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»Ich habe alles erreicht, was möglich ist«

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Einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten: Hermann Weinbuch trainiert seit 21 Jahren die Nordischen Kombinierer. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der weltbeste Läufer Usain Bolt hat dem Berchtesgadener Trainer Hermann Weinbuch, der seit 21 Jahren Cheftrainer der Nordischen Kombinierer ist, eine Freude gemacht. Am Dienstag erreichte ihn ein Paket mit einer überdimensionalen Champagnerflasche – wegen der Erfolge seiner Mannschaft bei den Olympischen Spielen. Weinbuch, der mit 49 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen als einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten gilt, hat sich Zeit genommen, um mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« über seine Arbeit, das Leben als Privatmann und seine Zukunft zu sprechen.


Usain Bolt hatte in den sozialen Medien angekündigt, dem Deutschen Skiverband eine besondere Überraschung zu spendieren, wenn ein olympischer Gewinner Bolts Siegerpose imitiert. Die deutschen Kombinierer taten es, reckten nach ihrem Erfolg die Arme in die Höhe. »Wir fanden das lustig«, sagt Hermann Weinbuch.

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Auch wenn in dieser Saison die Nationenwertung noch aussteht, ist ein Großteil der Last der letzten Wochen von seinen Schultern gefallen. Jetzt genießt er den Aufenthalt in der Heimat, bei Frau und Kindern. »Ich bin halt doch ein halbes Jahr immer unterwegs«, sagt Weinbuch. Die Olympischen Spiele waren für Weinbuch die Krönung einer Karriere, die es so nicht häufig gibt. Seit 21 Jahren trainiert er die Nordischen Kombinierer, er gewann als Aktiver dreimal Weltmeister-Gold. »Ich hab als Trainer alles erreicht, was möglich ist«, sagt er, ohne Arroganz. Er nennt nur die Tatsachen. Neunmal war er bei Olympischen Spielen dabei, dreimal als Sportler, sechsmal als Trainer.

Dreifach-Triumph bei den Olympischen Spielen

57 Jahre ist Weinbuch mittlerweile alt. Die Nordischen Kombinierer rund um Rydzek, Frenzel und Rießle sind unter seinen Fittichen groß geworden, ein Dreifach-Triumph bei den Olympischen Spielen folgte. Olympia-Gold mit der Staffel krönte die sportlichen Leistungen, die für den leidenschaftlichen Trainer keine Selbstverständlichkeit sind, nachdem es damit in Sotschi nicht geklappt hatte.

Von sieben möglichen Medaillen holten die Nordischen Kombinierer in Pyeongchang fünf. Weinbuch lächelt. Für ihn ist es schwierig, das alles in Worte zu fassen. Vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft im finnischen Lahti räumten die Deutschen alles ab. »Das war der Wahnsinn.« Der Erfolgsdruck wuchs. Die Saison verlief dann nicht nach Weinbuchs Vorstellungen. In den Weltcups waren die Norweger besser. »Wir waren in ein richtiges Tief gefallen«, sagt Weinbuch. Es folgten teambildende Maßnahmen, Einzel- und Gruppengespräche und ein Hüttenabend mit gemeinsamer Schlittenfahrt. »So etwas ist unbezahlbar wichtig«, sagt Weinbuch. Sein Erfolgsrezept ist es, abzuliefern, wenn es wichtig wird, zumal die Saison alles andere als ein Selbstläufer war. Im Training setzte er alles auf eine Karte, weniger ergebnisorientiert. »Wir wollten die Freude am Springen betonen, das Selbstvertrauen stärken und die Ausdauer verbessern.«

Hermann Weinbuch sagt, dass nicht immer alles so laufe, wie man sich das wünsche. Aber er hat ein Team aus 18 Leuten um sich. Es besteht unter anderem aus acht Aktiven und vier Technikern. Einer davon ist Michael Schwaiger aus Berchtesgaden, der Ski testet, präpariert und mit der Schleifmaschine bearbeitet. »Wir wären nie so erfolgreich, wenn die Techniker nicht so eine gute Arbeit leisten würden«, sagt Weinbuch. In seinem Team ist auch ein Wissenschaftler, der alle Sprünge analysiert. »Man weiß, wie der ideale Sprung beim Skispringen aussieht«, sagt Weinbuch. Seit 1990 ist er Trainer, damals noch nicht an der Spitze der Nationalmannschaft.

Weinbuch liebt seinen Sport: »Das ist meine Berufung.« Schon beim Fußball sei er Spielführer gewesen. Ein bisschen abgeschaut hat er sich die ganze Sache auch von seinem Vater Helmut, wie er sagt. Immerhin war dieser ein hoher Funktionär, Sportdirektor beim Deutschen Skiverband.

Das Team sorge dafür, dass die Motivation immer auf einem hohen Level bleibt. »Wir sind oft drei oder vier Wochen gemeinsam unterwegs. Da muss das Zwischenmenschliche passen.« Rückendeckung bekomme er jederzeit: »Das ist wichtig, denn ich muss auch unangenehme Entscheidungen treffen.« Die jüngsten Olympischen Spiele in Pyeongchang seien perfekt gewesen, was die Umsetzung angeht. Nur bei Zuschauerzahl und Atmosphäre gebe es noch einiges zu verbessern. »Da habe ich schon deutlich schönere Veranstaltungen erlebt.«

Für Weinbuch wird es als Cheftrainer erst einmal weitergehen. »Ich habe schon häufig überlegt, aufzuhören«, sagt er. Weinbuch geht gerne zum Laufen und Golfen. Sein Sohn, selbst ein guter Langläufer, hat sich aber für Eishockey entschieden, nicht für die Nordische Kombination. Natürlich komme die Familie hin und wieder etwas zu kurz, aber dank des Rückhalts könne er Trainerjob und Privates gut unter einen Hut bringen, so Weinbuch. »Das ist am wichtigsten.« Am Ende habe er sich aber immer umstimmen lassen, weiterzumachen.

»Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren«

»Nächstes Jahr finden die Weltmeisterschaften der Nordischen Kombinierer in Seefeld statt. Da wird die Stadt wieder pulsieren.« Vor 33 Jahren war er dort schon mal als Aktiver. Bis 2019 möchte er in jedem Fall weitermachen. »Mein Ziel sind weitere Medaillen.« Sein Co-Trainer, Ronny Ackermann, soll einmal den Cheftrainer-Posten übernehmen, wenn es nach Hermann Weinbuch geht. Zu tun gibt es jede Menge, denn in Sachen Kontinentalmannschaft sind die Nordischen Kombinierer etwas ins Hintertreffen geraten. »Da dürfen wir in keinem Fall den Anschluss verlieren«, sagt Weinbuch. »Der Deutsche Skiverband muss bereit sein, für die Zukunft zu investieren«, so lauten seine mahnenden Worte. Denn ansonsten könnte es schnell vorbei sein mit dem Medaillenregen. Kilian Pfeiffer

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