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Immobilie im »Dornröschenschlaf«

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Das »Göllhäusl« am Hinterbrand wurde zuletzt von den Amerikanern genutzt. Heute befindet es sich im »Dornröschenschlaf«. (Foto: Suitbert Kastner)

Schönau am Königssee – Wer über den Faselsberg hinauf zum Parkplatz Hinterbrand fährt, dem sticht ein markantes Gebäude kurz vor der letzten Kehre ins Auge: das frühere »Göllhäusl«, das bis vor drei Jahren von den Amerikanern als »Hinterbrand Lodge« betrieben wurde. Der gebürtige Faselsberger Suitbert Kastner hat die Geschichte des Hauses recherchiert.


Nach Kastners Nachforschungen war eine Gräfin von Ortenburg aus Niederbayern von 1903 bis 1923 die erste Besitzerin des Anwesens. Anschließend hat es die Baronin Claire von Abegg, eine in Berlin geborene Diplomatenwitwe (sie entstammte einer friesischen Adelsfamilie) erworben.

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1937 ging der Besitz nach einer Zwangsversteigerung an die Nationalsozialisten beziehungsweise an den Reichsbund Deutscher Beamter. Auf Wunsch der 1935 verstorbenen Baronin von Abegg (sie war eine große Verehrerin von Adolf Hitler und Dietrich Eckart) sollte das »Göllhäusl« in eine »Dietrich-Eckart-Stiftung« übergehen. Dietrich Eckart war, wie bekannt, bereits in den frühen 1920er Jahren einer der ersten Hitleranhänger und – Förderer sowie auch Chefredakteur des antisemitischen Hetzblattes »Völkischer Beobachter«. Als Dietrich Eckart im Frühjahr 1923 unter anderem wegen Beleidigung und Verunglimpfung des damaligen deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert verhaftet werden sollte, tauchte er zunächst mit dem Tarnnamen Dr. Hoffmann in der damaligen »Pension Moritz« (später »Platterhof«) am Obersalzberg , wo sich auch Adolf Hitler schon aufhielt, unter. Als es ihm jedoch dort zu »heiß« wurde, gewährte ihm die Baronin Claire von Abegg (ehe er im Dezember 1923 verstarb) im »Göllhäusl« am Hinterbrand Unterschlupf.

Anfang der 1940er Jahre kam es dann durch die NS-Diktatur zu einer Änderung im Grundbucheintrag; anstelle »Göllhäusl« erhielt das Anwesen die Bezeichnung »Dietrich-Eckart-Hütte«.

Nach Kriegsende im Mai 1945 ging die Liegenschaft unter dem Namen »Hinterbrand-Lodge« an die US-Army. Im Laufe der Jahre wurde die »Lodge« um drei einfache Blockhütten auf dem rund 5 000 Quadratmeter großen Areal erweitert. Bis 2012 wurden in der »Hinterbrand-Lodge« von den Amerikanern interne Seminare und Lehrgänge für Jugendgruppen durchgeführt, ehe die gesamte Liegenschaft in einen »Dornröschenschlaf« fiel. Eigentümer ist heute der Freistaat Bayern. Suitbert Kastner