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Kampf um den Wahlbaum

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Das Schicksal des Wahlbaums ist ungewiss. Das Wahrzeichen in der Oberschönau muss vielleicht einer neuen Kreuzung weichen. Doch in der Bevölkerung regt sich Widerstand. (Foto: Alexandra Asen)

Schönau am Königssee – Die mögliche Beseitigung des Wahlbaums schlägt aktuell hohe Wellen. Besonders in der Oberschönau wollen viele nicht hinnehmen, dass die prächtige, circa 25 Jahre alte Linde einer neuen Kreuzung weichen soll.


Über eine Online-Petition hat man bereits rund 550 Unterschriften gesammelt. Außerdem liegen an verschiedenen Anlaufstellen Unterschriftslisten aus, in die sich ebenfalls schon rund 300 Personen eingetragen haben.

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Seit Jahrhunderten ist der Wahlbaum eine bekannte Ortsbezeichnung in der Oberschönau. Bis vor rund 25 Jahren stand an der Kreuzung zwischen Oberschönauer Straße, Storchenstraße und Wahlstraße der frühere, Hunderte Jahre alte, sehr mächtige Wahlbaum. Lange Zeit hat man versucht, das langsam bröckelnde Wahrzeichen mit Betonfüllungen zu erhalten. Doch es war schließlich nichts mehr zu machen, der Baum musste aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Die wenig später inmitten der Verkehrsinsel gepflanzte Linde hat sich nun prächtig entwickelt, die Krone könnte schöner nicht sein. Und so wollen es Teile der Bevölkerung nicht hinnehmen, dass nun auch der neue Wahlbaum verschwinden soll. Das Amt für Straßenbau plant nämlich den Ausbau der Oberschönauer Straße zwischen Wahlbaumkreuzung und Fischmichlkreuzung. Dazu gehört auch die Neugestaltung der beiden Kreuzungen, die Verkehrsinseln sollen verschwinden.

Die ursprünglich geplante Anlegung eines Kreisverkehrs beim Wahlbaum kann nicht realisiert werden, weil der dafür notwendige Grund nicht zu erwerben war. Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Schönau am Königssee (wir berichteten) hatte Bürgermeister Hannes Rasp deshalb prognostiziert, dass der Baum vermutlich entfernt werden müsse. Für Luca Guscelli von den Grünen war das Grund genug, Einspruch zu erheben. Seit einigen Tagen rumort es auch in der Bevölkerung. Hans Lackner und Simone Nixdorf, beide Oberschönauer, sammeln mit einigen Freunden aktuell Unterschriften für den Wahlbaum-Erhalt. Hans Lackner hat mit seiner Facebook-Gruppe »Mia hannan in Bercht'sgon dahoam« über die Plattform avaaz.org eine Online-Petition ins Leben gerufen. Bis gestern Mittag konnten bereits rund 550 Unterschriften gesammelt werden. Und Simone Nixdorf legte in ihrer »sportique roberto« sowie an weiteren Anlaufstellen Unterschriftslisten aus. »Meine Nachbarn und ich, wir sind uns einig: Wir können nicht verstehen, warum der Wahlbaum entfernt werden soll«, sagt Simone Nixdorf. Sie hofft sehr, »dass sich das mit gesundem Menschenverstand regeln lässt«. Die Schönauerin schätzt, dass bis Dienstagmittag rund 300 Unterschriften auf den Listen zusammengekommen sind. Die will sie, wie auch Hans Lackner, in Kürze bei Bürgermeister Hannes Rasp abgeben. Lackner denkt sogar an die Einleitung eines Bürgerbegehrens, falls die Fällung des Wahlbaums weiterhin ein Thema sein sollte. »Ich war entsetzt, als ich davon hörte«, sagt Lackner. »Der Wahlbaum ist für uns Oberschönauer das Wahrzeichen schlechthin, man sieht ihn von allen Gipfeln.« Der Baum habe landschaftsprägenden Charakter und es gebe keinen offensichtlichen Grund, warum er weg soll.

Auch auf Facebook hagelt es Kritik. Einer schreibt: »Zu viel Geld im Säckel, dass es unbedingt verbraten werden muss? Profilneurose einer Beamtenschar? Gefährdung des Straßenverkehrs durch wilden Baum? Versteh i ned.« Ein anderer teilt mit: »Hat der Landkreis nichts Besseres zu tun, als so einen Irrsinn überhaupt zu überlegen?« Und eine Facebook-Nutzerin meint: »Naja, diese Kreuzung ist wirklich geschissen. Um den Baum finde ich es auch mehr als schad, ein Kreisverkehr wäre da sicher eine schöne Lösung.«

Bürgermeister Hannes Rasp nimmt die Kritik nach eigenen Worten »sehr ernst«. Rasp betont aber, dass ihm bislang lediglich eine unabgestimmte Planung vorliege. Der Rathauschef geht davon aus, dass noch verschiedene Varian-ten vorgelegt werden, »wie der Wahlbaum sinnvoll eingebunden werden könnte«. Rasp: »Wenn es irgendwie geht, dann sollte der Wahlbaum stehen bleiben. Mit oder ohne Unterschriftenaktion.«

Wichtig ist dem Bürgermeister vor allem, dass so viel Grund übrig bleibt, dass auf der Grünsteinseite der Kreuzung ein Bushaltehäuschen für die Schulkinder angelegt werden kann. Womöglich könnte die Kreuzung seiner Meinung nach auch etwas verlegt werden. »Ein Nachbar hat uns dafür schon etwas Grund angeboten. Wenn wir noch von einem Zweiten etwas bekommen, dann wäre eine Verlegung möglich.« Dann könnte der Wahlbaum bleiben, wo er ist. Auch eine Versetzung des Baumes oder eine Neupflanzung sieht Rasp als mögliche Lösungen an. Zunächst brauche man aber die Planungsvarianten des Amtes für Straßenbau. Ulli Kastner