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»Irgendwann ist eine Entscheidung nötig«

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An der Mittelschule Bischofswiesen geht der Schulalltag weiter, während in Berchtesgaden noch über den sinnvollsten Standort der künftigen gemeinsamen Mittelschule gestritten wird. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Der künftige Mittelschulstandort war am Montagabend Thema im Berchtesgadener Hauptausschuss. Ursprünglich sollte ein Beschlussvorschlag für die kommende Gemeinderatssitzung gefasst werden. Bürgermeister Franz Rasp beantragte jedoch zu Beginn der Sitzung, diesen Tagesordnungspunkt nur zur Information zu nutzen. Er wolle vor dem Beschlussvorschlag die derzeit in Umlauf befindlichen Unterschriftenlisten sehen. Die Mitglieder des Ausschusses stimmten dem zu.


»Eigentlich ist unsere Beschlussfassung nicht mehr relevant«, so Rasp in Bezug auf die in den anderen Gemeinderäten bereits getroffene Entscheidung für Bischofswiesen. »Aber sie ist so wichtig für unsere Gemeinde, dass ich es für nötig halte, dennoch darüber zu diskutieren.« Dass er ebenfalls für den Standort Bischofswiesen ist, machte Rasp bereits zu Beginn klar. »Wir müssen im Sinne des Mittelschulverbandes entscheiden und nicht im Sinne der Gemeinde.«

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Die Qualität, sowohl was das Raumangebot, als auch was den Unterricht betrifft, bewertete Rasp an beiden Orten gleich. Was die Schülerbeförderung angeht, so müssten nach momentanem Stand beim Standort Berchtesgaden zusätzlich 60 Schüler mit dem Bus fahren, die bisher zu Fuß oder mit dem Rad in die Schule kommen. Beim Standort Bischofswiesen wären 40 Schüler aus Berchtesgaden auf einen Bus angewiesen. Den Vorschlag von Sebastian Rasp (CSU), zusätzlich den Rufbus in die Beförderung einzubinden, hielt Franz Rasp nicht für sinnvoll. Er könne sich aber vorstellen, für den Schülertransport nach Bischofswiesen zusätzlich kleine Busse auf der Aschauerweiherstraße einzusetzen. »Für Berchtesgaden sind die Kosten verkraftbar und als Einzelner wäre die Wahl einfach«, fasste Rasp zusammen. »Aber wir müssen zum Wohle aller Gemeinden im südlichen Landkreis entscheiden.«

Im Ausschuss sahen das jedoch nicht alle so. Besonders Michael Koller (FW) hatte einige Einwände. Die Diskussion mit Teilnahme des Schulrats und des Bischofswieser Bürgermeisters Thomas Weber, wie Franz Rasp sie für die kommende Gemeinderatssitzung ankündigte, hätte er sich vor der Entscheidung der anderen Gemeinden gewünscht. »Ich finde es nicht gut, das die anderen Gemeinden entscheiden, ohne eine gemeinsame Debatte zu führen. Ich fühle mich als Berchtesgadener Gemeinderat nicht ernst genommen.«

Koller plädierte in der Hauptausschusssitzung für einen Standort Berchtesgaden. Hier könne man seiner Ansicht nach die Zusammenlegung der beiden Schulen sofort verwirklichen, anstatt wie in Bischofswiesen noch fünf Jahre zu warten. In Berchtesgaden gäbe es für alle Schüler genügend Platz. Koller möchte daher im Gemeinderat eine Debatte darüber führen, ob Berchtesgaden ein Angebot an die anderen Gemeinden abgeben sollte: »Ich denke, wir könnten mehr Geld in die Hand nehmen und eine Mittelschule in Berchtesgaden für die anderen Gemeinden kostenneutral halten.« Die anderen Gemeinden sollten dann noch einmal über den Standort abstimmen.

Ein Vorschlag, von dem Bürgermeister Rasp nichts hören wollte: »So etwas ärgert mich maßlos. Ich halte es für fatal, wenn das Zentrum großkotzig auf die anderen herabblickt und sagt: ›Hier habt ihr 100 000 Euro, jetzt entscheidet euch anders.‹ Ich halte nichts davon, das Projekt in Bischofswiesen an die Wand zu fahren. Mit unserer Entscheidung können wir einen gemeinsamen Schritt in die Zukunft und aufeinander zu machen.« Ein einhäusiger Betrieb, wie er für Koller in Berchtesgaden schon jetzt möglich wäre, mache laut Rasp außerdem nur Sinn, nachdem das Gebäude saniert ist, und nicht vorher.

Die Kritik Michael Kollers am Ablauf der Debatte und der Informationspolitik wollte Franz Rasp nicht gelten lassen. Es habe vorab die Möglichkeit gegeben, beide Schulen zu besuchen und mit den Rektoren zu reden. Die Gemeinde habe Informationen in guter Qualität vorbereitet und über die weiteren Abläufe informiert. Nun werde in den Gemeinden vorberaten, ehe der Mittelschulverband entsprechend abstimmt. »Irgendwann ist eine Entscheidung nötig.«

Zu einem Konsens kamen die Anwesenden im Hauptausschuss am Montagabend nicht. Die Diskussion wird in der kommenden Gemeinderatssitzung weitergeführt werden. Alexandra Rothenbuchner