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»Ich wäre gerne Bürgermeister bis zur Rente«

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Liebt die Politik und den Sport: Hannes Rasp ist seit 1. Mai Bürgermeister von Schönau am Königssee und wäre es gerne bis zur Rente. Foto: Anzeiger-Archiv

Schönau am Königssee – Erst Geschäftsleiter im Rathaus und seit 1. Mai Bürgermeister von Schönau am Königssee: Nach 100 Tagen im neuen Amt zog Hannes Rasp im »Anzeiger«-Gespräch eine erste Bilanz. Die zeigt, dass sich der 48-Jährige rasch an seine neue Rolle gewöhnt hat, wenngleich ihm ein erster Stolperstein bereits erheblich zu schaffen machte. Immerhin hat der Königsseer an seiner neuen Aufgabe so viel Spaß, dass er schon einmal feststellt: »Ich wäre gerne Bürgermeister bis zur Rente«.


Herr Rasp, Sie sind jetzt etwas länger als 100 Tage im Amt. Wieviel hat sich für Sie mit dem Wechsel vom Geschäftsleiter zum Bürgermeister verändert?

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Hannes Rasp: Geändert hat sich einiges. Als Geschäftsleiter war ich derjenige, der die Sachen ausgeführt hat. Jetzt bin ich derjenige, der sagt, was gemacht wird. Außerdem ist das Aufgabenfeld wesentlich breiter geworden. Bislang war ich für die Verwaltung zuständig und habe bei der Jennerbahn im Hintergrund gewirkt. Jetzt habe ich auch TRBK, Landkreis, den Zweckverband Verkehrsüberwachung und das Wohnbauwerk. Insgesamt sind es zwölf oder 13 Posten, die noch dazu kommen.

Und früher waren Sie nach Dienstschluss der Privatbürger Hannes Rasp, heute sind Sie 24 Stunden lang der Bürgermeister. Wie kommen Sie damit zurecht?

Rasp: Damit habe ich kein Problem. Ich war ja auch früher oft nach dem normalen Dienst noch mit dem damaligen Bürgermeister Stefan Kurz bei Besprechungen. Aber das ist natürlich nicht mit meinen jetzigen Aufgaben vergleichbar. Ich bin jetzt sehr viel unterwegs, auch abends. Und ich bin auch oft abends im Rathaus, denn wenn man tagsüber wegen Sitzungen oder Gratulationen unterwegs ist, dann geht einem die Zeit ab. Die muss man abends nachholen.

Sie waren jahrelang ein enger Weggefährte von Stefan Kurz. Fragen Sie ihn jetzt gelegentlich um Rat?

Rasp: In letzter Zeit habe ich mich gelegentlich bei ihm erkundigt, wie manche Veranstaltungen ablaufen, beispielsweise bei Bartholomä Kirchweih. Da ging es um Reden oder Einladungen.

Gerade in den letzten Monaten vor der Wahl gab es im Gemeinderat viele Dispute. Sind die jetzt tatsächlich ausgeräumt oder ist es nur ein vorübergehender Waffenstillstand?

Rasp: Ich hoffe nicht, dass es ein Waffenstillstand ist, sondern dass wir konstruktiv im Sinne der Gemeinde zusammenarbeiten. Das begann schon mit der Wahl von Richard Lenz zum 2. Bürgermeister. Das lief nicht auf einen Kampf hinaus, sondern wir haben uns abgesprochen. Ich setze auch vor jeder Gemeinderatssitzung eine Fraktionssprechersitzung mit 2. und 3. Bürgermeister an. Da informiere ich alle sehr tiefgründig, so dass die Fraktionssprecher wiederum ihre Leute informieren können.

Stichwort: 2. Bürgermeister und 3. Bürgermeisterin. Wie läuft es mit der Zusammenarbeit und wie teilen Sie sich die Termine auf?

Rasp: Wir arbeiten gut zusammen und sind auch sehr offen zueinander. Bei der Aufteilung der Termine gibt es sicherlich noch einiges zu verbessern, das muss ich noch lernen. Mein Stellvertreter Richard Lenz war bislang schon auf einigen Terminen unterwegs, aber noch nicht in der Intensität wie sein Vorgänger Manfred Vonderthann.

Gibt es Neuigkeiten von den offenen Baustellen Jennerbahn-Neubau und Hotelbau am Königssee?

Rasp: Bei der Jennerbahn habe ich in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit versucht, das Image aufzubessern. Dazu gehört das Angebot »Frühstück am Berg«. Das wird sehr gut angenommen, bei den letzten beiden Terminen waren über 70 Personen dabei. Dann haben wir das Angebot »60+«, das wir im Herbst wiederholen wollen. Ich habe auch sehr viel mit dem Personal gesprochen, mit dem Betriebsrat und dem Aufsichtsrat, schließlich will ich dort kein Fremder sein, sondern dazugehören. Außerdem will ich spätestens in drei Jahren wissen, ob eine neue Jennerbahn gebaut werden kann oder nicht. Bis dahin müssen die Grundstücksverhältnisse, die Finanzierung und die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen geklärt sein. Und ich hoffe, dass wir das umsetzen können.

Und beim Hotelbau?

Rasp: Da ist es noch relativ ruhig. Aber ich denke, dass da in Kürze auch etwas vorwärts gehen kann.

Aber das Projekt ist nicht dauerhaft gestorben?

Rasp: Es ist nicht dauerhaft gestorben. Aber ob es in derselben Art und Weise wie zuletzt wieder kommt, das glaube ich weniger. Immerhin gibt es mittlerweile wieder Gespräche.

Ihre Geschäftsleiterstelle im Rathaus hat ja Andreas Huber übernommen. Wer macht jetzt die Arbeit im Bauamt?

Rasp: Andreas Huber ist mein Nachfolger geworden, Andi Lochner war im Sozialamt und hat im Dezember den Angestellten-Lehrgang zum Verwaltungswirt abgeschlossen. Er hat das Bauamt übernommen. Daniela Graßl ist ins Sozialamt gewechselt und wir haben unsere Auszubildende Vroni Lenz übernommen, die jetzt für das Meldeamt zuständig ist.

Gibt es Visionen, wo die Gemeinde beispielsweise in 20 Jahren stehen könnte?

Rasp: Ich bin kein Traumtänzer. Für mich ist es wichtig, dass die touristische Infrastruktur stimmt. Dazu zählt eben auch, dass wir am Königssee einen Hotelbau bekommen, der eine magnetische Wirkung hat wie das »Edelweiß« in Berchtesgaden. Und ich hätte gerne, dass wir eine neue Seilbahn bekommen, nicht nur wegen der Skifahrer, sondern damit wir auch behinderte Menschen und Familien transportieren können. Wir brauchen also nicht 20 Jahre voraus blicken, sondern wir haben schon aktuell genug zu tun.

Wenn Sie zurückdenken an die letzten 100 Tage im Amt: Was fällt Ihnen als positivstes und was als negativstes Ereignis ein?

Rasp: Was mich am meisten freut, ist die Sachlichkeit und Harmonie im Gemeinderat. Denn ich bin kein Mensch, der gerne streitet. Harmonie ist mir zehnmal lieber. Das heißt nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Aber wenn einer seine Meinung gesagt hat, dann soll es keine persönlichen Angriffe geben. Riesengroßen Bammel hatte ich vor der ersten großen Versammlung der Jennerbahn. Die Tage und Wochen davor habe ich mir schon große Sorgen gemacht, weil ich aktienrechtlich nicht so fit bin. Man weiß ja, dass da auch Aktionäre kommen, die gerne Fragen stellen, davor habe ich mich schon gefürchtet.

Als negatives Ereignis müsste Ihnen doch am besten die auf Facebook verbreitete Häme nach einem angeblichen Vorfall in der Kaserbar in Erinnerung sein. Ist so etwas nicht belastend?

Rasp (schnauft tief durch): Wenn einer sagen würde, dass so etwas nicht belastet, dann wäre es gelogen. Wobei sehr viel dabei war, was nicht gestimmt hat.

30 Jahre Bürgermeister zu sein, wie Ihr Vorgänger Stefan Kurz, das werden Sie vermutlich nicht schaffen. Haben Sie sich einmal überlegt, wie lange Sie Bürgermeister sein können oder wollen?

Rasp: Ich habe mir in erster Linie Gedanken darüber gemacht, dass ich gerne Bürgermeister werden würde. Freilich würde ich es nun auch gerne bis zur Rente bleiben. Nach neuer Rechtsprechung dürfte ich ja mit 66 Jahren nochmals kandidieren. Ich bin aber mit Sicherheit keiner, der bis zuletzt auf seinem Stuhl klebt.

Bleibt bei so viel Arbeit noch Zeit für Familie und für Ihre Hobbys wie Bergsteigen, Skitourengehen?

Rasp: Die Zeit ist wesentlich weniger geworden. Mit einem Freund habe ich schon ausgemacht, dass ich mich bei ihm melde, wenn ich Zeit habe. Das ist einfacher, als wenn er ständig nachfragt und ich nie weg kann. Aber ich gehe schon regelmäßig zum Laufen und zum Radfahren. Ich unternehme regelmäßig etwas mit meiner Familie und schaue, dass der Sonntag der freie Tag ist.

Stefan Kurz ist ja Ehrendirigent der Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee, Sie spielen die Klarinette. Dabei wird's wohl auch bleiben, oder?

Rasp: Dabei bleibt's auf jeden Fall. Ich habe zweimal bei der Probe gefehlt und einmal bei einem Konzert, ansonsten war ich immer dabei. Man braucht einen gewissen Ausgleich, deshalb schaue ich montags, dass ich zur Probe gehen kann. Das ist nicht nur die Musik, sondern auch das Zusammensitzen hinterher. Dafür habe ich keinen Stammtisch. Ulli Kastner