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In der Welt zu Hause, in Berchtesgaden daheim

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Eine Riesengaudi hatten Rallye-Fahrerin Jutta Kleinschmidt und »Anzeiger«-Redakteur Christian Fischer beim Interview. (Foto: Rothenbuchner)

Berchtesgaden – Sie rast von Termin zu Termin, immer auf der Überholspur, eine Turbofrau. Für Jutta Kleinschmidt sind Herausforderungen wie Öl im Getriebe: unverzichtbar. Als die legendäre Rallye-Fahrerin und erfolgreiche Rednerin neulich auf Kurzbesuch in ihrer alten Heimat Berchtesgaden war, hat sie der »Berchtesgadener Anzeiger« zum Gespräch ins Café »Spiesberger« gebeten.


Da sitzt sie nun, die Heldin von Motorsportfans und Autofreaks auf der ganzen Welt: Jutta Kleinschmidt. Die erste Siegerin der Dakar-Rallye. Eine der erfolgreichsten Rennfahrerinnen aller Zeiten. Eine Schönauerin. Eine bodenständige Frau, die immer wieder gerne in den Talkessel kommt, um ihre Mutter zu besuchen. Um auf den Berg zu gehen oder zum Skifahren. »Berchtesgaden ist meine Heimat«, sagt sie, »Monaco mein Wohnort.« Und eines steht fest: Irgendwann möchte Jutta Kleinschmidt wieder in Berchtesgaden wohnen. »Ich mag die Gemütlichkeit hier, ich brauche kein Schickimicki.«

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Was sie allerdings schon braucht, sind Herausforderungen. Dieses Bedürfnis hat Jutta Kleinschmidt vom Talkessel hinaus in die Welt getrieben und war der Motor ihrer beispiellosen Karriere. Alleine eine Aufzählung ihrer Berufe würde einen eigenen Artikel füllen. Trotzdem, die wichtigsten: Rennfahrerin, Instruktorin, Fahrzeugentwicklerin, Diplom-Physikerin, Rednerin, Buchautorin und – was viele nicht wissen: Stuntfrau. Bei den schnellen Fahrszenen im französischen Action-Kultfilm »Taxi, Taxi« saß Jutta Kleinschmidt hinter dem Steuer.

Solche Geschichten erzählt sie, als wäre es das Normalste auf der Welt. Sie hat einen eigenen Hubschrauber. Klar. Hat gestern einen Vortrag beim BMW-Jubiläum in München gehalten. Sowieso. Entwickelt gerade einen Rallye-Buggy. Kein Problem. Aber eine spannende Sache.

Kleinschmidts Auftraggeber ist Sven Quandt. Ja genau, aus der berühmten Milliardärsfamilie. Ihm gehört der Rennstall »X-raid«. Und dafür soll Jutta Kleinschmidt einen Buggy mitentwickeln, testen und mit ihm siegen. »Mein Vorgänger hat den Buggy abgestellt und ist nach Hause gefahren. Der hatte einfach keine Lust mehr«, erzählt Kleinschmidt und kichert dabei. Für Rallye-Laien sei erklärt: Der Buggy hat einen Zweiradantrieb. Und ist somit vom Reglement her gegenüber einem Allradfahrzeug im Vorteil. »Autos mit Zweiradantrieb dürfen leichter sein und mehr Leistung haben«, weiß die Expertin. Der erste Test unter Realbedingungen startet in drei Wochen bei der Desert Challenge in Abu Dhabi, dann geht's nach Katar.

Privat fährt Jutta Kleinschmidt übrigens auch gerne schnell, aber gesittet Auto. »Ich versuche, meinen Führerschein zu behalten«, sagt sie und kichert. Sie sei schon manchmal überrascht, wie aggressiv manche Autofahrer, gerade auf der Autobahn, unterwegs seien. »Wenn jemand drängelt, einfach gelassen bleiben, rechts rüberfahren und glücklich sein«, empfiehlt der Profi.

Mit Tipps für Profis verdient Kleinschmidt übrigens auch Geld. In Vorträgen vermittelt sie Grundlagen für Erfolg. Neben Leidenschaft und der Fähigkeit, richtig mit Rückschlägen umzugehen, nennt Kleinschmidt zwei weitere entscheidenden Erfolgsfaktoren: Konzentration und Kondition. Beides könne man trainieren. »Im heutigen Berufsleben braucht man Durchhaltevermögen«, weiß Kleinschmidt. »Derjenige, der am fittesten ist, kommt am weitesten.« Bei einer Rallye genauso wie im Alltag.

Leistung, Erfolg, Geschwindigkeit, immer auf dem Sprung. Hat Jutta Kleinschmidt eigentlich auch so etwas Ähnliches wie Freizeit? Wenn ja, was macht sie da? »Ich bin gerne in der Natur und eine begeisterte Radfahrerin«, sagt Kleinschmidt. Prinzipiell sei sie für »jeden Blödsinn, der Spaß macht«, zu haben. Und tatsächlich: »Ich liege auch gerne auf der Couch und esse Chips. Oder gehe ein Bier trinken«, verrät sie. Vielleicht ja bald öfter in Berchtesgaden? Christian Fischer

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