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Hütten als Säulen des naturnahen Tourismus

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Rund zweieinhalb Stunden wanderte Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber (l.) mit DAV-Funktionären und Medienvertretern hinauf zur Blaueishütte, in der Mitte DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig und Berchtesgadens Sektionsvorsitzender Beppo Maltan. Foto: Anzeiger/Thoma-Bregar

Ramsau – Der Deutsche Alpenverein (DAV) besitzt rund 326 Hütten, 67 davon in den bayerischen Alpen. Eine davon ist die Blaueishütte in der Ramsau. Sie liegt auf 1 680 Metern und wurde vor zwei Jahren an die Kanalisation im Tal angeschlossen. Ziel des Alpenvereins ist es nämlich, Tourismus in den Alpen so naturnah wie möglich zu gestalten – und das gilt auch für die Hütten. Am Donnerstag folgte Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber einer Einladung des DAV und wanderte mit einem Tross aus Funktionären, Mitgliedern und Pressevertretern hinauf zur Blaueishütte.


Auf den letzten Metern kam der Bayerische Umweltminister doch noch richtig ins Schwitzen und wirkte erleichtert, als er nach dem rund zweieinhalbstündigen Fußmarsch endlich auf der Terrasse der Blaueishütte steht. Und entsetzt. Denn seit er das letzte Mal als Junge hier oben war, ist der Blaueisgletscher erheblich geschrumpft. »Der ging früher noch viel weiter runter.« Ein sichtbares Zeichen des Klimawandels, unter dem die empfindliche Alpenregion besonders leidet.

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Und weil sich Bergsport, Tourismus und Klimaschutz gegenseitig bedingen – der Klimawandel wirkt sich unmittelbar auf die verschiedenen Formen des Bergsports aus und Bergsportler tragen ihrerseits mit ihrem Verhalten zum Klimawandel bei – ziehen der DAV und das Bayerische Umweltministerium am selben Strang. Und deswegen auch der gemeinsame Ausflug in eine der letzten fünf Gletscherregionen Bayerns.

Man wolle sanften Bergtourismus, betonte Vorsitzender Beppo Maltan von der Berchtesgadener Alpenvereinssektion, der die Blaueishütte gehört. Beim gemeinsamen Gespräch in der eingeheizten Stube und zu Gemüsesuppe und Schweinsbraten machten beide Seiten ihre Standpunkte klar. Auch Umweltminister Huber fordert einen schonenden Umgang mit den Alpen.

»Sie sind Heimat zahlreicher Ökosysteme und von größter Bedeutung für die biologische Vielfalt«. So kämen auf 16 Prozent der bayerischen Landesfläche 80 Prozent aller bayerischen Tier- und Pflanzenarten. Ein Grund, weshalb das Umweltministerium das DAV-Projekt »Klimafreundlicher Bergsport« unterstützt.

Und einen Scheck über 200 000 Euro hatte der Umweltminister auch gleich mit dabei. DAV-Vizepräsidenten Ludwig Wucherpfennig nahm ihn glücklich entgegen. »Die Zukunft des Alpenraums steht und fällt mit der Zukunft ökologisch und sozial verträglicher Tourismusformen. In unseren Projekten geht es genau darum. Aber ohne tatkräftige Unterstützung durch starke Partner stünden wir dabei auf verlorenem Posten«.

Vorzeigeobjekt Blaueishütte

Das DAV-Projekt »Klimafreundlicher Bergsport« setzt stark auf die energetische Sanierung seiner vereinseigenen Hütten. Ziel ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Erst 2011/2012 wurde die Blaueishütte am Hochkalter an die Kanalisation und die Stromversorgung im Tal angeschlossen. Ein Paradebeispiel für eine Hütte, die immerhin fast 1 700 Meter hoch und mitten im felsigen und steinigen Gelände liegt.

Beppo Maltan umriss im Rahmen des Pressegesprächs kurz die Geschichte der Unterkunft, die 1922 von der Alpenvereinssektion Hochland als Selbstversorgerhütte eröffnet wurde. Sechs Jahre später übernahm sie Raphael Hang senior in Pacht und begann mit der Bewirtung. Der Betrieb lief gut, die Besucher kamen scharenweise. Es wurde fleißig um- und angebaut. Bis der bekannte Bergsteiger Hermann Buhl, der in der Ramsau verheiratet war, 1953 nach einem Winterausflug vermeldete: Die Hütte ist verschwunden. Eine Staublawine hatte das Gebäude weggefegt. Die DAV-Sektion Hochland errichtete eine Nothütte und begann mit den Planungen für einen Wiederaufbau. Allerdings fehlten die finanziellen Mittel, also übernahm die Berchtesgadener Sektion. Geld war da, weil man das Kehlsteinhaus angegeben hatte. 1962 wurde die neue Blaueishütte, die etwa 100 Höhenmeter niedriger liegt als die alte, feierlich gesegnet. Zunächst blieb Raphael Hang senior Pächter, 1976 gab er die Hütte an Sohn Raphael junior ab. Mittlerweile ist die dritte Generation am Zug.

Um die Hütte auf die neuesten Umweltstandards zu bringen, hat man vor rund eineinhalb Jahren umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt. Nach einer langen Planungsphase und der Auswertung mehrerer Gutachten entschied man sich, die Entsorgung der Hütte durch eine Abwasser-Ableitung ins Tal zu lösen und an das öffentliche Stromnetz anzuschließen. 1,4 Millionen Euro hat das gekostet. Die Bauarbeiten erfolgten unter strengen Umweltauflagen und mit einer ökologischen Bauleitung vor Ort. Entstanden sind außerdem ein Trockenraum, erweiterte Sanitäranlagen und eine größere Küche.

Klimafreundlich in die Berge

Beim »Klimafreundlichen Bergsport«, der noch im Jahr 2013 starten soll, geht es auch darum, wie die Anreise ins Gebirge umweltfreundlich gestaltet werden kann und welche konkreten Maßnahmen greifen. Hans-Peter Mair, Geschäftsbereichsleiter für Hütten, Naturschutz und Raumordnung im DAV, betonte die Bedeutung des Projektes: »Wir sind von den vielfachen Vorzügen des Bergsports überzeugt – und davon, dass Bergsport einen positiven Beitrag zum Erhalt einer intakten Natur leistet. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir unser Verhalten als Bergsportler immer wieder überprüfen. Nicht nur in den Bergen, sondern auch auf dem Weg dorthin.« Er selbst habe versucht zu dem heutigen Termin von Mühldorf aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, berichtete Umweltminister Huber. »Aber das hätte fast fünf Stunden gedauert«.

Jährlich investieren der DAV und seine Sektionen rund elf Millionen Euro in den Erhalt und die Sanierung des Hütten- und Wegenetzes. »Dazu kommen viele Tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit«, sagte Hans-Peter Mair. »Unser Engagement kommt der Öffentlichkeit zugute. Und deshalb wünschen wir uns dafür auch noch mehr Unterstützung durch das Land Bayern.« Diesen Wunsch nahm Marcel Huber mit auf den Weg hinunter ins Tal. Während sich beim Aufstieg in der Früh Hochkalter und Schärtenspitze noch in dicke Wolken hüllten, setzte sich nach einem letzten mittäglichen Regenguss endlich die Sonne durch. Kathrin Thoma-Bregar