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Internet-Handel bedroht Geschäfte

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Die Bücherei Kettl in Freilassing ist ein Beispiel dafür, dass auch ein eigener Online-Shop keine Garantie für das wirtschaftliche Überleben ist. (Foto: Hudelist)

Salzburg – Die aktuelle CIMA-Studie über die Kaufkraft des Bundeslandes Salzburg zeigt nicht nur eine alarmierende Entwicklung in Richtung Einkaufszentrum. »Die größte Konkurrenz ist mittlerweile nicht auf der grünen Wiese, sondern das Online-Shopping«, erklärt CIMA-Chef Roland Murauer. Auch die Sprecherin der Altstadtkaufleute geht davon aus, »dass ein Drittel der Verkaufsflächen dem Internethandel zum Opfer fallen werden, alles andere wäre Schönfärberei.« Auch im Berchtesgadener Land ist diese Entwicklung sichtbar, in Bad Reichenhall sind im gesamten Stadtgebiet rund 25 Geschäfte leer, in Freilassing gibt eine Buchhandlung auf.


Einkaufen jederzeit, ob am Computer zu Hause oder mit dem Smartphone unterwegs, Online-Einkaufen wird immer beliebter. Auch deshalb, weil Produkte oft kostenlos zurückgeschickt werden können. Allein in Salzburg kauften Konsumenten im untersuchten Zeitraum 2014 für rund 160 Millionen Euro online ein. Murauer schätzt, dass von diesen 160 Millionen rund 50 Prozent in Österreich bleiben.

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Studienautor Murauer glaubt, dass sich rund 25 Prozent des Fachhandels ins Internet verlagern werden. »Die verbliebenen Fachgeschäfte im Ortskern werden blaue Flecken abbekommen, aber nicht so stark betroffen sein wie Fachmarktzentren am Stadtrand«, prognostiziert er. Seiner Beobachtung nach würden selbst in Freilassing schon einige Fachgeschäfte gute Online-Shops anbieten.

Die Salzburger Altstadtkaufleute sind pessimistischer. Deren Sprecherin Inga Horny glaubt, dass am Ende ein Drittel der Verkaufsflächen verschwunden sein werden. »Wir kommen sicher nicht ungeschoren davon, austauschbare Ware wird aus den Innenstädten verschwinden«, ist Horny überzeugt. Die Altstadtkunden würden auch aus den bayerischen Nachbarlandkreisen kommen und hochwertige Waren kaufen, auch wenn die Umsätze insgesamt stagnieren würden. Schuld daran sei auch die Verkehrssituation in der Stadt Salzburg. »Die Bayern sind sehr verkehrssensibel und wollen mit dem Auto anreisen.« Den Grund sieht Horny darin, dass sich die Bahnverbindungen verschlechtert hätten. »Wenn Kunden von Berchtesgaden nach Salzburg umsteigen und ständig warten müssen, ist das eben nicht bequem«, so Horny.

Der meiste Umsatz, und zwar rund ein Drittel, wird im Internet mit Büchern gemacht. »Wer ein austauschbares Angebot hat, wird nicht überleben«, sagt Murauer. So sperrt in Freilassing zum Beispiel die Buchhandlung Kettl das Geschäft Mitte März zu. »Es gibt mehrere Gründe für die Aufgabe des Geschäftes, der Internethandel ist ein Grund«, so Wilhelm Schneider, der Besitzer der Buchhandlung. Dabei betreibt er neben dem Geschäft in der Hauptstraße auch einen eigenen Online-Shop, »aber der Marktführer ist in diesem Bereich zu dominant«. Michael Hudelist