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Informationsaustausch am Alpengürtel

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Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel war 13 Jahre lang Präsident des Netzwerks Alpiner Schutzgebiete, das sich entlang des gesamten Alpengürtels erstreckt. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Dem Netzwerk Alpiner Schutzgebiete (ALPARC) stand Dr. Michael Vogel, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, über ein Jahrzehnt als Präsident vor. »Wir haben viel erreicht«, sagt er. Durch das Netzwerk seien während seiner Amtszeit über 1,1 Millionen Euro in den Nationalpark Berchtesgaden geflossen. In wenigen Wochen scheidet er aus der Vereinigung länderübergreifender Schutzgebiete aus. »Als Fachgremium haben wir uns international einen guten Namen gemacht.«


Das Netzwerk Alpiner Schutzgebiete liegt im Einzugsgebiet der Alpenkonvention und ermöglicht bereits seit 1995 »einen Austausch zwischen den alpinen Nationalparks, Naturschutzgebieten, Biosphärenreservaten und anderen Schutzformen«, so Michael Vogel. Er sitzt in seinem Büro im Nationalparkhaus am Doktorberg, vor sich ausgebreitet eine große Karte, die den Alpengürtel darstellt. Bunt eingezeichnet sind die vielen Gebiete, die in die Kategorie »schützenswert« fallen. Im Jahr 2011 schon gab es beinahe 1 000 Schutzgebiete, dies entspricht ungefähr 25 Prozent des Alpenraums. Genau aus diesen setzt sich das Netzwerk zusammen, auch der Nationalpark Berchtesgaden ist Mitglied.

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Dessen Chef Michael Vogel war die längste Zeit überhaupt an der Spitze von ALPARC. »Ich fand das immer eine gute Sache«, sagt er. Das Ziel des Netzwerks: die Umsetzung des Artikels »Naturschutz und Landschaftspflege« der Alpenkonvention. Und so ist es auch naheliegend, dass es die Alpenstaaten sind, die das internationale Abkommen unterzeichnet haben: Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien und die Fürstentümer Liechtenstein und Monaco.

Michael Vogel sagt, dass das Netzwerk eine Idee Frankreichs war, 1994 war das. Damals schlug das Nachbarland die Einrichtung eines europäischen Netzwerks der alpinen Schutzgebiete vor, um gemeinsam Projekte durchzuführen, sich über »technisches Wissen auszutauschen, die Effizienz von Managementmethoden zu bewerten, Treffen und Veranstaltungen zu organisieren zu verschiedenen Themen im Bereich des Managements der Fauna, bis hin zu Fragen des Klimawandels«, sagt Vogel. Sechs Jahre später wurde das Netzwerk Alpiner Schutzgebiete als Instrument zur Anwendung der Alpenkonvention anerkannt. Die Basisfinanzierung werde von Frankreich getragen, das französische Umweltministerium ist an ALPARC ebenso beteiligt wie das Bundesumweltministerium, so Vogel.

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte sei eine Vielzahl an Projekten umgesetzt worden, vor allem EU-Projekte. Diese hätten große finanzielle Mittel generiert, die unter anderem wiederum dem hiesigen Nationalpark in Berchtesgaden zugute gekommen waren. Siebenstellig sei der Betrag gewesen, der durch EU-Projekte direkt und indirekt für den Nationalpark bereitgestellt werden konnte. Ein weiteres Ergebnis aus der Zusammenarbeit sei die Fortschreibung der Flächennutzungspläne der Gemeinden sowie des Landschaftsrahmenplanes – diese Erkenntnisse seien wiederum in Netzwerk-Projekte eingeflossen.

Ein Netzwerk, das sich über den gesamten Alpenraum erstreckt und gut zusammenarbeiten soll – funktioniert das überhaupt? Laut Vogel in jedem Fall sogar »sehr gut«. Der Hauptsitz von ALPARC ist in Frankreich, dort, wo Vogel in seiner Position oft war, um das Netzwerk zu repräsentieren. »Lobbyarbeit, Geldbeschaffung, Verhandlungen«, fasst er zusammen. »Ich war der Laufbursche«, sagt Vogel in einem für ihn so typischen Tonfall, gefolgt von einem Grinsen. Alles Punkte, die viel Zeit in Anspruch genommen hätten – neben seiner leitenden Tätigkeit im Nationalpark Berchtesgaden. Urlaub musste er mehrfach dazu nutzen, für das Netzwerk aktiv zu sein. Wenn er etwa in das französische Umweltministerium musste oder Ministertreffen hatte – zur Repräsentation des Netzwerks Alpiner Schutzgebiete.

»Es ist wichtig, dass wir Themen aufgreifen und bearbeiten, die für Schutzgebiete relevant sind. Von unseren Erkenntnissen sollen alle profitieren, daher stellen wir die Ergebnisse auch unseren Partnern zur Verfügung.« Personalintensiv sei die Arbeit im Netzwerk Alpiner Schutzgebiete – allein das Büro in Frankreich beschäftigt sechs feste Mitarbeiter, die verwalten und vermitteln, natürlich in verschiedenen Sprachen. Bei Konferenzen wird dann schon mal simultan übersetzt, denn die Sprach- sowie die Verwaltungsbarriere seien groß. »Wir haben uns regelmäßig getroffen, um neue Erkenntnisse miteinander zu besprechen«, sagt Vogel über seine 13 Jahre als Präsident. Die letzte Generalversammlung, in der er offiziell seinen Abschied kundtat, fand im Januar statt.

Neben dem thematischen Netzwerk ist es vor allem das ökologische Netzwerk, dem die Mitglieder ein besonderes Augenmerk gewidmet haben. »Die Schaffung eines ökologischen Verbundes durch die Verbindung von Schutzgebieten mittels ökologischer Korridore, Vertragsnaturschutzmaßnahmen und einer nachhaltigen Raumplanung ist eines der zentralen Ziele des Alpinen Netzwerks und der Alpenkonvention«, sagt Michael Vogel. Die Ergebnisse einer vom Netzwerk in Auftrag gegebenen Studie zeigen das Potenzial in den Alpen zur Schaffung eines tatsächlichen »ökologischen Kontinuums«, das langfristig den alpinen Artenreichtum sichern soll und Migrationen von Arten innerhalb der Alpen und den angrenzenden Gebirgsregionen erlaubt. Der Nationalpark Berchtesgaden habe wesentlich zum Erfolg des ALPARC-Netzwerkes beigetragen. »Denn wir haben seit 1980 ein geografisches Informationssystem. Damit haben wir alles dokumentiert«, sagt Michael Vogel.

Für die 13 Jahre als Präsident hat Michael Vogel kürzlich eine Auszeichnung erhalten – für seine Verdienste. »Zahlreiche Freundschaften sind entstanden«, sagt Vogel, der auch als Nationalpark-Chef im Juli aufhören wird. »Beratend zur Seite stehen, das will Vogel für das Netzwerk auch weiterhin. Aber jetzt möchte er erst einmal eine Stufe runterschalten. »Man wird ja nicht jünger.« Kilian Pfeiffer