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Ist ein Berchtesgadener Geschäftsmann schuld?

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Laufen – Fuhr die 51-jährige Kriminalbeamtin mit ihrem Rad nun ganz langsam, wie sie behauptete, oder »sehr schnell«, wie der Angeklagte und eine Zeugin versicherten? Klar ist, die Mountainbikerin kam nach einer Handbewegung des Mannes zu Sturz und verletzte sich schmerzhaft. Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Nötigung stand der 62-jährige Berchtesgadener Geschäftsmann nun vor dem Laufener Strafrichter. Der stellte das Verfahren schließlich gegen eine Entschädigung von 300 Euro ein.


Eigentlich hätte die Beamtin aus Bischofswiesen mit ihrem Rad gar nicht auf dem Forstweg in Engedey entlang der Ache fahren dürfen. Sie tat es an diesem heißen 7. Juli 2015 trotzdem. 1 400 Höhenmeter und 70 Kilometer sei sie an diesem Dienstag unterwegs gewesen, berichtete die Frau im Gerichtssaal, auf der Rückfahrt von Stanggaß in Richtung Berchtesgaden habe sie dann den Fußweg gewählt, um die Tour »langsam und locker ausklingen« zu lassen.

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Dort unterwegs waren auch der 62-jährige Geschäftsmann und seine 60-jährige Bekannte mit ihren zwei Hunden. »Die Radfahrerin kam schnell auf uns zu«, schilderte der Angeklagte, mit einer Handbewegung nach unten habe er ihr andeuten wollen, doch langsamer zu fahren. Mit »oba vom Gas«, bestätigte die 60-Jährige aus Bischofswiesen dessen Angaben. »Ohne Rücksicht ist die auf uns zu«, erinnerte sich die Zeugin, und sei erst »im letzten Moment voll in die Eisen gestiegen«.

Sie habe wegen der Hunde links vorbei fahren wollen, berichtete die Radlerin, Platz wäre dort genug gewesen. Erst eine kurze schnelle Handbewegung des Angeklagten im Sinne von »Stopp« habe sie zu dem Ausweichmanöver veranlasst. Was an sich noch kein Problem gewesen wäre, wäre sie nicht mit dem Vorderrad an einem »Strunk«, einem auf Stock zurückgeschnittenem Gehölz, hängen geblieben. »Ein Purzelbaum wäre möglich gewesen«, versicherte die Frau, so aber sei es zu einem »großen Salto vorwärts« gekommen. Und zu einem schmerzhaften Aufprall mit dem Rücken auf einem anderen Wurzelstock.

»Als wir helfen wollten, bekam sie einen hysterischen Anfall«, erzählte die 60-Jährige, »die hat nur noch geplärrt.« Worauf man die Polizei verständigt habe. Acht Wochen habe sie massive Schmerzen gehabt, sagte die Radfahrerin, drei Monate habe sie die Prellungen und Abschürfungen an Rücken, Becken und Lippen noch gespürt. Ein ärztliches Attest bestätigte die Verletzungen. Schadensersatz oder Schmerzensgeld habe sie von dem Angeklagten allerdings nicht gefordert.

»Für eine Nötigung braucht es eine Absicht«, wollte Richter Dr. Karl Bösenecker eine »vorläufige Wertung« abgeben. Eine fahrlässige Körperverletzung schien ihm allerdings schon gegeben. Weil der Berchtesgadener Geschäftsmann bislang unbescholten ist, stellte Bösenecker die Frage, ob man dieses Verfahren nicht anders »erledigen« könne.

»Eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 750 Euro hatte die Staatsanwaltschaft angeboten«, erinnerte Verteidiger Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer, »das war zu viel. Und es war noch die Nötigung dabei.« 250 Euro an die gestürzte Radfahrerin und 250 Euro an die Staatskasse, machte der Richter einen anderen Vorschlag. »Nur die 250 Euro an die Geschädigte«, schlug Schwarzer seinerseits vor. »Machen wir 300 Euro an die Geschädigte und sonst nichts«, bot Staatsanwältin Christina Kühnhauser schließlich als Kompromiss an. Damit waren alle Beteiligten einverstanden. Der Forstweg an der Ramsauer Ache ist übrigens seit rund vier Wochen offiziell für Radfahrer freigegeben. höf