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Kassensturz für Kongresshaus-Umbau

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Im künftigen Kongresshaus soll es einen neuen Verbindungsgang zwischen vorderem und hinterem Gebäudeteil geben. Der bisherige Verbindungsbau kann dann anderweitig genutzt werden. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden - Wer seriös investieren will, der muss erst einmal wissen, wie hoch die Ausgaben sein werden. Und dann sollte er die eigene Finanzkraft sehr gut kennen. Beides ist beim Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee im Vorfeld des Kongresshaus-Umbaues noch nicht der Fall. Und weil noch so manche Frage zu klären ist und auch der Förderbescheid der Regierung von Oberbayern für das 6-Millionen-Euro-Projekt noch nicht vorliegt, wird sich der für dieses Frühjahr geplante Baubeginn auch auf unbestimmte Zeit verzögern.


Im April sollte das Kongresshaus-Projekt nach jahrelanger Planung eigentlich in die Bauphase übergehen. Weil aber noch Überzeugungsarbeit bei der Regierung von Oberbayern über den Sinn der aktuellen Planung zu leisten war, wird es wohl noch eine ganze Weile ruhig bleiben rund ums Kongresshaus. Die Vertreter des Freistaats Bayern, von denen sich die Tourismusregion eine Zuschussbewilligung in Höhe von 2,5 Millionen Euro erhofft, waren anfänglich nämlich nicht begeistert von den abgespeckten Sanierungsplänen, weil sie befürchteten, dass in den Jahren darauf weitere Finanzspritzen beantragt würden. Lieber hätten die Regierungsvertreter eine Generalsanierung mit kompletter Entkernung des Gebäudes gesehen. Kommunalpolitiker und Planer vor Ort hatten sich aber längst für eine Teilsanierung entschieden, in deren Rahmen große Teile des bestehenden Kongresshauses erhalten bleiben.

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So blieb der bereits im September eingereichte Förderantrag bei der Regierung erst einmal liegen. Erst am 21. Februar bekam Stefan Kurz, Vorsitzender der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, einen Termin bei Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und bei dem für die Zuschüsse verantwortlichen Dr. Helmut Steininger. »Wir konnten die Herren schließlich davon überzeugen, dass unser Konzept nachhaltig ist«, sagt Stefan Kurz und betont, dass »noch jede Menge gute Substanz erhalten ist«.

Die ursprünglich angepeilte große Variante mit Kosten von 16 Millionen Euro hätte man sich ohnehin kaum leisten können. Zumal die Verbandsräte im Zweckverband dann auch noch die Hiobsbotschaft von den ausbleibenden Pachtzahlungen der Watzmann Therme GmbH zur Kenntnis nehmen mussten. Vor dem Hintergrund dieser negativen Entwicklung kamen in den letzten Wochen sogar Diskussionen auf, ob man sich denn die rund 3,5 Millionen Euro für das abgespeckte Kongresshaus-Projekt überhaupt leisten könne.

Während also einerseits die vom Marktgemeinderat bereits beschlossenen Pläne beim Landratsamt zur Genehmigung liegen, gehen andererseits die Debatten um die Finanzierbarkeit weiter. »Die Finanzierbarkeit dieses Projekts ist noch nicht so transparent, dass der Umbau ohne weitere Fragen bereits umgesetzt werden könnte«, sagt Marktbürgermeister Franz Rasp, 2. Vorsitzender der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee. Dabei kommt der Rathauschef richtig ins Schwärmen, wenn er von den Plänen für das Kongresshaus erzählt. »Über den Umbau sind wir sehr glücklich«, betont er, »doch es ist wichtig, dass wir ihn uns auch leisten können.«

Bereits vor einigen Wochen hatte der Marktgemeinderat vor diesem Hintergrund die Vorlage eines Zehn-Jahres-Finanzierungsplans für den Zweckverband gefordert. Vorsitzender Stefan Kurz will den Mitgliedern des Verbandsausschusses am kommenden Mittwoch bereits Zahlen vorlegen. Ob sie damit zufrieden sein werden, muss sich zeigen. Jedenfalls macht Stefan Kurz kein Hehl daraus, dass er das Kongresshaus-Projekt trotz der ausgefallenen Watzmann-Thermen-Pacht für finanzierbar hält. Eine Rechnung lautet so: Nach den Umbauarbeiten spart man sich durch Mieteinnahmen und verminderte Ausgaben rund 160 000 Euro jährlich. Von den etwa 245 000 Euro, die für Abschreibungen und Zinsen anfallen, bleibt dann noch eine Jahresbelastung von etwa 85 000 Euro übrig. Kurz: »Das ist zu finanzieren, ohne dass wir uns auf ein Abenteuer einlassen.«

Dass auch eine Kurbeitrags-Erhöhung in den nächsten Jahren anstehen könnte, haben die Verantwortlichen bereits angedeutet. Diskutieren wollen sie auch, wie und ob an den kostenlosen Bustickets festzuhalten ist. Vermutlich werden die Meinungen darüber, wie die Verbandsaufgaben künftig zu strukturieren sind, ein wenig auseinandergehen. »In die Frage, wie wir den Verband weiterhin finanzieren, müssen alle Komponenten einfließen«, sagt Franz Rasp. Themen müssten beispielsweise auch die Liegenschaften und der Gästeservice wie die Ausgabe der Skipässe sein. Rasp: »Es wird sicherlich nicht alles so weitergehen wie bisher.«

Mit dem Thema Liegenschaften eng verbunden ist sicherlich die Zukunft der Kurdirektion. Kommt die Verwaltung der Kurdirektion ebenfalls ins Kongresshaus? Während das für die BGLT schon so gut wie feststeht, wird über die TRBK-Verwaltung noch diskutiert. Mit ausschlaggebend wird hier wohl das vom Markt Berchtesgaden geforderte Organisations-Gutachten sein, das seit Kurzem im Entwurf vorliegt. Darin sollen die Vor- und Nachteile für einen Umzug der TRBK ins Kongresshaus aufgeführt sein. »Wenn das Gutachten in seiner endgültigen Version vorliegt, dann werden wir darüber diskutieren«, sagt Kurz. Personal von TRBK und BGLT könnten beispielsweise in dem geplanten Obergeschoss untergebracht werden, das nach Einziehen einer Zwischendecke in der bisherigen Eingangshalle entstehen soll. Oder man siedelt sie im Bereich der bisherigen Konferenzräume an.

Einigkeit scheint es mittlerweile darüber zu geben, dass das Kongresshaus intensiver beworben werden soll. »Wir werden eine Art Einkäufer brauchen, der hinausgeht, beispielsweise auf Messen«, sagt Stefan Kurz. Auch sonst wird man sich personalmäßig im Kongresshaus den neuen Herausforderungen anpassen müssen.

Frühestens im Mai könnte nun der Förderbescheid der Regierung vorliegen. Dann käme die Ausschreibungsphase und schließlich der Baubeginn. »Juli könnte zu schaffen sein«, sagt Stefan Kurz. »Eventuell noch diesen Herbst«, meint sein Bürgermeisterkollege Franz Rasp. Bis dahin gibt es noch ausreichend Gelegenheit für Debatten. Die erste an diesem Mittwoch - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ulli Kastner