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»Ich verschaffe den Seelsorgern mehr Zeit für ihre wichtigste Aufgabe«

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Hat viel zu tun und noch mehr vor: Michael Koller. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Der Berchtesgadener Realschullehrer und Gemeinderat Michael Koller ist ab 1. August Verwaltungsleiter des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden. Diese Stelle ist neu im kirchlichen Verwaltungswesen und wird in neun Pilotregionen der Erzdiözese München-Freising getestet. Mit dem Ziel, den Pfarrern mehr Freiraum für ihre pastoralen Aufgaben zu schaffen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Koller über seine neue Herausforderung und seine kommunalpolitische Zukunft.


Herr Koller, die Stelle, die Sie antreten, ist völlig neu. Und ziemlich komplex. Was ist Ihre Aufgabe?

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Michael Koller: Meine wichtigste Aufgabe ist, das Seelsorgerteam aus Pfarrer, Kaplan und Diakonen zu entlasten. Damit es mehr Zeit für die pastorale Arbeit hat. Ganz konkret betrifft das die Finanzen, also den Haushalt, Mittelverwendung und Zuschussbeantragung. Außerdem bin ich der Chef des nichtpastoralen Personals wie Sekretärinnen und Mesner. Zusätzlich bin ich für alle Immobilien und Baumaßnahmen zuständig. Der vierte Aspekt ist die Organisation der verschiedenen Abläufe.

Wenn die Seelsorger mehr Zeit für das Pastorale brauchen, heißt das doch, dass sie bisher zu wenig hatten.

Koller: Ja. Denn bis vor Kurzem war es so, dass in drei Pfarreien drei Pfarrer waren. Jeder hat seinen Bereich verwaltet und seine pastorale Arbeit gemacht. Seit der Pfarrverbandsgründung gibt es einen Pfarrer. Auch die Verwaltung muss für die ehemals drei Pfarreien gemacht werden. Die Konsequenz ist, dass man jemanden einstellen muss. Und da man (lacht) wenige Pfarrer hat, braucht man jemanden für die Verwaltung. Und die Pfarrer haben für ihre eigentliche Aufgabe Zeit.

Was sagt denn Pfarrer Frauenlob zu Ihrer Anstellung?

Koller: Ich habe schon den Eindruck, dass er zufrieden ist. Wir kennen uns gut, schließlich habe ich intensiv an der Pfarrverbandsgründung mitgearbeitet.

Wie kommt man denn als Realschullehrer auf die Idee, sich auf eine Verwaltungsstelle zu bewerben? Inwiefern sind Sie überhaupt qualifiziert?

Koller (lacht): Ich war in der Schule, obwohl ich dann einen Handwerksberuf gelernt habe, auf dem kaufmännischen Zweig. Aufgrund meines Studiums habe ich die Lehrbefähigung, dass ich im mittelschulischen Bereich Buchführung und Rechnungswesen unterrichten darf. Außerdem habe ich nach dem zweiten Staatsexamen an einer Nachzertifizierung für Informationstechnologie teilgenommen, das heißt, ich weiß auch, wie die entsprechenden Buchführungsprogramme funktionieren. Und durch meine politische Arbeit, zum Beispiel im Rechnungsprüfungsausschuss der Marktgemeinde, habe ich Einblick.

Wie hat das Kultusministerium auf Ihren beruflichen Veränderungswunsch reagiert?

Koller: Ich war bis vor Kurzem auch nur drei Tage pro Woche an der Schule, da ich Dozent in Augsburg war. Diese Abwechslung brauche ich einfach. Das macht mir einfach Freude. Das ist eine gute Mischung. Darum habe ich mich beworben. Das Ministerium hat mir keine Steine in Weg gelegt. Meine Schüler hatten auch nichts dagegen. Sie haben gesagt: Hauptsache, Sie bleiben an der Schule.

Aber aus einer Karriere im Schuldienst wird jetzt nichts mehr.

Koller: Das stimmt. Das steht nicht mehr zur Debatte.

Wer genau ist Ihr Arbeitgeber?

Koller: Das Erzbischöfliche Ordinariat München. Wie beim Pfarrer.

Es gab sechs Bewerber für die Stelle, drei davon sind zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Wie ist denn das so gelaufen? Wie wichtig war der religiöse Aspekt?

Koller: Es war ein sehr ausführliches Bewerbungsgespräch, das eineinhalb Stunden gedauert hat. Es wurde aber nicht überprüft, ob ich ein guter Katholik bin. Aber meine lange Liste an ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Kirche hat wohl Eindruck gemacht. Außerdem bin ich gut vernetzt, kenne die Situation vor Ort und kann organisieren.

Wie viele Wochenstunden sind dafür vorgesehen?

Koller: 20.

Und die sollen reichen?

Koller (lacht): Das wird sich rausstellen. In den Pilotregionen ist vorgesehen, bis Ende 2017 Erfahrungen zu sammeln und dann zu entscheiden, ob das so funktioniert. Wir müssen Schwachstellen herausfinden und die Abläufe optimieren. Schließlich soll dieses neue Modell dann flächendeckend eingeführt werden.

Die Stelle ist also nicht befristet.

Koller: Das stimmt. Es geht nicht um die Frage, ob diese Stellen wieder abgeschafft werden, sondern wie sie genau ausgestaltet sein müssen.

Sollte sich dann herausstellen, dass man das Pensum nur mit einer Vollzeitstelle bewältigen kann. Würden Sie die annehmen?

Koller: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Denn ich bin Beamter auf Lebenszeit. Ich weiß nicht, ob das Ministerium da mitspielt.

Sie sind Pfarrverbandsratsvorsitzender und seit Jahren stark kirchlich engagiert. Inwieweit umfasst Ihre Stelle Aufgaben, die Sie vorher ehrenamtlich erledigt haben?

Koller: Ein Teil fällt da tatsächlich darunter. Aber halt mit dem Unterschied, dass ich vorher nicht weisungsbefugt war. Ich konnte also keine Aufträge erteilen. Gerade in der Gründungsphase des Pfarrverbandes, Pfarrer Frauenlob war ja auch neu gekommen, gab es unglaublich viel zu tun. Klar habe ich da ehrenamtlich viel mitgearbeitet. Aber ich wollte und konnte halt nicht so auftreten, dass ich sage: Ihr sollt das und das machen. Die neue Position hat den Vorteil, dass ich keine Umwege mehr machen muss.

Wie wirkt sich Ihre neue Aufgabe auf Ihr kommunalpolitisches Engagement aus?

Koller: Ich höre diese Frage immer wieder. Und eines sage ich gleich: Ich ziehe mich von nichts zurück. Ich werde meine politischen Ämter mit dem gleichen Elan wahrnehmen wie zuvor. Im Kreistag und im Gemeinderat.

Wie schaut's mit den anderen Ehrenämtern aus?

Koller: Genauso. Nur eine Frage muss geklärt werden. Nämlich, ob ich Pfarrverbandsratsvorsitzender bleiben kann. Denn streng genommen gibt es da einen Interessenskonflikt. Da es sich aber um ein Pilotprojekt handelt, ist die Lage noch unklar.

Letzte Frage: Werden Sie wieder für das Berchtesgadener Bürgermeisteramt kandidieren?

Koller (kichert, räuspert sich, lacht, räuspert sich, kichert, räuspert sich): Da ist alles offen. Da ist nichts, was nicht möglich wäre. Nur wegen dieser neuen Stelle braucht niemand zu glauben: So, jetzt sind wir ihn los. Christian Fischer