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Blick in die Zukunft: Energiehändler Alexander Maier zeigte seine Pläne für Wasserstoff-Tankstellen in Passau. (Foto: Johannes Geigenberger)

Ilse Aigner lobt Innovationsfreude der mittelständischen Unternehmer – Infotag in Anger

Berchtesgadener Land – Neue Energieformen im Fokus: Im Porsche Traumwerk in Anger fand ein großer Wasserstoff-Infotag für den Mittelstand statt. Die Schirmherrin der Veranstaltung, Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner, fragte sinnigerweise: Wie wird aus dem »Traum« Realität? Oder anders gefragt: Wie kann die Technologie auch wirklich einen Mehrwert für die heimischen Unternehmen entfalten? Denn viele Anwendungsbereiche der Wasserstoff-Technologie sind bereits praxisreif – allein, es fehlt an der Umsetzung.


Die versammelten Unternehmer diskutierten deshalb beim Infotag darüber, wie diese gelingen kann. Den ganzen Nachmittag gab es Fachvorträge und Podiumsdiskussionen zum Thema. Außerdem zeigten 20 Aussteller konkrete Anwendungsbereiche, darunter Wasserstoffautos.

Eingeladen zu dem Treffen hatte der Wirtschaftsservice Berchtesgadener Land mit dem „Bundesverband des Mittelstands. BVMW“ – denn gerade für den Mittelstand gebe es durch die Technologie viele Chancen: Davon zeigte sich Andreas Jahn, Mitglied der BVMW-Bundeschgeschäftsleitung, in seinem Grußwort überzeugt. Seiner Meinung nach gebe es keinen günstigeren Zeitpunkt, um über die Technologie zu sprechen, als jetzt. Jahn erinnerte an die gleichzeitig laufende Weltklimakonferenz in Ägypten. Denn: Wasserstoff könne einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Das sah auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner so, die allerdings nicht nur an den Klimaschutz-Aspekt dachte, sondern auch daran, dass Wasserstoff helfen könne, Abhängigkeiten im Energiebereich zu beenden und gleichzeitig den Standort Bayern wettbewerbsfähig zu halten.

Beispiel Chemiedreieck: Schon heute verbrauchen Wacker, OMV und Co. fünf Terrawattstunden Strom jährlich – das entspricht acht Prozent des gesamten Stromverbrauchs Bayerns. Und der Bedarf wird weiter wachsen. Wie diese Energie künftig regenerativ erzeugt werden kann, ist eine der ganz großen Fragen in der heimischen Industrie. Denn gelingt es nicht, die Transformation von teuren fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren zu bewerkstelligen, ist das ganze Chemiedreieck nicht mehr wettbewerbsfähig – 60.000 Arbeitsplätze stehen dann auf der Kippe.

Doch alleine auf die Erneuerbaren zu setzen und neue Fotovoltaik-Anlagen und Windparks zu errichten, reicht nicht, um die nötige Netzstabilität sicherzustellen. Was, wenn kein Wind für Windkraft bläst und die Sonne hinter dicken Wolken verschwunden ist? Müssen dann Wacker und Co. die Produktion einstellen? Wasserstoff könnte in dieser Situation so etwas wie eine Lebensversicherung werden. Er lässt sich quasi unbegrenzt speichern und die in ihm enthaltene Energie kann jederzeit wieder freigesetzt werden.

Die Infrastruktur dafür entsteht gerade: Nötig sind sogenannte Elektrolyseure, wie sie derzeit im niederbayerischen Pfeffenhausen gebaut werden sollen. Sie lösen den Wasserstoff mittels Strom aus Wasser heraus. Der Wasserstoff kann dann mit Lkw dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird. Noch schlauer wäre es freilich, diesen Wasserstoff mit Pipelines zum Bestimmungsort zu schicken. Und hier hat Burghausen als Chemiestandort einen großen Vorteil: Denn schon heute kommen viele Rohre hier an – nur, dass sie bisher eben vor allem Erdgas und -öl transportieren. Es ist gut denkbar, dass über sie künftig Wasserstoff ins Chemiedreieck strömt. Der Aufbau eines solchen Wasserstoff-Netzes sei bereits in vollem Gange, so Aigner – und auch sonst helfe der Freistaat, wo er könne – etwa, indem er erfolgversprechende Projekte fördert. Gerade im Mittelstand, dem Rückgrat der heimischen Wirtschaft, wo viele Ideen entstehen.

Eine davon ist das »Next Mobility Accelerator Consortium«, ein Gemeinschaftsprojekt, an dem unter anderem der Vilshofener Energiehändler Maier Korduletsch beteiligt ist. Senior-Chef Alexander Maier zeigte, was man konkret vorhat – etwa den Bau einer großen Wasserstoff-Tankstelle für Lkw bei Passau. Maier attestierte dem Freistaat, dass tatsächlich die Förderbeantragung gut klappe: »Besser als bei den Bundesförderungen.«

Allerdings müsse der Staat neben der Bereitstellung von Förderungen auch im Blick haben, Bürokratie abzubauen und andere Hindernisse zu beseitigen. So würde für die Wasserstoff-Lkw beispielsweise immer noch die nötige Straßenzulassung fehlen, weil diese länger sind als »herkömmliche« Lastwagen.

Wie schnell »Probleme« wie dieses beseitigt werden, wird wohl darüber entscheiden, ob die Technologie auch in der Mobilität künftig eine Rolle spielen wird – oder ob Wasserstoff vor allem in der Industrie zum Einsatz kommt. Denn angesichts immer attraktiverer E-Antriebe wurde zuletzt häufig akkubetriebenen Lösungen der Vorzug gegeben.

Auf dem Weg zum Kehlsteinhaus werden künftig beispielsweise E-Busse zum Einsatz kommen, berichtete Landrat Bernhard Kern – und eben keine Wasserstoff-Busse. Für Kern keine Entscheidung gegen Wasserstoff. Für ihn ist die Technologie vielmehr einer von »mehreren Bausteinen« auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft.

jag