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Ja, mia san mim Radl-Taxi do

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Freut sich auf seine Radl-Taxi-Touren: Engelbert Aigner. (Foto: Tessnow)

Schönau am Königssee – Es gibt einen neuen Hingucker am Königssee. Wem dort künftig eine Rikscha entgegen kommt, ist es wahrscheinlich Engelbert Aigner auf seinem Radl-Taxi. Denn Gäste können sich ab sofort durch die nahe Umgebung kutschieren lassen. Da nahm der »Berchtesgadener Anzeiger« doch gern Platz und genehmigte sich eine Testfahrt.


»Schau, wie schön wir es doch hier haben«, ruft Engelbert Aigner gegen den Fahrtwind und tritt noch mal kräftig in die Pedale. Als es die Graf-Arco-Straße hinauf zur Untersteiner Straße geht, sagt er: »A bisserl fit muaßt scho sei. Das spart dann das Fitnessstudio und stramme Wadln kriagst a.« Auf der Höhe des Schornbads fügt der 32-Jährige hinzu: »Wir haben absolute Ortskenntnis, können unsere Heimat präsentieren und fahren natürlich in Lederhose.« Wissen verbunden mit dem persönlichem Charme eines Einheimischen soll den Leuten die Region näher bringen. »Wir verkörpern die neue Marke Bergerlebnis. Ganz wichtig ist uns die Freude im Umgang mit den Fahrgästen.« Und genau die versprüht Aigner bei der Probefahrt.

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Von Neuseeland ins Berchtesgadener Land

Wie kommt man auf die Idee, ein Radl-Taxi am Königssee zu betreiben? Ganz einfach. Engelbert Aigner war zehn Monate in Neuseeland. In der Millionenmetropole Auckland hat er so ein Vehikel ausprobiert und dachte: »Mei, des kennt ma bei uns a anbieten.« Wieder zurück im Talkessel hat er dann mit Hannes Rasp, dem Bürgermeister von Schönau am Königssee gesprochen. Der wiederum gab grünes Licht.

Jetzt mussten nur noch die »Rikschas« her. Im Internet wurde Aigner schnell fündig. Zusammen mit seinem Bruder Simon stellte er das Unternehmen auf die Beine. Erst vor Kurzem ist die Homepage freigeschaltet worden. Und auch auf Facebook gibt es ab sofort aktuelle Informationen und Impressionen einzusehen.

Testtag für die ersten »Radl-Taxi«-Fahrten war der 1. Mai. Die Resonanz war bestens. Ist die Saison dann in vollem Gang, soll ein weiterer Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Die Touren erstrecken sich von der Seelände zur Jennerbahn und zum Königsseer Fußweg. Je nach Witterung steht das Angebot von April bis Oktober zur Verfügung. Und wenn es mal regnet, ist es auch kein Problem, denn dann wird das schützende Verdeck über die Fahrgäste ausgefahren.

»Wer spontan chauffiert werden will, wird uns schon irgendwo am Königssee antreffen. Uns kann man aber auch buchen.«, erklärt Aigner. Abgerechnet wird übrigens nach Zeit. Das Dreirad-Chassie ist aus schwarzem Metall und kann locker zwei Erwachsene auf einer gepolsterten Bank chauffieren. Außerdem ist es umweltfreundlich. Ein Elektromotor unterstützt die Pedaltätigkeit. Sieben Gänge, Sicherheitsgurt, Blinker, Hupe, alles dran. Rechtlich gilt die Rikscha als Fahrrad. Reisende erhalten vor der Tour ein paar Unterweisungen. Ein Personenbeförderungsschein ist hier nicht erforderlich, aber eine Betriebshaftpflichtversicherung hat Aigner schon abgeschlossen.

Ein Bayer, wie er im Buche steht

Aufgewachsen ist Engelbert Aigner im Bichllehen in Winkl. Hauptberuflich ist er Lederhosenmacher und arbeitet im väterlichen Betrieb am Triembacher Eck in Berchtesgaden. Auch Musi macht er, wie der Vater. Bei der »Mooswiesner Tanzlmusi« spielt er die Ziach. Wenn man mit ihm auf dem Radl-Taxi losdüst, wird er von vielen Passanten gegrüßt. Man kennt ihn. Wanderer werden wohl künftig öfter stehen bleiben und schauen. Apropos schauen: »So, jetzt schaun mir moi, wie die erste Saison so läuft«, sagt Aigner. Obwohl man ihm das nicht ganz abnimmt. Denn er versprüht so viel Optimismus, dass keiner an seinem Vorhaben zweifeln kann.

Sogar das Bayerische Fernsehen porträtierte in der Sendereihe »24h Bayern – drei Leben« Engelbert Aigner. Die Sendung wird am 28. Mai ausgestrahlt. Jörg Tessnow

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