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Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Jugendhilfeausschuss empfiehlt Kreistag Zustimmung zum Haushalt Jugendhilfe 2023

Berchtesgadener Land – In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses stimmte der Ausschuss geschlossen in nur etwa einer Stunde dem Haushalt Jugendhilfe 2023 sowie den Anträgen (Anm. d. Red.: separate Artikel) auf Zuschuss, Mittelfreimachung und Förderung des Kreisjugendringes, der Jugendarbeit und der Jugendkultureinrichtung »Doyobe«, die kürzlich den ersten Jugendkongress des Landkreises veranstaltet hatte, zu. Der beratende Ausschuss empfiehlt dem Kreistag Mittel für die Jugend frei zu machen.


Zunächst beschäftigte er sich mit dem Haushalt 2023. Kreiskämmerin Nicole Fegg trug die Ansätze für 2023 vor. Die Kämmerei rechnet mit Erträgen in Höhe von 3,1 Millionen und mit Aufwendungen in Höhe von 17,7 Millionen Euro.

Als sie die einzelnen Bereiche, für die im Haushalt Mittel eingeplant sind, vorstellte, fügte sie fast bei allen Posten an: »Der Ansatz erhöht sich um so und so viel Euro im Vergleich zum Vorjahr.« Das spiegelt sich im Gesamtergebnis von 14,6 Millionen Euro wider. Es steigt um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Kämmerei des Landkreises arbeitet seit 2020 mit dem doppelten Buchführungssystem »Doppik«. Das heißt, sie unterteilt die einzelnen Aufwendungen in verschiedene Produktgruppen, denen Leistungen zugeordnet sind, die wiederum an Zwecke gebunden sind. Liest sich kompliziert, ist es vermutlich auch. Im Kern geht es darum, den Haushalt produktorientiert und ressourcengerecht zu steuern. Der Kreistag bestimmt neben Schlüsselbereichen auch -produkte, die finanziell und/oder kommunalpolitisch besonders bedeutend sind. Ein vom Kreistag festgelegtes Schlüsselprodukt ist die »Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche«.

Dieses Schlüsselprodukt war Hauptthema. Dafür sind 2023 3.151.600 Euro (3,2 Millionen Euro Aufwendungen, 67.500 Euro Erträge) eingeplant, 223.600 Euro mehr als im Vorjahr, der Anteil am Gesamtergebnis soll 2023 21,6 Prozent betragen, 0,1 Prozent mehr als 2023. Mathias Kurz vom Amt für Kinder, Jugend und Familien erläuterte warum. Er weiß, dass sich nach Corona-Einschränkungen die Entwicklung vieler Kinder um sechs Monate verzögert hat. ADS/ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Autismus sind seelische Störungen. Sie können dazu führen, dass ein Kind entwicklungsverzögert ist, sich in Schule, Familie oder in Gemeinschaft mit Freunden auffällig verhält. Dem Jugendamt ist wichtig, zu verhindern, dass sich bei den Kindern und Jugendlichen eine drohende seelische Behinderung manifestiert und dass junge Menschen an der Gemeinschaft nicht richtig teilhaben können.

Angeboten werden deshalb ambulante Beratung, Betreuung, Therapie, teilstationäre Maßnahmen in Tageseinrichtungen und Tagesgruppen, Betreuung durch Pfleger, eventuell in einer Einrichtung. Die Maßnahmen belasten den Haushalt der Jugendhilfe geringfügig mehr als im Vorjahr. Dennoch sind die Maßnahmen kostenintensiv. Circa 40 000 Euro kostete eine Schulbegleitung, führte Mathias Kunz ein Beispiel an. »Wir sind froh um jeden Fall, den wir nicht haben«, schob er nach. Daher organisiere das Jugendamt auch etliche präventive Maßnahmen.

Der Jugendamtsleiter unterrichtete zudem, dass 2023 Verträge mit Kooperationspartnern ausliefen, weshalb der Landkreis mit leichten Kostenabweichungen rechnen müsse. »Der Anteil des Schlüsselproduktes am Gesamthaushalt steigt stetig«, stellt Mathias Kurz stets fest. Daraufhin Landrat Bernhard Kern: »Die Entwicklungen sind nicht ganz einfach. Die Kosten sind leicht nach oben gegangen.« Und die würden weiter steigen, fügte er an.

Ausschussmitglied Andreas Nutz (CSU) ärgerte sich, dass Land und Bund Landkreise und Kommunen mit dem steigenden Jugendhilfe-Haushalt alleine ließen. Die Haushalte von Landkreis und Kommunen stießen an ihre Grenzen. Sie seien enorm gefordert. »Ja, wir stehen vor großen Herausforderungen – auch in Zukunft«, stimmte Bernhard Kern zu. »Aber das ist gut angelegtes Geld.«

li