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Immer wieder Neuland erobert

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Erich Melcher war lange Jahre Chef des »Berchtesgadener Anzeigers«. Der Altverleger starb jetzt im Alter von fast 92 Jahren. Foto: privat

Berchtesgaden – Erich Melcher ist tot. Der ehemalige Verleger des »Berchtesgadener Anzeigers« verstarb am Dienstag kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres friedlich in Berchtesgaden. Ein dynamisches, mit viel Gestaltungskraft erfülltes Leben liegt hinter dem unerschütterlichen Optimisten, der für Heimatzeitung, Druckerei und Verlag fast 60 Jahre lang ohne Zaudern die Weichen stellte. Wohin er den »Berchtesgadener Anzeiger« steuern musste, das war dem Technikfan mit Tatendurst immer klar. Technisch und kaufmännisch optimal aufgestellt sollte das Unternehmen sein, dessen Leitung Erich Melcher 1972 von L.P. Miller übernommen hatte.


Geboren wurde Erich Melcher am 18. Juli 1921 in Groß-Krosse, Österreichisch-Schlesien. In die Fußstapfen seines Vaters – eines Landwirts – trat er nicht (das übernahmen seine Brüder Heinz und Herbert), sondern absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Fallschirmjäger an vielen Brennpunkten, darunter Kreta und Nordafrika. Von seiner Kriegsgefangenschaft, die ihn drei Jahre lang quer durch die USA führte, ließ er sich nicht entmutigen. 1945 kam Erich Melcher nach Bischofswiesen, er wusste, dass hier schon sein »Lebensmensch« auf ihn wartete.

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Die Hochzeit mit Ulli Purr, deren Familie ebenfalls aus dem Sudetenland stammte, fand 1946 in Bischofswiesen statt. Seinen beiden Töchtern Ulrike und Iris widmete sich das Familienoberhaupt mit Hingabe. In allen Sportarten, die er mit Begeisterung, aber nie verbissen ausübte, forderte er auch die Töchter heraus: Tennis, Skifahren, Bergsteigen und Golf. Besonders am Herzen lagen ihm seine Enkelinnen Steffi und Alexandra.

Kein Sportsgeist ohne gesunden Ehrgeiz. 1946 engagierte ihn die damalige Verlegerin Charlotte Miller für den kaufmännischen Bereich des »Berchtesgadener Anzeigers«.

Wenn es um die technologische Entwicklung der »Vonderthann'schen Buch-Offset-Druckerei« und späteren »Berchtesgadener Anzeiger Druckerei und Verlag E. Melcher GmbH & Co. KG« ging, wollte er zu den Vorreitern der Branche gehören. Nach sorgfältiger Markterkundung entschied sich Erich Melcher als einer der Pioniere der gesamten Branche schon 1977 für den Abschied vom Bleisatz und stellte den Verlag auf Fotosatz um. Unternehmen, nicht unterlassen, nach dieser Maxime wagte er sich kontinuierlich auf Neuland. Mit Erfolg verlegte er den kompletten technischen Betrieb von Druckerei und Heimatzeitung 1982 nach Bischofswiesen – in einen maßgeschneiderten Neubau.

Erich Melcher verstand sich als Teamplayer. Zusammen mit Gabriel Brunner, dem technischen Leiter der Druckerei, und Schwiegersohn Wolfgang Krawehl, seinem Nachfolger als Zeitungsverleger, entschied er sich zu mutigen Schritten im lokalen Medienmarkt, etwa die Umstellung des »Berchtesgadener Anzeigers« auf Offsetdruck, die Vierfarbdruck für die Heimatzeitung erlaubte. Redaktionsfreiheit war ihm wichtig, aber auch jene Balance, die eine kleine Zeitung braucht, um zwischen allen Begehrlichkeiten zu bestehen. Er war zugänglich für Anliegen aus dem Kreis der Mitarbeiter, nahm sich Zeitung und Druckerei zu Herzen und mit nach Hause – zur Diskussion im Familienkreis.

Trotz dieses beachtlichen Pensums schaffte es Erich Melcher, genügend Zeit und Energie zu sammeln, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Fünf Wahlperioden lang war er 1. Vorsitzender des Berchtesgadener Tennisclubs TCB – von 1971 bis 1986. Lust auf Neuland zeigte er auch sportlich, noch bis vor zwei Jahren war Erich Melcher hin und wieder auf der Golf-Driving-Range unterwegs. Schwer traf ihn der Tod seiner geliebten Ehefrau Ulli im Jahr 2006, im Herbst des Jahres hätten die beiden das 60-jährige Ehejubiläum gefeiert.

Aktiv und doch spielerisch mit dem Leben umzugehen, dabei Herausforderungen nicht auszuweichen und sich selbst niemals zu ernst zu nehmen – das beherrschte der Unternehmer perfekt. Berchtesgaden verliert mit Erich Melcher eine jener Persönlichkeiten, die ohne viel Showeffekt anpacken und fast nebenbei wichtige Meilensteine setzen. Iris Melcher