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»Ich konnte mit einem Schritt aufs Dach steigen«

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Sicher ein willkommenes Fotomotiv für Touristen: Dieser Schneeberg war bis vor drei Wochen noch so hoch, dass TRBK-Geschäftsleiter Michael Wendl mit einem Schritt auf das Dach des Kehlsteinhauses steigen konnte, wie er erzählt. (Fotos: Voss)
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Kehlsteinwirt Norbert Eder schätzt, dass auch heuer wieder rund 400 000 Besucher zu ihm kommen werden. 2017 waren es genau 412 816.
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Die Ehrengäste von Landratsamt, TRBK, RVO und Staatlichem Bauamt haben gestern Freitag offiziell die Kehlstein-Saison eröffnet.

Berchtesgaden – Die Kehlstein-Busse nehmen heute ihren Betrieb für diese Saison auf. Bei der ersten offiziellen Fahrt gestern Freitag für Ehrengäste und die Presse, war außer Nebel nicht viel zu sehen. Michael Wendl, Geschäftsleiter der TRBK, erzählte den Teilnehmern unter anderem von den enormen Schneemassen, die seit 12. März beseitigt wurden. Zudem gab es von Baudirektor Martin Bambach Informationen zur Instandsetzung der Straße.


Bevor die erste Fahrt auf den Kehlstein in diesem Jahr an der Abfahrtsstelle am Obersalzberg losging, segneten Kaplan Josef Rauffer und der evangelische Pfarrer Peter Schulz die komplette Busflotte. Laut Arne Rath, Produktionsleiter Bayern der RVO, hat das Unternehmen zuletzt 1,5 Millionen Euro in die Linie investiert. Die Kehlstein-Busse haben ein Durchschnittsalter von 1,8 Jahren. »Das ist etwas ganz Besonderes. Bitte nicht in anderen Regionen Bayerns verraten, sonst werden die Kollegen neidisch.« Aber man braucht hier einfach besondere Fahrzeuge.

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Manfred Roßbach fährt seit acht Jahren den Kehlstein-Bus und brachte auch dieses Mal alle gut auf den Berg. Kaplan Rauffer und Arne Rath von der RVO waren zuvor noch nie auf dem Kehlstein und hatten sich auf eine schöne Aussicht gefreut. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Der Nebel war so dicht, dass man nicht einmal bis zur nächsten Kurve blicken konnte.

Oben angekommen erklärte Martin Bambach, Baudirektor des Staatlichen Bauamts Traunstein, dass gemeinsam mit dem Betriebsleiter regelmäßig Fels-putzarbeiten durchgeführt werden: »Wir schauen nach, ob die Steinschlag-Schutzzäune und Netze alle in ordnungsgemäßem Zustand sind.« Wenn irgendwas drin ist, werde dies natürlich geräumt. Auch der Zustand der Straße wird vom Staatlichen Bauamt überprüft. »Jetzt können wir davon ausgehen, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist.« Jeden Tag fährt ein eigens dafür zuständiger Streckenwart mehrmals bis zum Kehlsteinhaus hinauf und schaut, ob alles in Ordnung ist.

»Es waren bis zu sechs Meter Schnee auf der Straße«, sagte Michael Wendl im Anschluss bei dem Rückblick auf die Saison-Vorbereitungen. »Ich selbst war vor drei Wochen heroben. Der Parkplatz war mit zwei Metern Schnee bedeckt.« Vor dem Haus war der Schneehaufen außerdem so groß, dass Wendl mit einem Schritt aufs Dach steigen konnte, wie er gegenüber des »Berchtesgadener Anzeigers« erwähnte. Die »wahnsinnigen Schneemassen« seien auch der Grund dafür gewesen, dass der ursprüngliche Eröffnungstermin 27. April nicht eingehalten werden konnte. Was extrem aufwendig sei, ist die Räumung des Fußweges, der auch als Rettungsweg dient. Diesen könne man nur mit einer kleinen Schneefräse räumen. »Es ist hier auch sehr gefährlich, da man seitlich vom Weg abkommen und in ein Loch fallen könnte.« Der TRBK-Geschäftsleiter gab noch zu bedenken, dass keine andere Straße in Deutschland so intensiv betreut wird wie die Kehlsteinstraße. Im vergangenen Jahr waren die Kehlsteinbetriebe vom 8. Mai bis 28. Oktober geöffnet. Nur an sechs Tagen konnten die Busse wegen Unwetter oder Schneefall nicht fahren. 2017 fuhren, so Wendl, insgesamt 412 816 Menschen auf den Berg. »Wir erwarten dieses Jahr genauso viele Besucher, nachdem die Jennerbahn erst 2019 öffnet.«

Dasselbe vermutete auch Kehlsteinwirt Norbert Eder, der die ersten Gäste begrüßte. Eder berichtete noch von »großen Problemen im Gastronomiebereich«, die ihn und sein Team in der vergangenen Woche noch auf Trab gehalten haben. Der Strom war weg, und daher funktionierten die meisten Geräte auch in der Küche nicht mehr – alles ist heutzutage nämlich computergesteuert. »Einen Großteil haben wir schon instandgesetzt, und den Rest schaffen wir heute noch«, so Eder. Er habe schon viele Anmeldungen, speziell von Gruppen, erhalten. »Der Osten wird immer stärker, was das Gästepotenzial betrifft.« Dieses Jahr arbeiten im Kehlsteinhaus 45 Mitarbeiter. »Wir haben hier mittlerweile neun verschiedene Sprachen«, sagte er mit einem Lachen. Abschließend wünschte Eder allen eine gute, unfallfreie Saison. Annabelle Voss