weather-image

»Ich hoffe, dass persönliche Gespräche zum Ziel führen«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Der Bürgermeister Herbert Gschoßmann hatte den Ramsauern viele Themen mitgebracht. Zum Beispiel Flüchtlinge und das Problem Hundekot. (Fotos: Voss)
Bildtext einblenden
Dr. Michael Vogel hat sich in der Bürgerversammlung bei den Ramsauern bedankt und verabschiedet – es war seine letzte Bürgerversammlung als Nationalpark-Leiter.
Bildtext einblenden
Wenn Herbert Gschoßmann mit seinem diplomatischen Geschick nichts bei dem Eigentümer des Grundstücks erreichen kann, bleibt der »Schandfleck Nr. 1« an der Wimbachbrücke wohl bestehen. (Archivbild: Wechslinger)

Ramsau – Der »Schandfleck Nr. 1« wird doch nicht so schnell verschwinden, wie viele Ramsauer eigentlich gehofft hatten. Die Angelegenheit ist komplizierter, wie der Bürgermeister der Gemeinde Ramsau, Herbert Gschoßmann, bei der Informations- und Bürgerversammlung am Donnerstagabend erklärte. Zudem verkündete er im voll besetzten Saal des Gasthauses »Oberwirt«, dass am Montag, 27. Februar, 30 Flüchtlinge in die Ramsau ziehen (siehe Kasten). Dazu gibt es am nächsten Donnerstag eine Infoveranstaltung für alle, die helfen wollen. Die weiteren Themen auf der Versammlung reichten von Bebauungsplänen über Hundekot, den Nationalpark, Bebauungspläne bis hin zu unerlaubtem Fremdwasser im Grundwasser.


Ein Ramsauer Bürger stellte erst ganz zum Schluss der Versammlung die Frage: »Und was ist jetzt mit dem Schandfleck?« So bezeichnen die Einheimischen die Ansammlung von Containern und das Chaos auf dem Grundstück an der Wimbachbrücke. Es war ursprünglich geplant, dass das Landratsamt nun tätig wird, da die Container gegen Baurecht verstoßen. Auf die Frage antwortete der Bürgermeister, dass alles nicht so leicht sei. Das Landratsamt könne nicht einfach »das Glump wegschmeißen«, sondern müsse es einlagern. Es handele sich schließlich um fremdes Eigentum. Offenbar hat es Gespräche zwischen der Gemeinde und den Zuständigen vom Landratsamt gegeben, die aber keine vernünftige Lösung ergaben: »Ich glaube, dass sich das Ding nicht so lösen lässt, wie es sich manche im Landratsamt vorstellen. Ich habe jetzt den Auftrag, ein Gespräch mit dem Eigentümer zu führen. Wenn das Gespräch so verläuft, wie ich es mir vorstelle, ist das Ganze baurechtlich nicht in Ordnung, aber optisch ist es in Ordnung«, so erklärte der Bürgermeister seinen Plan.

Anzeige

Rein baurechtlich gesehen herrsche nämlich nach Ansicht der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, ein Missstand. Konsequenterweise sei entweder eine Genehmigung zu erwirken oder dieser Missstand zu beseitigen. »Ich persönlich bin der Meinung, dass wohl eine Genehmigung so nicht möglich ist, der Missstand aber vermutlich auch nicht beseitigt wird.«

Das heißt, sollte der Eigentümer im Gespräch mit dem Bürgermeister nicht einsichtig sein und nachgeben, wird der »Schandfleck Nr. 1« wohl bleiben. Gschoßmann äußerte noch: »Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Gespräche zu einem Ziel führen.«

Ein ebenso umstrittenes Thema ist die ungenehmigte Nutzung von Gebäuden. Das sprach Gschoßmann im Hinblick auf die Gerichtsverhandlung zur Brandkatastrophe in Schneizlreuth an. »Jeder ist verantwortlich für sein Eigentum«, mahnte er. Der Bürgermeister richtete einen Appell an alle, sich zu fragen: Muss, kann oder müsste ich wissen, wenn jemand etwas in meinem Haus ungenehmigt macht? Hier geht es auch um den Brandschutz. »Schaut, ob Risiken da sind, und nehmt Kontakt zu der Gemeinde auf. Es erspart euch drastische Konsequenzen«, sagte Gschoßmann. So könne man zumindest nachweisen, dass man etwas unternommen hat. Dies gelte ebenso zum Thema Feuerbeschau.

Schäden durch fremdes Wasser im Trinkwasser

Es folgte ein etwas ungewöhnliches Thema namens »Fremdwasser«. Wie Gschoßmann erklärte, hatte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein im Trinkwasser aus dem Klausbachtal ungewöhnliche Werte festgestellt. So war zum Beispiel der Kalkgehalt überraschend hoch. Dadurch gingen auch bei manchen Bürgern in der Ramsau Geräte kaputt. Die Experten vom Wasserwirtschaftsamt stellten dann fest, dass aus einem bestimmten Haus Fremdwasser zum Trinkwasser zugeführt wurde. »Das ist zum einen nicht erlaubt, zum anderen müssen die dadurch entstandenen Schäden vom Verursacher bezahlt werden.« Dann kann es unangenehm teuer werden, so der Bürgermeister.

Als unangenehm empfinden es die Einheimischen, wenn überall Hundekot herumliegt. Auch rund um den Hintersee. Hier hätte die Gemeinde bereits für eine gewisse Zeit Beutelspender und Mülltonnen aufgestellt – gebracht hat das laut Bürgermeister nichts: »Die Hundebesitzer haben dann einfach den vollen Kotbeutel in die Wiese geworfen, obwohl der nächste Mülleimer nicht weit weg gewesen wäre.«

»Es fehlt an der Einsicht der Leute«

Jeder solle einfach seinen Müll wieder mitnehmen. »Aber solange der IQ bei den Hundebesitzern so hoch ist wie der ihrer Hunde, so lange wird nichts passieren«, seufzte Gschoßmann und erntete Lacher aus dem Saal.

Die fehlende Einsicht bemängelte er bei noch zwei weiteren Dauerthemen, die die Ramsauer beschäftigen. Zum einen bei den Radfahrern, die rücksichtslos auf Fußwegen fahren und nicht auf Fußgänger achten. Zum anderen bei den lärmenden Motorradfahrern, die auf der B 305 rasen. Aber beidem soll Abhilfe geschafft werden. Ein Radweg soll entstehen und die Planungen zu einem Kreisverkehr auf der B 305 laufen auf Hochtouren, so der Bürgermeister. Dadurch wird die Geschwindigkeit reduziert. Er verlas weiters einen Brief, den der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann geschrieben hatte. Demnach sei die Verkehrsbelastung auf der Bundesstraße zu gering, um hier Lärmschutzmaßnahmen durchzusetzen. Da die Anwohner aber schon seit Jahren unter dem Verkehrslärm leiden, will die Gemeinde auch mithilfe des Bebauungsplans »Reichlfeld 2« erreichen, dass der Bereich innerörtlich wird. Somit ist es dann der Gemeinde erlaubt, hier eine kommunale Verkehrsüberwachung durchzuführen.

Vier Gäste sprachen in der Bürgerversammlung noch am Rednerpult. Christian Lischka ist der Leiter des Reviers Berchtesgaden West bei den Bayerischen Staatsforsten. Der 30-jährige Forstingenieur stellte sich kurz vor. Er ist zuständig für 7 000 Hektar Wald, kümmert sich unter anderem um die Schutzwaldsanierung und ist auch Ansprechpartner zum Thema Brennholz. Wer Fragen hat, kann ihn unter der E-Mail-Adresse christian.lischka@baysf.de erreichen.

Zudem verabschiedete sich der Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel offiziell von den Ramsauern. Jedoch nur als Leiter des Nationalparks, denn privat werde er sich weiterhin blicken lassen. Er dankte für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und sagte, sie hätten gute Diskussionen geführt.

Professor Jens Badura ist der Initiator des »Alpinen Philosophicums« (wir berichteten). Er kam kurz auf das Thema Bergkulturbüro zu sprechen, das voraussichtlich am 5. April im Mesnerhaus eröffnet werden soll.

Schließlich machte noch zweiter Bürgermeister und Ramsauer Bergwachtchef Rudi Fendt auf das Problem des schlechten Mobilfunks im Hirschbichltal und im Wimbachtal aufmerksam. Annabelle Voss