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»I miei sono i migliori«

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Der frischgebackene Weltmeister Andrea Antoccia und seine Trophäen. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Der Berchtesgadener Talkessel hat schon viele Weltmeister hervorgezaubert. Ein für die heimische Region etwas untypischer Preisträger konnte sich jüngst ebenfalls seine Pokale ins Regal stellen.


Andrea Antoccia belegte beim bedeutendsten Back-Wettbewerb in den Kategorien für »vegane Pizza« und »traditionelle Pizza« jeweils den ersten Platz und wurde somit Weltmeister. Natürlich fand das Turnier in Italien statt. Im WM-Wettkampf in Rimini verwies der Schönauer Pizzabäcker 500 Konkurrenten auf ihre Plätze. Der »Berchtesgadener Anzeiger« traf sich mit dem frisch gebackenen Champion in der Pizzeria »Jolly«.

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Um gleich etwaige Verwirrungen über das Geschlecht des Weltmeisters auszuräumen, sei hier erklärt, dass in Italien Frauen nicht Andrea heißen und auch nicht dürfen. Dort ist es ein männlicher Vorname, und vor 31 Jahren sollte sich in den Abruzzen ein weiterer Andrea dazugesellen. 27 Jahre später zog Andrea Antoccia nach »Baviera«, in die Schönau. Seine Wirkungsstelle wurde die Pizzeria »Jolly«. Dort ist er teilhabender Geschäftsführer neben Erika Wühr. Sie leitet das italienische Lokal in der Waldhauser Straße schon seit 1989.

Bei einem Besuch in der Pizzeria, strömt dem Gast das erhoffte Duftprogramm in die Nasenflügel. Der fast 400 Grad Celsius heiße und mit Buchenholz befeuerte Ofen verbreitet einen Wohlgeruch aus knusprigem Teig, überbackenem Käse und allen anderen möglichen Zutaten. Die Kerzen flackern auf rustikalen Holztischen, und im Hintergrund dudeln dezent die Hits der südländischen Frauenverführer. Einen »Ramazzotti« zu Ramazzotti.

Pizzabäcker gibt es fast wie Sandkörner an der Adriaküste. Einen WM-Sieger heuer nur einen. Zum vereinbarten Interview kommt ein italienischer Weltmeister auf einen zu, wie ein italienischer Weltmeister auf einen zukommen muss. Antoccia strahlt und trägt seine Pokale, wie seine eigenen »Bambini« unter den Armen. Sein Deutsch ist längst noch nicht so perfekt, wie seine Backkunst. Aber das macht gar nichts. Im Gegenteil. Es erhöht nur den Authentizitätsfaktor des Meisters. Dafür spricht Erika Wühr spitzenmäßig italienisch und übersetzt alles »rapidamente«. Antoccia wirkt trotz seines Titels alles andere als abgehoben und erklärt eher zurückhaltend im Gespräch seinen Weg zur Auszeichnung.

Wie läuft eine Pizza-WM ab?

»Die Weltmeisterschaft fand vom 18. bis 21. Februar in Rimini statt«, beginnt Antoccia. »Neben einem großen Publikum in der Messehalle, schaute mir besonders die fünfköpfige Jury auf die Finger.« Zwei Küchenchefs, eine Lebensmitteltechnikerin, ein Ausbilder und ein Mehlexperte beurteilten seine Arbeit. Zusätzlich galt es, danach eine präzise Arbeitsbeschreibung abzugeben. »Wert wurde vor allem auf den Pizzateig, die Mehlart, Frische und Qualität der Beläge sowie natürlich auf das Backen gelegt«, fährt Antoccia fort. »Es galt, die Zubereitungstechniken der Gemüsearten, Soßenvariationen auf dem gewählten Teig mit der Ofenhitze harmonisieren zu lassen und die Pizza zu dekorieren. 20 Minuten hatte jeder WM-Anwärter Zeit«, erzählt der Weltmeister. Seine Trophäen erhielt er in den Kategorien »vegan« und »klassisch«.

Fast 100 Pizzen

Das macht er natürlich auch im »Jolly«. Dort stehen fast 100 verschiedene Pizzen zur Auswahl und demonstrieren den Kreativitätsumfang Antoccias. Saisonale Variationen werden kreiert und ein Lieferservice angeboten. Der ist immer noch die beste Qualitätsalternative zur tiefgefrorenen und diskriminierenden »Mafiatorte« von der Tanke. Das runde Fladenbrot muss auch nicht immer die Standardgröße von 33 cm einhalten. Eine »Family-Pizza« kommt auf 45 cm und die »Giro-Pizza« sogar auf 60 cm und tendiert schon Richtung Kutschenrad, wo bis zu sechs Personen gut gelaunt herum schneiden und danach wohlgesättigt die Servietten falten können. Bei einer Art »Freistil-Pizza« darf der Gast nach Gusto seinen individuellen Belagwünschen freien Lauf lassen. Der Pizzabäcker rotiert dann kunstvoll mit flinken Handbewegungen, um die persönlichen kulinarischen Fantasien zu vollenden.

Wührs und Antoccias »Jolly« ist sogar im Pizza-Guide »Where to eat Pizza« eingetragen. Dort sind die empfehlenswertesten Pizzerien aus der ganzen Welt verzeichnet. Darauf, dass Andrea jetzt den Weltmeistertitel innehat und sich darin verewigen wird, ist er natürlich stolz und kann behaupten: »Meine sind die Besten«, beziehungsweise »I miei sono i migliori«. Jörg Tessnow