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Improvisieren und Organisieren am Watzmannhaus

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Zimmer und Matratzenlager bekamen im Zuge der Renovierungsarbeiten eine Rundumerneuerung.
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Am Zustiegsweg sind noch einige – mittlerweile harmlose – Schneepassagen zu meistern.
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Im Salettl müssen vorübergehend Biertischgarnituren ausreichen. Die alten Möbel hat man bereits ins Tal geflogen.
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Mühevoll begann am Watzmannhaus am 7. Juni die Saison. Schnee und Umbauarbeiten brachten jede Menge Arbeit mit sich. An diesem langen Wochenende wird das Haus erstmals mit 200 Gästen voll belegt sein. (Fotos: Julian Kastner)

Ramsau – Im Improvisieren und Organisieren sind Bruno und Annette Verst schon immer gut gewesen. Doch heuer profitieren die Wirtsleute vom Watzmannhaus ganz besonders von ihren Talenten, denn die Saison begann dieser Tage unter außergewöhnlichen Umständen. Der Schnee auf dem Zustiegsweg erschwerte die Inbetriebnahme des Hauses und die Nachwirkungen der Umbauarbeiten im vergangenen Herbst und diesem Frühjahr beeinträchtigen aktuell noch den Hausbetrieb. Dennoch wird man an diesem langen Wochenende erstmals seit Eröffnung am 7. Juni 200 Übernachtungsgäste beherbergen und trotz aller Umstände sicherlich wieder gut bewirten.


Früh, denn bereits nach den Sommerferien, beendete man im vergangenen Jahr die Übernachtungssaison auf dem Watzmannhaus. Grund waren die aufwendigen Sanierungsarbeiten, die die Sektion München des Deutschen Alpenvereins an der 1888 in kleinerer Form auf dem Falzköpfl errichteten Unterkunftshütte durchführte. Bis zum Winterbeginn wurde mit Hubschrauberunterstützung gebaut. »Das komplette Hauptgebäude war entkernt«, erinnert sich Bruno Verst und betont: »Alles wurde erneuert.« Es gibt neue Zwischenwände, neue Zimmer, Lager, Personalräume, eine sanierte Pächterwohnung und auch einen weiteren Waschraum. »Bis der Winter kam, war der große Dreck draußen, die Wände standen wieder«, sagt Verst.

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Am 27. Mai rückten die Handwerker wieder an

Wegen der massiven Schneefälle später als geplant nahm man in diesem Frühling die Restarbeiten in Angriff. »Wir haben erst einmal vier Tage lang die Seilbahnstationen freigeschaufelt«, erinnert sich Bruno Verst. Denn die Bahn wurde zum Materialtransport, aber auch zur Versorgung der Arbeiter am Falzköpfl gebraucht. Die rückten dann am 27. Mai per Hubschrauber an. Es war noch viel zu tun, bis das Haus in Betrieb genommen werden konnte: Elektrik, Wasseranschlüsse, Möblierung und Kachelofen für die Gaststube, Holzdecken usw. »Es hat alles bestens funktioniert«, freut sich der Wirt. Dass es im Haus teilweise noch wild aussieht, scheint Bruno Verst nicht sonderlich zu beunruhigen: »Das ist ja nicht die erste Baustelle, die wir machen. Da heißt es halt improvisieren und alles zehnmal in die Hand nehmen.«

Biertischgarnituren im Salettl

Bester Beweis dafür ist das in die Jahre gekommene Salettl, also die große Gaststube auf der Ostseite des Hauses. Seit Jahren hoffen Sektion München und Wirtsleute, die desolate Stube neu bauen zu können. Eigentlich hätte man im vergangenen Herbst noch betonieren und dann in diesem Frühjahr den Neubau vollenden wollen. Doch die Genehmigung ist noch nicht da. Der Bund Naturschutz hatte gegen Teile des Umbauprojekts geklagt, eine gerichtliche Entscheidung gibt es noch nicht.

Allerdings hatte man im Herbst bereits die alten Möbel aus dem Salettl entfernt und mit dem Hubschrauber abtransportieren lassen. »Jetzt ist das Salettl halt mit Biertischgarnituren eingerichtet«, lacht Bruno Verst. Die brauchte man aber nach der Eröffnung des Hauses am 7. Juni zunächst noch nicht. Denn die Zahl der Schlafplätze hatte man wegen der noch tätigen Handwerker auf 100 begrenzt.

Um das Watzmannhaus zu diesem Termin überhaupt in Betrieb nehmen zu können, waren auch erhebliche Arbeiten am Zustiegssteig erforderlich. Denn unterhalb des Hauses, wo der Steig durch die Felsen quert, gab es noch kein Durchkommen, zehn bis zwölf Meter hoch klebten Schnee und Eis förmlich an der Wand. »Wir haben eine ganze Woche geschaufelt, Stufen geschlagen und auch die Motorsäge kam zum Einsatz«, erinnert sich Bruno Verst. Irgendwann war man dann so weit, dass man die Stellen mit Drahtseilen absichern und dann freigeben konnte. »Die Leute sollen ja schließlich einigermaßen sicher zu uns heraufkommen«, sagt Bruno Verst. Parallel zum Normalweg konnte auf den letzten Metern auch noch die Wintervariante genutzt werden, in der in der Regel die Skibergsteiger direkt zur Hausterrasse gelangen.

200 Übernachtungsgäste an diesem Wochenende

Für dieses lange Wochenende haben sich erstmals in dieser Saison 200 Gäste auf dem Watzmannhaus angemeldet. Auch die werden improvisieren müssen, denn viele von ihnen werden an den Biertischen im Salettl sitzen. Entschädigt für die Einschränkungen werden die Besucher aber durch die gute Versorgung im Haus und durch die bergsteigerischen Möglichkeiten, die sich jetzt doch schon rund um das Watzmannhaus auftun. »Wegen der hohen Temperaturen ist der Schnee zum Hocheck überraschend schnell weggetaut. Das Hocheck wird jetzt schon regelmäßig begangen«, erklärt Bruno Verst. Einige gehen sogar schon über den Grat bis zur Mittelspitze. »Da gibt es aber noch ein paar kurze vereiste Stellen«, warnt der Wirt. Von der Gesamtüberschreitung bis zur Südspitze raten die Wirtsleute aber noch ab, denn in manch schattiger Ecke herrschen noch winterliche Verhältnisse.

Neues Salettl im nächsten Jahr?

Zusätzlich erwarten die Wirtsleute an diesem Wochenende noch die Teilnehmer an der 24-Stunden-Wanderung. »Da herrscht bei uns vorübergehend Jubel, Trubel, Heiterkeit«, sagt Bruno Verst und lacht. Doch der Bischofswieser weiß auch, dass das Geschäft nach Ende der Pfingstferien erst einmal wieder einbrechen wird. »Dann haben wir ja Zeit, alles ein wenig herzurichten.«

Ansonsten plant man die weitere Saison wie im letzten Jahr. Ab 1. September reduzierter Übernachtungsbetrieb, Abriss des alten Salettls und Betonieren der Bodenplatte. Im Frühjahr 2020 dann Neubau des Salettls. Doch bis dahin kann sich noch viel tun, das weiß man aus Erfahrung. Ulli Kastner