weather-image
19°
Experte Dr. Jochen Quintern vom Medical Park Loipl über Risiken und neue Therapien

»Im Verdachtsfall sofort den Notarzt rufen«

Experte für neurologische Rehabilitation: der leitende Oberarzt des Medical Parks Loipl, Dr. Jochen Quintern (Foto: privat)

Bischofswiesen – Er ist eine Volkskrankheit mit oftmals tödlichem Ausgang: der Schlaganfall. Zum heutigen Weltschlaganfalltag sprach der »Berchtesgadener Anzeiger« mit einem anerkannten Experten auf diesem Gebiet: Dr. Jochen Quintern, leitender Oberarzt des Medical Parks Loipl.


Herr Dr. Quintern, wie kann man einem Schlaganfall am besten vorbeugen?

Anzeige

Dr. Jochen Quintern: Indem man folgende Risikofaktoren vermeidet: Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Rauchen, Blutzucker, Blutfett, Cholesterin, also allgemein schlechte Ernährung. Gefährlich kann auch das sogenannte Herzstolpern sein. Da sollte man abklären, ob es sich nicht um Vorhofflimmern handelt.

Bei welchen Symptomen sollte man zum Arzt?

Dr. Quintern: Auffällige Durchblutungsstörungen wie Sehstörungen, Lähmungen und Gefühlsstörungen sind Anzeichen eines Schlaganfalls. Genauso wie ein Schwindelanfall. Das muss sofort untersucht werden. Das darf man nicht verschleppen. Also, nicht auf den nächsten Tag aufschieben, nicht zum Hausarzt gehen, sondern sofort den Notarzt rufen. Der bringt den Patienten dann zum nächsten Krankenhaus mit einer sogenannten Stroke Unit. Die gibt es bei uns in Bad Reichenhall, Salzburg und Traunstein.

Was passiert in der Stroke Unit?

Dr. Quintern: Der Patient wird untersucht und nach den Symptomen befragt. Auch eine Computertomografie wird gemacht. Denn der Arzt muss feststellen, ob eine Einblutung oder eine Durchblutungsstörung vorliegt. Bei besonders ausgeprägten Symptomen muss das Blutgerinnsel aufgelöst werden.

Man hört immer wieder, dass die Einnahme von Aspirin einen Schlaganfall verhindern kann.

Dr. Quintern: Das funktioniert so nicht. Aspirin beziehungsweise der darin enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure bringt nur etwas nach einem Schlaganfall. Zur allgemeinen Vorbeugung taugt es nicht, da es das Blutungsrisiko erhöht. Aber zur Sekundärprävention wird es häufig eingesetzt. Vor allem nach einem Schlaganfall, der von einer Arteriosklerose herrührte.

Was ist die neueste Erkenntnis in der Schlaganfallforschung?

Dr. Quintern: Es ist nicht die Neueste, aber die Beste: Am wichtigsten ist die rasche Entfernung des Blutgerinnsels. Das passiert in den Stroke Units medikamentös. Eine neue Technik ermöglicht, über die Leistenschlagader einen Katheter einzuführen, ihn zum Gehirn zu leiten und das Gerinnsel mit einem Drahtgeflecht herauszuziehen. Das können aber nur Spezialisten in besonderen Zentren, die es an manchen Unikliniken gibt. Dieser Eingriff ist allerdings mit Risiken verbunden.

Sie sind Experte für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Welche neuen Erkenntnisse gibt es in diesem Fachgebiet?

Dr. Quintern: Auch hier ist es am wichtigsten, dass mit der Reha so schnell wie möglich begonnen wird. Denn das Gehirn ist ein Netzwerk von Nervenzellen, die permanent miteinander kommunizieren. Nach einem Schlaganfall ist ein Teil davon für immer weg. Einige Tage später bildet sich aber das Netzwerk neu. Und da geht es darum, die bestmögliche Funktion zu erreichen. Vor allem beim Schlucken und bei der Sprache. Mit verschiedenen wissenschaftlichen Verfahren kann man die Therapie immer besser auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abstimmen.

Wie beugen Sie selbst einem Schlaganfall vor?

Dr. Quintern: Mit Ausdauersport und einer gesunden Lebensweise. Christian Fischer