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In jedem Ford steckt ein Teil aus Marktschellenberg

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Irene Wagner (r.) informiert die Besucher des Euregio-Dialogs über den eigenen psm-Produktkatalog. Fotos: Anzeiger/kp
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Kommt ein Stanzteil geflogen ...

Marktschellenberg - Als Vorzeigeunternehmen mit mehr als 220 Mitarbeitern an den Standorten in Marktschellenberg und Ungarn präsentierte sich »psm protech« beim Dialog der Euregio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein am Donnerstagnachmittag. Geschäftsführerin Irene Wagner blickte gemeinsam mit zahlreichen Besuchern auf ein Unternehmen, dessen Stanz-, Spritzguss und Hybridteile weltweit Abnehmer finden. »In jedem Ford fährt ein Teil von psm protech mit«, so Wagner.


Clemens Wagner, 2. Bürgermeister von Marktschellenberg, begrüßte in den Geschäftsräumen des größten Unternehmens der Gemeinde Marktschellenberg zahlreiche Gäste. Derzeit entsteht in Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Gemeinde ein Entwicklungskonzept, das vor allem die heimische Wirtschaft stärken soll. Denn die Hochzeiten der kleinen Gemeinde mit ihren 1 800 Einwohnern sind schon lange vorbei. Früher war es das Salz, das den Einwohnern zu Wohlstand verhalf. Und heute? Hat Marktschellenberg gerade mal zwei Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern.

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Die Gewerbesteuer liegt bei 80 000 Euro pro Jahr. Die Steuerkraft pro Einwohner bei 382 Euro. Unterdurchschnittlich. Der bayerische Durchschnitt: über 600 Euro. »Unser Glück«, so Clemens Wagner, »ist, dass wir recht wenig Schulden haben«. Auch dank des Gemeindeentwicklungskonzeptes begreife man langsam aber sicher, dass die Region nicht nur von Landwirtschaft und von Tourismus abhängt.

Marktschellenberg als Wirtschaftsstandort rücke immer mehr in den Fokus. »Entscheidend ist der Handel, das Gewerbe und die Dienstleistung«. Und deshalb setzt die Gemeinde alles daran, bestehende Betriebe zu erhalten und neue Unternehmen anzulocken. Denn die Lage sei verkehrsgünstig, Flächen vorhanden. Notwendig sei ein wirtschaftsfreundliches Klima im Ort.

Einen Teil dazu trägt Geschäftsführerin Irene Wagner bei, die »psm protech« 2010 aus der Insolvenz rauskaufte. 20 Jahre arbeitete sie in der Automobilbranche, sie war General Manager bei Fiat Deutschland. 140 Mitarbeiter hatte das Vorgängerunternehmen »Thielen Feinmechanik«.

Seitdem ist psm protech ordentlich gewachsen und weltweit bekannt dafür, Produkte herzustellen, die auf den tausendstel Millimeter genau sind. 60 Prozent des Umsatzes werden mit dem Ausland gemacht - mit Ländern in Europa, aber auch auf anderen Kontinenten - etwa Brasilien oder China. Auftraggeber sind vor allem Firmen aus dem Automotivbereich. Das Steckenpferd des Unternehmens: Hybridteile.

»Das hat nichts mit Hybridantrieben zu tun«, klärt Irene Wagner auf. Vielmehr sind das Produkte, die aus Metall gestanzt, dann mit Kunststoff umspritzt werden. Das fertige Produkt ist der Hybrid - und findet sich in den unterschiedlichsten Gebieten wieder - ob im Abgasrückführungssystem, bei der elektrischen Lenkung oder im Bereich der Gebäudetechnik. Derzeit stellt psm protech etwa Teile für die neue S-Klasse von Mercedes her.

Einzelheiten? »Darüber dürfen wir nicht sprechen«, sagt Wagner, deren Firma hohe Auflagen zu erfüllen hat, um in der Weltspitze vorne dran zu sein. So müsse man selbst 15 Jahre nach Ende einer Serienproduktion eines Teils in der Lage sein, noch Ersatzteile zu fertigen.

Intern verfolgt Wagner eine »Roadmap«, also einen roten Faden mit Unternehmenszielen, die es zu erreichen gilt: »Wir wollen am Ende noch industrieller und noch professioneller werden«, so lauten die ambitionierten Ziele der Unternehmerin, der es wichtig ist, mit ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Denn obwohl Irene Wagner die Chefin ist, weiß sie sehr wohl: »Ohne meine Mannschaft geht nichts«. Deshalb bildet sie aus.

14 Lehrlinge beschäftigt sie derzeit. Zwar bedroht der Mangel an Facharbeitern auch ihr Unternehmen. Deshalb versucht man auf weiter Front Personal zu locken. »Für die Arbeitnehmer ist es das Wichtigste, immer eingebunden zu werden und mitsprechen zu dürfen«. Und wenn was schief läuft? »Dann wird das bei uns im Unternehmen offen gesagt und wir arbeiten gemeinsam an einer Lösung«. Bei psm protech gibt es dafür einen Methodenkatalog. Um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Betrieb gewährleisten zu können. Bislang ist Irene Wagner mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden. Alle Ziele erreicht, hat sie, nach eigener Aussage, aber noch lange nicht. kp