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Die geschasste Karin Schröer lässt sich die »Gemeinheiten« des Vorstandes nicht gefallen

»Ich habe mit Sicherheit niemandem geschadet«

Berchtesgaden – Karin Schröer ist fix und fertig. Seit Monaten ist sie gesundheitlich extrem angeschlagen. Und jetzt auch noch der Ärger mit der Berchtesgadener Faschingsgilde. Die hat der engagierten Närrin nämlich den Titel »Ehrenpräsidentin« aberkannt. Und sie auch gleich noch aus der Gilde geschmissen (wir berichteten). Dem »Berchtesgadener Anzeiger« erläuterte Karin Schröer jetzt die Hintergründe des Eklats.

Kein ordentlicher Orden: Karin Schröer hat ohne Erlaubnis der Berchtesgadener Faschingsgilde mehrere solcher Auszeichnungen anfertigen lassen. Nach dem Verbot hat sie die restlichen Exemplare einfach in Karin-Schröer-Orden umbenannt. (Fotos: Fischer)

Am 2. März hat die Berchtesgadener Faschingsgilde Karin Schröer schriftlich mitgeteilt, dass sie ab sofort nicht mehr Mitglied ist und auch den Titel »Ehrenpräsidentin« nicht mehr führen darf. Die Vorwürfe: Funktionsanmaßung, unberechtigte Verwendung des Vereinsnamens und Vortäuschung von Vertretungsbefugnissen.

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Der Hauptvorwurf der Gilde lautet: Karin Schröer hat in der vergangenen Saison ohne Genehmigung des Vorstandes Orden anfertigen lassen und verkauft. »Ja, das war nicht korrekt von mir«, gibt Schröer unumwunden zu. Allerdings habe sie die Orden auf eigene Kosten herstellen lassen. »Die Orden hätten eine Überraschung werden sollen. Ich wollte der Gilde eine Freude machen«, erklärt Karin Schröer. Denn den kleinen Anstecker der Faschingsgilde habe sie als etwas dürftig empfunden. Außerdem sei der Schriftzug falsch gewesen.

Der zweite Kritikpunkt betrifft eine spontane Fahrt des Ehepaars Schröer zum Faschingstreffen in Bad Hall, bei dem auch Vertreter der Berchtesgadener Gilde offiziell anwesend waren. Karin Schröer war ausnahmsweise fit, sodass sie daran teilnehmen konnte. In alter Gewohnheit hat sie nach dem Treffen eine Pressemeldung an den »Berchtesgadener Anzeiger« geschickt. Man ahnt es schon: ohne Rücksprache mit dem Vorstand. »Ich wollte einfach zeigen, dass wir nach wie vor aktiv sind«, sagt Schröer.

Der dritte Vorwurf klingt noch kurioser. Karin Schröer habe bei der Beerdigung eines befreundeten »Narren« ohne Erlaubnis die Gilde vertreten. »Das war ein guter Freund meines Mannes und mir«, sagt Schröer traurig. Außerdem habe sie für die Beerdigung sogar eine Spende von 30 Euro von Vorstandsmitglied Elisabeth Loder bewilligt bekommen. Abgesehen davon, habe kein anderes Gildenmitglied Zeit gehabt, auf die Beerdigung zu gehen. »Das war ein Akt der Freundschaft und Höflichkeit«, erklärt Schröer. »Hätte ich sagen sollen: Herzliches Beileid von mir. Aber für die Gilde darf ich nicht sprechen?« Und überhaupt: »Wieso darf ein reguläres Mitglied nicht im Namen des Vereins kondolieren?« Braucht man dafür einen Vorstandsbeschluss? Karin Schröer schüttelt traurig den Kopf. »Was man da alles mitmachen muss.«

Der vierte Kritikpunkt ist ebenso fadenscheinig. Im Jahr 2012, Karin Schröer war damals Präsidentin der Berchtesgadener Faschingsgilde, hat sie Bürgermeister Franz Rasp und dem jahrzehntelangen Mitglied Dr. Hans Gugg einen Ehrenorden überreicht. Ohne Rücksprache mit der Gilde. Was sie aber erstens laut Satzung durfte – die Präsidentin ist geschäftsfähig – und zweitens in den beiden nachfolgenden Hauptversammlungen nicht kritisiert wurde. »Mir wurde die Entlastung erteilt«, stellt Schröer klar.

Sonst kann von Entlastung bei Karin Schröer aber derzeit nicht die Rede sein. Die Aufregung tut ihr nicht gut. Hat negative Folgen für die Therapie ihrer schweren Krankheit. Neben den skurrilen Vorwürfen ärgert sie das Verhalten des Gildenvorstandes. Bis jetzt hat Karin Schröer weder eine Antwort auf ihren schriftlichen Widerspruch erhalten, noch hat sie ein Vorstandsmitglied persönlich angesprochen. »Ich habe der Gilde mit Sicherheit nicht geschadet«, sagt Karin Schröer. Christian Fischer