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»Iazt fangt des scheene Fruahjahr o«

4.5
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Tamara Kaltenbacher begleitete an der Zither den Küahtreiber Dreigesang. Fotos: privat
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Der »Hasei« (l.) im Kreise von Fleitl- und Saitenmusi.
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Der Salzburger Dreigesang bei einem seiner stimmlich gehaltvollen Auftritte.
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Sprecher Adi Hölzl war beim Frühlingssingen wieder in seinem Element.
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Der 4/4 Zwoagsang aus Jochenstein erheiterte die zahlreichen Zuhörer.

Berchtesgaden – Draußen spätwinterliche Kühle, doch drinnen im voll besetzten Pfarrsaal anhaltend locker-heitere Frühlingsstimmung. Dafür sorgte schon die Grünstoa-Klarinettenmusi mit einem beschwingten Auftaktmarsch; die Traunsteiner Lindl-Preisträger 2012 spielten beim Frühlingssingen der Pfarrei St. Andreas rhythmisch schneidig auf. Danach konnte Adi Hölzl als Sprecher die zahlreich erschienenen Besucher begrüßen, darunter erstmals Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob sowie Hans-Jörg Hasenknopf, den Hasei, der verantwortlich für das abwechslungsreich gestaltete Programm zeichnete. Er stellte kurz die Vielzahl der Musikanten und Sängergruppen vor und führte mit seinen Textbeiträgen humorig wie heiter durch den Abend.


Schon die erste Gesangsdarbietung des Salzburger Dreigesangs mit Christl Klappacher, Elisabeth Radauer und Helene Widauer, angenehm zurückhaltend begleitet von der Berchtesgadener Saitenmusi, war harmonisch ein absoluter Hörgenuss. Die Berchtesgadener Saiten- wie die Fleitlmusi rund um den Hasei stellten sich mit ihren diversen Programmbeiträgen den gesamten Abend über als gut eingestimmte Musikanten dar.

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Adi Hölzl erinnerte in einem würdigenden Textbeitrag an den verstorbenen Schwab Franzi, der so oft beim Frühlingssingen mitgewirkt hatte, bevor der 4/4 Zwoagsang aus Jochenstein bei Passau mit Gottfried, Elisabeth und Petra passend zur Jahreszeit ein »freches« Liebeslied vom Fensterln, vom Gasslgehen anstimmte. Auch die g'standnen Mannsbilder des Küahtreiber Dreigesangs sangen in ihren Beiträgen mal von der Liab', mal von der Jagd, wobei eher die Wildschützen gemeint waren. Zunächst aber erfreuten Wofe und Wasti Hasenknopf mit Lois Gruber und von Tamara Kaltenbacher dezent an der Zither begleitet mit »Fangt scho's Abern o« die Besucher. Was wären die Oiringer ohne einen schneidigen Jodler dazu. Adi Hölzl berichtete verschmitzt von einer Fastenpredigt, die den Zuhörer aus der »falschen« Pfarrei überhaupt nicht beeindruckt hatte.

Vom Salzburger Dreigesang wurde das Lied von »Guggu« so bestechend vorgetragen, dass man fast glaubte, der Kuckuck wäre wirklich anwesend. Erneut hatte die Grünstoa-Klarinettenmusi, besetzt mit drei Klarinetten, Tuba und diatonischer Ziach, einen ihren flotten und beschwingten Auftritte, der mit raffinierten Tempiwechseln zum Ohrenschmaus wurde. Hervorzuheben ist das virtuose wie unbekümmerte Zusammenspiel dieser Musikanten, drei Dirndl und zwei junge Burschen unter der Leitung von Christl Haas; herzerfrischend dabei, wie die 19-jährige Katherl Schwab die Tuba souverän beherrschte; nicht nur ein Hörgenuss.

Die Jochenstoana hatten mit ihren frechen, ja ungewöhnlichen Liebesliedern schnell die Sympathien des Publikums gewonnen, wenn sich das »Röslein« der Hochzeit nachträglich als Skelett, als Art »Missgeburt« entpuppt oder wenn »mein Weiberl« über alle möglichen menschlichen Untugenden verfügt. Vor der Pause fanden Gäste und Musikanten zum gemeinsamen Singen zusammen: »Iazt fangt des scheene Fruahjahr o« füllte harmonisch den Pfarrsaal.

Der zweite Teil des stimmungsvollen Abends wurde traditionell mit dem besinnlichen »Marienteil« eröffnet. Den Gruppen gelang es nun durch ihre feinen, leisen Beträge die Zuhörer nachdenklich zu stimmen. Zum Thema Maria waren ganz andere Töne und Texte zu hören, wobei der Salzburger Dreigesang mit »Der Tag hat sich geneigt« einen besonderen musikalischen Akzent setzte. Die Berchtesgadener Saitenmusi erinnerte mit dem »Friedbi-Landler« an den verstorbenen Volksmusikanten Friedbi Schorsche (Georg Eder). Danach konnten die angereisten Jochenstoaner mit ihren Gstanzln eine ganze Reihe von Anwesenden geschickt mit vermeintlichen Wahrheiten »tratzen«.

Es folgte nochmals ein hörenswerter Durchgang aller Musik- beziehungsweise Gesangsgruppen mit einem feinstimmigen Ausblick auf das Frühjahr; diesmal wurden die Oiringer Sänger gesanglich bestens von Tamara Kaltenbacher unterstützt und der herzhafte Juizer durfte nicht fehlen. Nun konnte Sprecher Adi Hölzl allen Mitwirkenden und den zahlreichen Helfern sehr herzlich danken.

Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob sagte allen ein herzliches Vergelt's Gott und erinnerte daran, dass »unsere Landschaft den Menschen prägt und dazu gehört auch die Musik«. Es sei schön, dass ein Abend wie der heutige so rund und überzeugend gelinge; dazu brauche es keine Effekte. Nach dem jugendlich schwungvoll gespielten »Außischmeißa« gab es noch Zugaben, denen das begeisterte Publikum ebenso herzlich und reichlich applaudierte wie den vielen Programmnummern vorher. So wünschten der Küahtreiber Dreigesang ein gutes Heimkommen und die Grünstoa-Klarinettenmusi verabschiedete sich mit einem temperamentvoll vorgetragenen Walzer. Da darf man sich gern an die Worte des unvergessenen Kiem Pauli erinnern: »Die Klarinette ist die Königin der Tanzböden!« Recht hat er, umso mehr, wenn er Hansl, Katherl, Vroni, Jonas und Christl bei deren herzerfrischendem Aufspielen gehört hätte.

Rasch und kurzweilig waren gut zwei Stunden mit vielseitigen musikalischen wie textlichen Darbietungen auf durchgängig gehaltvollem Niveau vergangen. Dabei tat der jugendliche Nachwuchs und Schwung der heiteren Veranstaltung sehr gut. Man freut sich schon jetzt auf ein nächstes Frühlingssingen, wieder für einen sozialen Zweck Johannes Schöbinger