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»Ich war nicht für die Finanzen verantwortlich«

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Fedor Radmann, hier bei der Rodel-WM am Königssee, ist derzeit die zentrale Figur in der sogenannten Fußball-WM-Affäre. (Foto: Archiv/Wechslinger)

Berchtesgaden – 6,7 Millionen Euro: Seit der Zahlungsaufforderung des DFB steht auch Fedor Radmann im Fokus der WM-Affäre. Doch der gebürtige Berchtesgadener, der den Talkessel nach wie vor regelmäßig besucht, gibt sich gelassen. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« spricht der 71-Jährige über echte Freundschaft und falsche Anschuldigungen.


In den vergangenen Monaten standen, wenn es um die sogenannte WM-Affäre ging, immer die Namen Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt im Zentrum der Berichterstattung. Seit der Zahlungsaufforderung über 6,7 Millionen Euro an Sie wird auch Ihr Name immer öfter mit dem Thema in Zusammenhang gebracht. Wie groß war Ihre Überraschung über diese Zahlungsaufforderung?

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Fedor Radmann: Sehr groß. Bis zu diesem Zeitpunkt haben weder eine Person vom DFB noch vom DFB beauftragte Anwälte mit mir gesprochen. Es gab davor überhaupt keinen Kontakt. Das Ziel des DFB war – wie hinlänglich bekannt – lediglich, die Verjährungsfrist auszusetzen. Das hätte man jedoch sehr viel einfacher und kostengünstiger haben können, wenn man mich gebeten hätte, einer Verjährungsfrist-Auflassung zuzustimmen. Das hätte ich selbstverständlich gemacht. Warum das so nicht geschehen ist, darüber kann man spekulieren.

Beim DFB wird niemand damit gerechnet haben, dass Sie die Forderung begleichen. Wie beruhigend ist das für Sie?

Radmann: Diese Frage stellt sich für mich nicht, da ja der DFB nur eine Aussetzung der Verjährungsfrist erreichen wollte. Unabhängig davon gibt es überhaupt keine Grundlage für eine Forderung und sie wird es auch in Zukunft nicht geben.

Im Jahr der ominösen Darlehenszurückzahlung im Jahr 2005 an Robert Louis-Dreyfus über die FIFA waren Sie bereits zwei Jahre zuvor aus dem Organisationskomitee ausgeschieden. Ist das im Nachhinein gesehen ein Glücksfall?

Radmann: Das könnte man so sehen. Aber ich war ja nicht für die Finanzen verantwortlich. Dazu müsste man eher Theo Zwanziger befragen, der ja wohl die Überweisung unterschrieben hat.

Franz Beckenbauer und Sie waren zur Zeit der WM-Bewerbung Deutschlands und auch in der Organisation sowie der Durchführung der Fußball-Weltmeisterschaften 2006 ein eingespieltes und eng befreundetes Team. Hat diese Freundschaft durch die dauernden medialen Interventionen und quasi moralischen Belehrungen gelitten?

Radmann: Nein, überhaupt nicht. Wir waren und sind enge Partner sowie Freunde. Und das bleibt auch weiterhin so. Dass andere Beziehungen darunter gelitten haben, halte ich aber durchaus für möglich.

Sie hatten, als die Vorwürfe aufkamen, beim Leben Ihrer Kinder geschworen, dass im Zuge der WM-Vergabe niemals bestochen worden sei. Für diese Aussage sind Sie auch kritisiert worden.

Radmann: Fest steht, dass ich ohne Wenn und Aber versichern kann, dass von uns niemand bestochen worden ist. Die Aussage bezüglich meiner Kinder würde ich jedoch so nicht mehr formulieren.

So schnell wird man vom Helden zum kritisierten Strippenzieher. Unabhängig vom Ausgang der Angelegenheit, würden Sie aufgrund der Angelegenheit noch einmal einen ähnlichen Auftrag annehmen?

Radmann: Das ist eine verdammt gute Frage. Zum einen ist festzustellen, dass ein überragender Teil der gesamten Bevölkerung eine völlig andere Wahrnehmung als gewisse Medien hat. Man ist vielmehr immer noch dankbar und erfreut, dass es uns gegen alle Widerstände gelungen ist, die Fußball-WM 2006 auf sauberem Wege nach Deutschland zu holen. Darüber hinaus ist uns auch gelungen, aus dieser WM nicht nur ein Fußballturnier zu machen, sondern ein Gesamtereignis, das in der ganzen Welt höchstes Ansehen und größten Respekt erfahren hat. Das ist auch die Wahrnehmung eines sehr großen Anteils der Bevölkerung, gehen wir einmal von etwa 90 Prozent aus. Christian Wechslinger