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Im TV für ein paar Sekunden

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Sieht sich gern im TV: Heinz Buchinger aus Bischofswiesen. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der Bischofswieser Heinz Buchinger ist Komparse mit Leib und Seele: »Wenn ich mich im Fernsehen sehe, macht mich das glücklich«, sagt er.


Mit zahlreichen weiteren Darstellern steht er derzeit für die neue ZDF-Serie »Übers Land« in Berchtesgaden vor der Kamera. Drei Nachmittage hat sich Heinz Buchinger geblockt, um am Set mit dabei zu sein. »Wenn ich daheim wäre, würde ich sowieso nur auf der Couch liegen«, sagt der 47-Jährige mit einem verschmitzten Grinsen. Also hat er sich dazu entschieden, bei der neuen ZDF-Serie mitzumachen, deren beide ersten Folgen in Berchtesgaden spielen.

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Gedreht wird unter anderem vor dem Rathaus, das in der Serie als Amtsgericht fungiert. Zumindest von außen. Anstatt des großen »Rathaus«-Schriftzuges prangt an der gelben Wand ein noch viel knalligeres Schild mit der Aufschrift »Amtsgericht«.

Heinz Buchinger bringt schon einige Erfahrung als Komparse mit. Im Jahr 2000 hat er bei der erfolgreichen ZDF-Serie »Tierarzt Dr. Engel« mitgespielt, die über mehrere Staffeln hinweg ausgestrahlt wurde und Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten versammelte. In der Hauptrolle damals: Wolfgang Fierek als schlitzohriger, urbayerischer und unkonventioneller Tierarzt Quirin Engel. Heinz Buchinger hatte damals davon erfahren, dass das Produktionsteam nach Komparsen sucht. »Ich habe mich sofort angemeldet.«

Bilder von den Dreharbeiten in Berchtesgaden:

Buchinger brachte seine Lederhose mit, musste letztlich aber in eine andere Rolle schlüpfen als jene, die für ihn zunächst vorgesehen war. Gedreht wurde eine Krankenhausszene, nicht etwa im Kreiskrankenhaus Berchtesgaden, sondern in einer Klinik in Hallein, in einem umgebauten Kellerabteil. Buchinger spielte einen Krankenpfleger, der eine Frau, die eine Fehlgeburt erlitten hatte, aus einer Besenkammer fahren musste. In einer weiteren Szene sollte er ein Bett aufschütteln und ein Pflaster anbringen. Letztlich waren die Szenen im Film zwar nur ein paar Sekunden lang, gedreht wurde dennoch fast einen kompletten Tag, »immer und immer wieder«, erinnert sich der 47-Jährige. Einmal war er mit der Frau zu schnell unterwegs, ein anderes Mal zu langsam. Irgendwann war dann aber alles im Kasten.

Er hatte die Leidenschaft für Komparsenrollen für sich entdeckt. »Zwecks der Gaudi, ich sehe mich gern im Fernsehen«, sagt Buchinger, der seit 27 Jahren bei der Bundeswehr in Strub in der Küche arbeitet. Komparsentechnisch passierte in den weiteren Jahren zwar nicht viel. »Ich habe aber immer Ausschau gehalten, ob ich mal wieder wo mitmachen kann«, sagt er.

Vor einigen Tag las er im »Berchtesgadener Anzeiger«, dass für eine ZDF-Serie Komparsen gesucht werden. »Ich dachte zuerst, dass es sich dabei um ›Lena Lorenz‹ handelt.« Die Serie wird seit einigen Jahren in Berchtesgaden und Umgebung gedreht, auch dort schalten jedes Mal Millionen TV-Zuschauer ein. Letztlich suchte die Produktionsfirma aber Darsteller für die neue Serie von Franz Xaver Bogner, bekannt für Erfolge wie »München 7« oder »Irgendwie und Sowieso«. Für Heinz Buchinger bedeutet das: An gleich drei Tagen vor der Kamera zu stehen, und zwar als Darsteller, der im Hintergrund über den Parkplatz spaziert. »Mir macht das Spaß«, sagt er und lacht. Obwohl er die meiste Zeit mit Warten verbringt. Geld gibt es dafür in seinem Fall auch keines. Bei »Tierarzt Dr. Engel« hatte er noch rund 100 Mark erhalten.

Auch Nadine ist Komparsin. Sie kommt aus Österreich, eineinhalb Stunden Fahrzeit hat sie hinter sich: »Ich bin um fünf in der Früh aufgestanden und losgefahren«, erzählt sie. Ab 8 Uhr war sie am Set. Auch ihre Aufgabe ist es, als Fußgänger in Erscheinung zu treten. Vorbei an der ehemaligen Bäckerei Kruis, die in der Serie »Café Paragraph« heißen wird. Nadine sagt, dass sie schon mehrfach in Fernsehproduktionen mitgewirkt hat. »Ich habe mich mittlerweile in einer Agentur angemeldet, die Komparsen vermittelt.«

Nadine, die gelernte Verkäuferin ist, sagt, dass sie gerne in der Filmbranche arbeiten würde. »Ich wäre gern ein Mordopfer.« Reizen würde sie auch etwas Lustiges, eine Komödie. In der Vergangenheit hatte sie einmal sogar schon eine kurze Sprechrolle. Aber dort, im Schauspiel, Fuß zu fassen, eventuell gar damit Geld zu verdienen. Dieses Ziel liegt in weiter Ferne. Nadine hofft trotzdem, dass sie noch viele Komparsenrollen vermittelt bekommt. Dass sie am Ende nur für ein paar Sekunden im Fernsehen zu sehen sein wird, macht ihr nichts aus. Sie mag die Atmosphäre am Filmset, aber auch die Tatsache, »dass man hier so viele Leute kennenlernt – das geht unglaublich schnell«. Kilian Pfeiffer

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