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Jauchetod am Kainbach

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Wer hat die Jauche in die Aufzuchtanlage geleitet? Diese Frage stellen sich Gewässerwart Rainer Stähler und die anderen Mitglieder des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die Mitglieder des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee sind besorgt. Bereits mehrmals ist Jauche in die Fischaufzuchtanlage am Kainbach eingeleitet worden. Tausende Fische sind verendet (wie berichtet). Jetzt hat der Verein Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Auf dem Schaden bleiben sie in jedem Fall sitzen, wie der Gewässerbeauftragte des Vereins, Rainer Stähler, weiß.


In der Fischzuchtanlage am Kainbach gab es in den vergangenen Jahren mehrfach ein Fischsterben. Erst kürzlich wieder.

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Rainer Stähler: Bei den Fischen handelt es sich im Wesentlichen um 60 000 einsömmrige und 6 000 zweisömmrige Seesaiblinge. Ebenso sind einige Hundert Bachforellen verendet. Damit haben wir in der Fischzuchtanlage den Totalausfall von zwei ganzen Jahrgängen an Seesaiblingen zu beklagen.

Lässt sich der Schadenswert beziffern?

Stähler: Die Schadenshöhe wurde im aktuellen Fall bei rund 3 000 Euro angesetzt. Diese Summe ist relativ niedrig. Sie spiegelt nicht den hohen ehrenamtlichen Zeitaufwand wider.

Ist der Fischereiverein versichert? Wer zahlt das alles?

Stähler: Der Fischereiverein ist nicht gegen solche Schäden versichert und bleibt somit auf den ganzen Kosten sitzen.

Das Wasser wurde durch den Tiergesundheitsdienst untersucht. Dieser stellte eine sehr hohe Keimbelastung fest. Anscheinend haben Unbekannte Jauche eingeleitet. Können Sie sich erklären, wie das passiert ist?

Stähler: Da wir bisher noch keine Stelle gefunden haben, an der der Schadstoff in das Wasser eingeleitet wurde, könnten wir nur Vermutungen anstellen. Dies tun wir aber nicht.

Bei Ihnen und den anderen Mitgliedern des Fischereivereins liegen die Nerven blank Am Montag ist erneut eine Schaumbildung im Wasser festzustellen gewesen. Haben Sie im Ansatz eine Ahnung, woher die Wasserverschmutzung stammt?

Stähler: Diese Schaumbildung wurde nur im strömungsberuhigten Bereich des Zulaufbeckens sichtbar. Wegen der geringen Größe und fehlender Schaumbildung im Kainbach können wir aber aktuell keine Ursachenermittlungen durchführen. Eine Suche hat derzeit wohl auch keinen Erfolg. Wir beobachten das alles weiter und werden bei größerer Schaumbildung mit eigenen Suchtrupps nach einer Einleitungsstelle suchen.

Wieso gab es kein Fischsterben in der Berchtesgadener Ache, sondern nur in der Fischaufzuchtanlage?

Stähler: Das liegt daran, dass es sich bei der Fischaufzuchtanlage um ein geschlossenes System handelt. Tote Fische werden im Gegensatz zum Fließgewässer nicht abgetrieben, sondern bleiben im Becken. Das Problem ist, dass in der Regel immer die jungen Fische zuerst betroffen sind.

Gibt es die Möglichkeit, das Wasser zu reinigen, bevor es in die Fischaufzuchtanlage kommt?

Stähler: Sicher gibt es teure Verfahren, die das Wasser reinigen könnten. Aufgrund unserer Entnahmemenge für die Fischaufzuchtanlage von 60 Litern je Sekunde wird das alles aber schnell unrentabel und aufwendig. Eine Alternative wäre, die Saiblingszucht aus der eigenen, mit viel ehrenamtlichem Aufwand gebauten Fischaufzuchtanlage auszulagern, Teiche mit sauberem Zulaufwasser zu suchen und dann anzumieten. Dies bedeutet jedoch einen ungleich höheren finanziellen und ehrenamtlichen Einsatz. Der Vorstand hat in dieser Sache noch keine Entscheidung getroffen. Es wäre bedauerlich, wenn wir trotz eigener Anlage auf eine Alternative zurückgreifen müssten. Aus meiner Sicht wäre das eine Bankrotterklärung.

Wie geht es jetzt weiter?

Stähler: Neben der Suche nach einem Schuldigen, ist es vor allem wichtig, an die Verursacher zu appellieren. Bauern und Fischer leben in der Natur und von der Natur. Leider reicht ein Fehlverhalten aus, um so tiefgreifende Schäden zu hinterlassen. Hier ist die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen gefragt. Was uns beunruhigt, ist der Umstand, dass bereits geringe Mengen Jauche große Auswirkungen auf Fische wie den Seesaibling haben. Durch eine länger andauernde Einleitung, auch geringer Mengen Jauche wird das Immunsystem der Fische geschwächt und sie sind damit anfällig für Parasiten, Viren und Bakterien. Beim gesunden Fisch mit intaktem Immunsystem sind ausreichend Widerstandskräfte vorhanden. Kilian Pfeiffer