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»Ich mag es, Menschen beizustehen«

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Helga Buchner engagiert sich mit »Leib und Seele«, wie sie sagt, für das BRK. Auf dem Tisch vor ihr liegt ein Bild, das sie bei einem besonderen Moment zeigt: Sie wurde vom Landrat mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Über 15 Jahre lang stand Helga Buchner jährlich im Stand des Roten Kreuzes auf dem Christkindlmarkt am Schlossplatz in Berchtesgaden.


Sie war für die Kasse zuständig, ihre beiden Teamkollegen Toni Ilsanker und Stefan Lenz haben die berühmte Rotkreuz-Bosna gebraten und den Glühwein sowie Kinderpunsch ausgeschenkt. Teamarbeit sei generell das Wichtigste, in allen Bereichen, bekräftigt die 77-Jährige im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Buchner hat schon unzählige Einsätze mitbetreut, seitdem sie vor vielen Jahrzehnten zum BRK ging. Und das alles im Ehrenamt: »Ich bin einfach mit Leib und Seele beim Roten Kreuz«, sagt sie mit einem Schmunzeln.

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Begonnen hat ihre Zeit bei der Organisation, als sie 17 Jahre alt war. »Damals war ich dann zehn Jahre dabei, bis ich mich für meine Kinder und die Arbeit beurlauben ließ«, erzählt sie bei einem Kaffee im Hotel »Edelweiß«. Zwei Kinder hat die Marktschellenbergerin, deren Mann bei der Freiwilligen Feuerwehr im Ort engagiert war. Mit 45 Jahren fing sie wieder ganz von vorne an: »Ich habe wieder meine Kurse gemacht, den Erste-Hilfe-Kurs, den Sanitätskurs und den Schwesternhelferinnenkurs.« Sie wollte unbedingt wieder zum BRK, betont Helga Buchner. Weil sie gerne mit »Leuten umgehe«. »Ich mag es, Menschen beizustehen«, fügt sie noch hinzu. Die Betreuung der Patienten, und die Verpflegung bei jeglichen Veranstaltungen oder auch Katastrophen ist ihr Spezialgebiet. Die Liste ihrer Aktivitäten ist lang: Von Blutspenden über Helfen bei der Höhlenrettung, beim Eishallenunglück und Betreuung in der Sondereinsatzgruppe SEG bis zu Sanitätsdiensten an der Bobbahn, bei Festumzügen und beim Roßfeldrennen. Außerdem steht sie immer noch bei Losverkäufen des BRK hinter dem Standl, zum Beispiel beim kommenden Ganghofersonntag. Ist das nicht irgendwann zu anstrengend, stundenlang zu helfen? »Nein, mich freut das«, sagt die Ehrenamtliche.

Eine Aufgabe, die ebenfalls wichtig ist und die Helga Buchner übernimmt, ist die Mittelbeschaffung. Hier engagiert sie sich – in einem starken Team, wie sie betont – bei Oster- und Adventsmärkten, beim »Heizkraftwerkfestei«, bei der Altkleidersammlung oder bei Flohmärkten. »Viele denken falsch über unsere Finanzierung«, erklärt die Marktschellenbergerin. »Im Gegensatz zum Rettungsdienst, der durch die Krankenkassen finanziert wird, müssen wir unsere Ausbildung, Ausrüstung, Bekleidung und Fahrzeuge selbst finanzieren.« Daher würden sich die BRK-Bereitschafts-Ehrenamtlichen über jeden Besucher freuen, der die Aktionen besucht, »und auch bereit ist, uns Spenden zukommen zu lassen«, so Buchner.

Was der Marktschellenbergerin viel Freude an der Arbeit im BRK bereitet, ist laut eigener Aussage das Zusammenarbeiten mit der Jugend. Sie kümmert sich um die Ausbildung der jungen BRK-Kräfte und die Übungen mit ihnen. »Ich finde es schön, dass wir uns gegenseitig respektieren«, erzählt sie. Nur bei den Übungen gemeinsam mit der Feuerwehr kann sie nicht mehr mitmachen: »Da muss man schnell sein und rennen«, winkt sie ab.

Trotzdem, sie denkt noch nicht daran, beim BRK aufzuhören. »Solange ich darf und solange ich gesund bin, werde ich dabei bleiben«, sagt Helga Buchner mit überzeugtem Ton. Ihr Mann steht hinter ihr: »Er war bei der Feuerwehr und musste oft ausrücken. Das habe ich akzeptiert. Jetzt muss er das auch akzeptieren«, lacht sie. Die Ehe sei eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt, fügt die 77-Jährige noch hinzu. Und schließlich besteht nicht ihr ganzes Leben aus dem BRK. Die Marktschellenbergerin war lange im Wanderverein, den es mittlerweile nicht mehr gibt. »Ich gehe aber immer noch viel spazieren, und in der Sommersaison schwimme ich morgens meine Runden im Schellenberger Bad«, schmunzelt sie. Nach einer Anfangszeit schafft sie bis zu einer Stunde am Stück. Zum Schluss hat sie noch eine Bitte: »Lose kaufen nicht vergessen. Das Geld hilft den Ehrenamtlichen.« Annabelle Voss