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Heilpflanzenkundiger Andreas Heiß leitet Kräuterwanderungen

Im Garten wächst ein Schatz

Berchtesgaden – Andreas Heiß ist Heilpflanzenkundiger. »Ziel meiner Führungen durch die Natur ist, den Menschen die Augen zu öffnen für das, was da ist«, sagt er. Heuer bietet er im fünften Jahr seine Heilpflanzen-Wanderungen rund um Berchtesgaden an. Die Teilnehmer sind überwiegend Einheimische, manche von ihnen frischen ihr Wissen bei weiteren Führungen auf. Denn am Wegesrand im Berchtesgadener Land – und übrigens auch in heimischen Gärten – wächst so manches unscheinbare und heilende Kraut, das kaum mehr jemand kennt.

Der Heilpflanzenkundige Andreas Heiß in seinem prächtigen Garten. (Foto: Berwanger)

»Früher hatten die Menschen ein viel größeres Wissen über die Vielfalt der Heilpflanzen, es wurde von Generation zu Generation weitergegeben«, weiß Andreas Heiß. Auch in seiner Familie war das so. »Der Opa war Heilpflanzenkundiger. Er hat kleinere Verletzungen mit einfachen Mitteln gut behandelt«, erzählt der Berchtesgadener. Er hat sich dieses Familienwissens erinnert, als seine Mutter schwer erkrankte. Ihre Krankheit war unheilbar, aber das Interesse von Andreas Heiß für die Heilkraft mancher Pflanzen war geweckt. Der studierte Kunststoff-Ingenieur und gelernte Zimmerer wollte sein Wissen unbedingt vertiefen und entschied sich vor rund zehn Jahren für eine dreijährige Heilpflanzenausbildung an der Heilpflanzenschule der Allgäuerin Susanne Fischer-Rizzi. Parallel dazu sammelte der zweifache Vater Erfahrung im Sammeln, Verarbeiten und Verwenden von Heilpflanzen.

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Heute gibt er sein Wissen auf Kräuterwanderungen weiter. Ob es um das Frühlingserwachen, Bergkräuter, Wertvolles für die Hausapotheke oder Baumheilkunde geht: »Mir ist das vernetzte Wissen ganz wichtig«, sagt Heiß. »Ich versuche zu vermitteln, was das Besondere an den Pflanzen ist, ihr Wesen, ihre Geschichte und die mit ihr verbundenen Mythen.« Jede Pflanze habe ihr Thema, das er herauskristallisiere.

Die Natur sei für ihn schon immer die größte Lehrmeisterin gewesen, so der 46-Jährige. Er kann stundenlang und mit nicht nachlassender Begeisterung von der Vielfalt der Heilpflanzen erzählen. Rund 100 der weitaus mehr im Berchtesgadener Land heimischen Heilpflanzen kennt er intensiv. Davon profitieren die Teilnehmer seiner Kräuterwanderungen in mehr als einer Hinsicht. Denn Anderl Heiß kann leicht auf das unterschiedliche Vorwissen der Heilkräuter-Interessierten eingehen. So nimmt jeder neues Wissen mit nach Hause.

Dass es sich dort nachhaltig verankert und in den Alltag übergeht, hofft Heiß inständig. Denn ihm liegt es am Herzen, das Bewusstsein der Menschen für die Einzigartig der Natur und für ihren Erhalt zu wecken. »Es gibt einen irrsinnigen Schatz«, sagt er. Dass sie diesen als schützenswert empfinden, wolle er den Teilnehmern seiner Führungen und am liebsten allen mitgeben. Dazu gehöre auch, »dass nicht jeder Weg ausgemäht wird und im Garten wächst, was wachsen mag«. Wenn der Heiß Anderl ruhigen Schrittes durch seinen herrlich wilden Garten geht, dann lässt sich unschwer erahnen, wie viel die Natur ihm und seiner Familie bedeutet. Heimische Heilpflanzen fühlen sich neben solchen aus anderen Gefilden wohl, eine verblühte Karde, deren Köpfe früher zum Kämmen der Wolle vor dem Spinnen genutzt wurden, steht malerisch zwischen allerlei noch Blühendem.

Eine Empfehlung lässt sich Andreas Heiß noch zur bevorstehenden kalten Jahreszeit entlocken: »Tee oder Tinktur aus der Wurzel der Angelika wirkt bei einer anziehenden Erkältung immunstärkend«, sagt der Heilpflanzenkenner. Die Menschen wussten schon um die antibakteriellen Eigenschaften der Angelika seit ihrem erfolgreichen Einsatz gegen die Beulenpest. Dieses uralte Wissen um die heilenden und wohltuenden Wirkungen der Natur wiederzubeleben und nicht mehr in Vergessenheit geraten zu lassen, dafür entflammt der Heiß Anderl auch bei seinen Kursen an der Volkshochschule. Etwa, wenn er das »Räuchern mit heimischen Pflanzen« lehrt. Ina Berwanger