarten in Bled; mit sportlicher Begeisterung trieb der Teenager Mike dabei den Schweiß auf die Stirn. »Die beiden hatten sichtlich Spaß! Eine herrliche Abkühlung gab es dann in der Sava, dem größten Fluss Sloweniens; das saubere Wasser war ein voller Genuss auf dem Heimweg zum Hotel. Leider konnten wir Gudrun die Sichtung von Bären aus gesundheitlichen Gründen nicht ermöglichen – die achtstündige Tagesexkursion zur Beobachtungsstelle wäre für sie zu weit gewesen. Wir werden aber versuchen, mit ihr in den nächsten Wochen einen kurzen Ausflug zum Salzburger Zoo und dem dortigen Rudel zu organisieren«, berichtet Halter.

Zum gebührenden Abschluss der durch eine wunderbare Landschaft und viel Natur geprägten Reise machte das Herzenswunsch-Hospizmobil noch Station in Flachau, wo sich das mittlerweile hervorragend eingespielte Männerteam im Bogenschießen messen konnte. »Wir wünschen unseren besonderen Reisegästen viel Wolfskraft für die Zukunft«, sagt Helliel.

ml