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»Hotels, Hotels, Hotels«

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BGLT-Chef Stefan Köhl freut sich über positive Landkreis-Zahlen, pocht aber auf eine bessere Zusammenarbeit. Foto: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden - Die Gäste und Übernachtungszahlen schnellen im Landkreis in die Höhe. Darüber freut sich Stefan Köhl. Gründe dafür gibt es laut dem Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH zuhauf. Baustellen aber ebenso. Zu klagen hat der Touristiker auch: Er fordert eine bessere Zusammenarbeit mit der Politik. Denn die Region hat zusätzliche Hotels dringend nötig.


Ein deutliches Gäste- und Übernachtungsplus verzeichnet der Landkreis. Wie kommt‘s?

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Stefan Köhl: Im Landkreis arbeiten wir auf allen Ebenen sehr intensiv. Da spielt die Hotellerie ebenso eine Rolle wie die Ausflugsziele in der Region - sei es das Salzbergwerk oder der Berchtesgadener Advent. Natürlich hat ein Hotel wie das »Edelweiß« eine Menge bewirkt. Als zentrales Haus mitten im Ort ist der Effekt ein sehr positiver. Außerdem wurden in vielen Häusern, etwa unseren Top-Ten-Hotels, kräftig investiert. Es geht uns ja nicht nur darum, zusätzliche Übernachtungen zu generieren. Wir wollen die Wertschöpfung steigern - das ist unser Ziel.

Dazu gehört auch der Online-Auftritt.

Köhl: Ja, viel ist in der letzten Zeit in Sachen Internet passiert. Ob Marktschellenberg, Schönau am Königssee, aber auch bei einzelnen Vereinen - sie alle haben eine Menge in ihre Webseiten gesteckt und präsentieren sich wesentlich ansprechender als dies noch in der Vergangenheit der Fall war. Von Seiten der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH haben wir vordergründig Wert auf gemeinsame Messe- und Presseauftritte gelegt.

Die BGLT bewirbt den Landkreis unterschiedlich - vom touristisch geprägten Süden bis hinauf in den Landkreis-Norden: Auf was muss marketingtechnisch geachtet werden?

Köhl: Für uns steht die Marke »Berchtesgadener Land« im Vordergrund. Deshalb haben wir für die einzelnen Regionen touristische Leitthemen. Im südlichen Landkreis sind das etwa der Nationalpark und die Ausflugsziele wie das Salzbergwerk oder der Königssee. Das sind Orte, die immer gut besucht werden, wo jeder, der hierher kommt, hin möchte. In Bad Reichenhall wird eher der Gesundheitsgast angesprochen. Und im nördlichen Landkreis ist unsere Zielgruppe jene, die etwa gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist. Darunter fallen dann Familien, die auf den sanften Hügeln des Rupertiwinkels besser untergebracht sind als bei uns im Talkessel, wo es schon mal deutlich steiler ist. In der nördlichen Region empfangen wir auch eher Badegäste - wegen der Seen, die es dort gibt. Wer zum Königssee kommt, der kommt sicher nicht wegen des Badespaßes. Im Winter ist es das Skitourenfestival in Berchtesgaden, mit dem wir werben, rund um Ostern etwa das Heilige Grab in Höglwörth. Unser Ziel muss es sein, das gesamte Jahr eine schöne Spannungskurve im Landkreis aufrechtzuerhalten.

Die Tagesausgaben der Urlauber steigen. Von 84 Euro (2005) auf 103 Euro (2009). Haben die Gäste mehr Geld zur Verfügung?

Köhl: Es gibt mehrere Gründe, warum die Tagesausgaben gestiegen sind. In jedem Fall sind es die Hotelinvestitionen, die dazu beitragen. Es ist klar, dass ein Haus wie das »Edelweiß« dafür sorgt, dass die Gäste mehr Geld pro Tag hierlassen. Allein schon wegen der dortigen Übernachtung. Außerdem fahren die Leute nicht mehr so lange am Stück weg. Sondern eher kürzer.

In dieser knappen Zeit wollen sie aber möglichst viele Ausflugsziele besichtigen. Das erhöht natürlich die Tagesausgaben. Hinzu kommt, dass die Gastgeber die Ausflugsziele inzwischen deutlich besser bewerben als früher. Das sieht man etwa bei der Kunsteisbahn am Königssee. Dort wurde viel Geld investiert und jetzt lohnt sich ein Ausflug natürlich.

Die Bettenzahlen in den Kommunen sind deutlich rückläufig. Wie können die Gemeinden dem entgegenwirken? Gibt es Konzepte?

Köhl: Ja, die gibt es. Hotels, Hotels, Hotels. Die brauchen wir. Denn der Bettenschwund ist spürbar - und zwar auf allen Ebenen. In alten Hotels findet sich niemand, der sie weiterführt. Deshalb werden sie geschlossen. Für viele ist auch die Hürde der Investitionen zu hoch, als dass man diese bewältigen könnte. Allein beim Brandschutz sind die Auflagen riesig. Es muss heutzutage sehr viel Geld in die Hand genommen werden.

Ich gewinne dem Bettenschwund aber auch Positives ab. Zum einen wird dadurch die allgemeine Auslastung im Landkreis besser. Ein profitabler Hotelbetrieb braucht um die 60 Prozent an Auslastung. Wer qualitativ nicht mithalten kann, verschwindet vom Markt. Schaut man sich aber im Landkreis um, sieht man, dass hier sehr viel passiert ist. Es gibt zahlreiche Ferienwohnungen im Fünf-Sterne-Bereich, die sich sehen lassen können und ausgezeichnet sind. Der Standard ist im Vergleich zu früher viel höher geworden.

Was plant die BGLT für die kommenden Jahre, um weiterhin so gute Zahlen vorweisen zu können?

Köhl: Wir schwitzen immer wieder. Denn unkomplizierter wird unsere Arbeit in der Zukunft mit Sicherheit nicht werden. Im Online-Bereich bauen wir derzeit sehr viel um. Wir haben erkannt, dass die mobilen Zugriffe auf unsere Seiten steigen. Deshalb arbeiten wir hart daran, dass die Lösung am Ende eine gute wird.

Außerdem wird das Thema »Familie« für die BGLT weiterhin sehr wichtig bleiben. Daher planen wir auch eine Familienwanderkarte. Schon demnächst wird sie umgesetzt. Wichtig wird für uns sein, dass der Kongresshausumbau so bald als möglich realisiert wird.

Mit dem »Haus der Berge« und dem Porsche-Museum erwarten uns in diesem Jahr noch zwei weitere Ausflugsziele, bei denen so mancher Touristiker neidisch werden könnte.

Und sonst?

Köhl: Ich hoffe, dass es nur wenige Gemeinderäte geben wird, die bremsen, etwa dann, wenn es um neue Hotels geht. Diese zu zerreden, wäre äußerst kontraproduktiv. Ich befürchte, dass es uns von der BGLT die anstehenden Kommunalwahlen 2014 nicht unbedingt einfacher machen werden. Mehr gegenseitiges Vertrauen und eine verbesserte Zusammenarbeit sind das Ziel. Kilian Pfeiffer