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Kalbsglück statt Kalbsbraten?

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Bei der Bischofswieser Familie konnte das Kalb gut aufwachsen. Tierschützer hatten mehrfach versucht, das Tier »freizukaufen«. (Foto: Archiv Pfeiffer)

Bischofswiesen – Auch Monate nach dem schweren Missbrauch eines Kälbchens in Bischofswiesen (wie berichtet) lässt eine Gruppe von Tierschützern nicht locker und hat kürzlich eine Online-Petition gestartet – mit bislang über 10 000 Unterzeichnern. Mit teils übertriebener Penetranz versuchen sie, die Besitzer des Kälbchens dazu zu bringen, dieses zu verkaufen.


Der Tierrechtsverein »Rüsselheim«, der nach Aussage auf dessen Internet-Auftritt, ehemalige Nutztiere »aus der Anonymität holen« möchte, hatte sich in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet, nachdem bekannt geworden war, dass ein sechs Monate altes Kalb in Bischofswiesen, an entlegener Stelle auf dem Rücken liegend und zwischen zwei Bäume geklemmt, von einem Unbekannten mit einem Ast schwer missbraucht worden war. Nicht nur bei der Presse, sondern auch bei der Familie des Kälbchens meldete sich der Verein mehrfach.

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Immer wieder klingelte das Telefon, mehrere Rüsselheim-Vertreter hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das Kalb zu sich zu holen, weg aus Bischofswiesen. Dafür wurden große Geschütze aufgefahren, online wurde in mehreren Netzwerken dafür geworben: So stellte der Verein Rüsselheim klar, der Landwirtsfamilie ein »sehr gutes Angebot« zu unterbreiten. »Das kleine Kuhmädchen kann freigekauft werden und ein glückliches Leben mit ihren anderen Kühen auf einem Lebenshof verbringen. Sie müsste keine Angst mehr haben, könnte das Durchlebte und den Ort ihres Missbrauchs hinter sich lassen und würde mit liebevollen Menschen, die sich um ihr Wohlergehen kümmern, in einer Kuhherde bei frischer Luft, Sonnenschein, Regen und in einem artgerechten Stall gemeinsam alt werden.«

In blumigen Worten warb der Verein dafür, das Kalb anzukaufen. »Bitte helfen Sie, die Landwirtsfamilie mit Ihrer Unterschrift zu erreichen, dass diese auf das Angebot unseres Vereins eingeht und es ein Happy End für alle sein wird. Es wird keinen Verlierer geben.« Die Bischofswieser Landwirte sollten die »Geldsumme einer ausgewachsenen Kuh« erhalten. »Menschlichkeit wäre wieder hergestellt«, hieß es vonseiten des Vereins. Auf »Anzeiger«-Anfrage bei Rüsselheim waren die Argumente aber dürftig. Man wolle nur das Beste für die Kuh, so eine Vereinsvertreterin. Indirekt wurde unterstellt, dass es dem Kalb bei der Bischofswieser Familie nicht gut gehe. »Das bedeutet, dass das Kalb nach all dem Trauma nun auch noch grausam geschlachtet werden wird, wenn es ausgewachsen ist«, schreibt eine Vereinsvertreterin online. Denn die Bischofswieser Landwirtsfamilie hatte sich dazu entschieden, das mittlerweile zehn Monate alte Tier zu behalten und groß zu ziehen. Dem Tier fehlt es auf dem modernen Hof an nichts. Ein Umstand, der den Tierschützern, die das Kalb auf einem Gnadenhof sehen wollten, nicht ins Konzept passte.

Also initialisierten diese eine Online-Petition, die nun über 10 300 Unterzeichner hat und mehrere Tausend Mal in sozialen Netzwerken geteilt worden war. Unterstützer gibt es also viele, aber ebenso zahlreich vertreten sind diejenigen, die den Vorwurf, das Kalb würde »grausam geschlachtet«, als »unverschämte Unterstellung« bezeichnen. »Nutztiere werden halt mal gezüchtet, um sie dann zu schlachten«, schreibt etwa einer. Wenn die Landwirtsfamilie nicht verkaufen wolle, müsse man den Umstand respektieren, schreibt ein anderer. Und ein Dritter sagt: »Wenn der Bauer sagt, dass er das Kalb nicht hergibt, dann akzeptiert es doch einfach. Aber das könnt ihr ja nicht. Ihr probiert es immer und immer wieder.«

Aber wieso diese Penetranz? »Uns geht es nur um das Kalb«, heißt es auf »Anzeiger«-Anfrage beim Verein Rüsselheim. Ein Nein des Bauers wolle man nicht akzeptieren. »Dem Tier muss es besser gehen als in der Umgebung, in der es missbraucht wurde«, so das Argument der Tierschützer. Denn immerhin bedeute das Schicksal für das Tier, dass dieses »als Milchkuh unbrauchbar geworden ist und sie bei entsprechendem Gewicht geschlachtet werden wird. Dieses Schicksal wollen wir dem kleinen Kuhmädchen ersparen«, so die offizielle Kundgabe der Tierschützer. Der Bauernfamilie gehe es nicht um das Geld, das habe man bereits begriffen. »Es geht um Macht«, so lautet einer der Tierschützer-Kommentare.

Im Internet indes schlagen die Wogen hoch, die Diskussionen bewegen sich teils unter der Gürtellinie. Es wird beleidigt, verallgemeinert, diskreditiert. Die Meinungen darüber, was mit dem Kalb geschehen soll, sind gespalten. Doch eines ist klar: Ohne Einwilligung der Landwirts-Familie wird das Tier auch weiterhin in Bischofswiesen aufwachsen. Kilian Pfeiffer