weather-image

Kaum Schlaf, viel Arbeit

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Pegel waren auch in Berchtesgaden stark angestiegen. Die Feuerwehren hatten viel zu tun. Foto: Anzeiger/Wechslinger
Bildtext einblenden
Fast drei Tage lang koordinierte die Feuerwehr Berchtesgaden insgesamt 120 Einsätze. »Unser Fuhrpark hat sich bewährt«, sagt stellvertretender Kommandant Christian Buchwinkler. Foto: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer

Berchtesgaden – Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Muren, die Häuser bedrohten. Die Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren aus dem Talkessel hatten bei einem der größten Unwetter der letzten Jahre jede Menge zu tun. Zweieinhalb Tage Dauereinsatz. Wenig Schlaf. Christian Buchwinkler, 2. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden, ist froh, dass das meiste jetzt vorbei ist.


Es regnete, Dutzende Liter pro Quadratmeter prasselten über Berchtesgaden nieder, es war eine Minute vor elf in der Nacht. Die Erstalarmierung ging bei der Berchtesgadener Feuerwehr ein. »Im Rostwald hatte sich ein Bach gebildet, der einige Wohnhäuser bedrohte«, sagt Buchwinkler im Gespräch mit der Heimatzeitung. Kurz darauf klingelte das Telefon bei der Feuerwehr dann pausenlos: Straßenüberflutungen, etwa in der Bergwerkstraße, Wohnhäuser, in denen knietief das Wasser stand, verstopfte Kanäle, die die Wassermengen nicht mehr schlucken konnten. Vor allem war es der Ortsteil Maria Gern, der vom Regen besonders schwer gezeichnet war. »Hier waren großflächig Muren abgegangen, einige Häuser wurden beschädigt oder waren gefährdet«, so der stellvertretende Kommandant. Infolgedessen evakuierte die Feuerwehr Häuser, brachte die Menschen in Sicherheit.

Anzeige

Ein Riesenlob richtet Buchwinkler an alle Kollegen von den Nachbarwehren. Denn vorbildlich sei die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit gewesen. Aus Ramsau, aus Bischofswiesen, aus Schönau, aus Königssee, Marktschellenberg und Berchtesgaden - samt der hiesigen Löschzüge - waren so gut wie alle zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte an der Großalarmierung beteiligt. »Jeder leistete tatkräftige Hilfe.« Rund 230 Feuerwehrleute waren zunächst im Talkessel unterwegs, die größten Schäden traten anfangs in Berchtesgaden auf, weshalb hier auch Kräfte aus Freilassing erste Hilfe leisteten und Unterstützungspersonal schickten: zum Sandsackbefüllen. Allerdings kristallisierte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass es in Freilassing selbst Spitz auf Knopf stand und die Mannschaft zu Hause gebraucht wurde. Schönau am Königssee und Bischofswiesen waren von den Regenmengen weniger betroffen, größere Schäden blieben hier aus.

Das Bayerische Rote Kreuz sorgte für die Verpflegung der Beteiligten, auch war eine Abordnung des Technischen Hilfswerks nach Berchtesgaden gekommen, die Polizei kümmerte sich um Straßensperrungen, Vertreter des Straßenbauamts machten sich zu später Stunde auf, um die Schäden zu begutachten. Und auch das Personal der Bauhöfe war kurz nach Alarmierungsbeginn zur Stelle, weiß Christian Buchwinkler.

Dass sich die Lage zuspitzte, lag vor allem am Hintersee in der Ramsau, bei dem ein Damm zu brechen drohte. Nicht klar war, ob die Seeklause den Wassermassen standhalten könnte (wir berichteten). Bei einem Bruch hätten sich unvorstellbare Mengen durch den Zauberwald ergossen und wären dann in einer Flutwelle durch Ramsau geschossen. Weil im Talkessel immer mehr Einsätze abzuarbeiten waren, die Feuerwehren in Traunstein und Rosenheim aber genug zu tun hatten, war es ein Kontingent aus Starnberg bei München, das mit 44 Mann nach Berchtesgaden kam, um Unterstützungsarbeit zu leisten und Material zu liefern. »Auch die Bundeswehr hat tatkräftig mitgeholfen«, weiß Buchwinkler, dessen Feuerwehr von Samstagnacht bis Dienstagmittag 120 Einsätze zu verzeichnen hatte.

Geschlafen haben die Helfer nur wenig. Schlafpausen? »Ein paar Stunden, das war's«, sagt Buchwinkler, der den gesamten Einsatz begleitete. »Pausen gibt es zwar«, sagt er, jedoch sei der Mannschaftswechsel nach Ermessen des Einsatzleiters durchzuführen. Immerhin braucht man jeden, um anpacken und helfen zu können. In der Tat war die körperliche Arbeit immens wichtig: »Um größere Schäden abzuwenden, wurden Bäche mit Säcken und Brettern umgeleitet, Straßen abgesichert.« Die feuerwehreigenen Fuhrparks hätten sich bewährt, vor allem aber auch das wendige Logistikfahrzeug aus der Oberau, mit dem man schnell von Einsatz zu Einsatz fahren kann.

Für Christian Buchwinkler, der seit März seinen wichtigen Posten bekleidet, ist es der dritte größere Einsatz. Erst kürzlich hatte es in der Watzmann Therme gebrannt. Einen Katastrophenalarm, wie den vom Wochenende, erlebe man als Feuerwehrler aber nicht alle Tage. »Das ist auch gut so«. Kilian Pfeiffer