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Angestoßen wurde mit Sekt: Das nächste Jahr soll für die Berchtesgadener Faschingsgilde (in schickem Rot gekleidet) besser werden (v.l.): Susanne Friebel, Manfred Borho, Elisabeth Loder, Werner Pilz, Brigitte Pilz (kniend) – mit den »Berchtesgadener Anzeiger«-Redakteuren Christian Fischer (r.) und Kilian Pfeiffer. (Foto: Irlinger)

Berchtesgaden – Der Hofball? Abgesagt. Die Präsidentin? Abgetreten. Und ein offizielles Prinzenpaar? Gibt es bei der Berchtesgadener Faschingsgilde in diesem Jahr erst gar nicht. Trotzdem soll alles besser werden, wie Vizepräsident Werner Pilz beim alljährlichen Besuch in den Redaktionsräumen des »Berchtesgadener Anzeiger« ankündigte.


»Berchtesgaden ist einfach keine Faschingshochburg.« In der Tat. Seit Jahren schwinden die Mitgliederzahlen der Berchtesgadener Faschingsgilde. Aktuell gibt es 75 zahlende Mitglieder. Allein im letzten Jahr sind zehn Narren aus dem Verein ausgeschieden.

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Kein Präsident in Sicht

Die Ausgangslage ist also schwierig, zumal Karin Schröer, die lange Zeit die Faschingsgilde regelrecht verkörperte, ihr Präsidentenamt zur Verfügung gestellt hat. Die Folgen sind spürbar. Einen neuen Präsidenten hat man in den eigenen Reihen noch nicht gefunden. Denn bekanntermaßen ist daran viel Arbeit geknüpft. Zahlreiche Besuche bei befreundeten Faschingsvereinen müssen in jeder Saison durchgeführt werden, hinzu kommt viel Organisatorisches. Allein der Hofball, der bislang jedes Jahr im Januar im großen Saal des Kongresshauses stattfand, erfordert eine ausgereifte Konzeption, um erfolgreich über die Bühne zu gehen: Fünf Stunden Programm und etliche geladene Vereine, die in zahlreichen Showeinlagen für gute Stimmung sorgen, müssen erst einmal koordiniert werden. Die Saalmiete für das Kongresshaus war in den letzten Jahren kaum mehr zu stemmen gewesen, da die zahlenden Gäste immer weiter ausblieben.

2015 gab es das erste Mal also keinen Hofball. Die Faschingsgilde begründet das so: »Durch die kurze Saison sind die Termine dicht gedrängt und es besteht die große Gefahr, dass viele Vereine aus Termingründen nicht kommen können. Das finanzielle Risiko ist einfach zu groß.«

In der Faschingsgilde entschied man sich also für eine abgespeckte Hofball-Variante: einen närrischen Nachmittag im Rathaus von Schönau am Königssee.

Nachwuchssorgen

»Wir brauchen unbedingt Nachwuchs«, sagt der Vizepräsident. Dieses Problem wird deutlich, wenn es um die Suche nach einem Prinzenpaar geht. Jedes Jahr gibt es ein neues. Nur dieses Jahr gibt es keine Königlichen Hoheiten. Es hat sich niemand bereit erklärt. Also musste ein einstiges Prinzenpaar einspringen, um die wichtigsten Termine wahrnehmen zu können: Christian Kugler und Gabriele Gsenger, die im Vorstand der Faschingsgilde eigentlich als Beiräte agieren.

Einen Gildenorden – übrigens das kleinste Problem des Vereins – gibt es dieses Jahr auch nicht. Vielmehr eine Anstecknadel, die die Gildenmitglieder während des Redaktionsbesuches überreichten.

»Wir machen mutig weiter«, sagt Werner Pilz. Selbst kommt er aus Salzburg, ist aber mit Ehefrau Brigitte der Faschingsgilde seit Jahrzehnten verbunden. Auch Salzburg sei keine Faschingshochburg, umso mehr freut es die Vereinsmitglieder, dass sich Werner Pilz bereit erklärt hat, zumindest die Vizepräsidentschaft anzutreten.

Im nächsten Jahr soll unter ihm – außer es findet sich bis dahin jemand anderes – alles besser werden: »Mit vielen kleinen Ideen wollen wir die Gilde wieder auf Vordermann bringen und unsere Kasse wieder füllen, damit wir in der nächsten Saison wieder richtig durchstarten können – mit Prinzenpaar, Hofball und allem, was dazugehört.« Kilian Pfeiffer