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Kehlsteinwege sind wieder begehbar

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Viele Tonnen Teer lagern noch am Kehlstein. Denn es steht noch nicht fest, wo das Material entsorgt werden kann. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Alle Kehlsteinwege sind ab sofort wieder begehbar. Das betonte jetzt Korbinian Häuslschmid gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger.


Der 29-Jährige aus Übersee, der seit November bei den Bayerischen Staatsforsten arbeitet, leitet die Abschlussarbeiten der Altlastensanierung. Mittlerweile ist der giftige Teer komplett ausgebaut, deutlich über 25 000 Tonnen Material. Entsorgt werden konnte bislang aber noch nicht alles. Dennoch werden die Zwischenlagerplätze für den Teer bereits wieder abgebaut.

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Bis zum Abschluss des auf mehrere Millionen Euro bezifferten Kehlstein-Projekts leitet Häuslschmid im Auftrag der Staatsforsten die Großbaustelle. 13 Kilometer Kehlsteinwege vom Teer befreit, 80 Prozent der Wege haben bereits eine Tragschicht erhalten. Die Deckschicht fehlt noch. Diese soll erst im Frühjahr eingebaut werden. Zu tun gibt es dennoch viel, auch, wenn »der Schnee drei Wochen zu früh kam«, sagt Häuslschmid. Auf deutlich über 1 000 Höhenmetern liegen teils über 50 Zentimeter der weißen Pracht. Und noch immer mehrere Hundert Tonnen verseuchtes Straßenmaterial auf den eigens angelegten Zwischenlagerplätzen.

Das sind ausgewiesene Bereiche, die mit Asphaltplatten ausgelegt wurden, mit einer Neigung zur Mitte hin, damit sich das Wasser sammelt. Rundherum wurden schützende Betonwände gebaut. Darüber ein riesiges Gerüst errichtet, das wiederum von einer speziellen Plane bedeckt ist, damit das Wasser das Material nicht ausschwemmen kann. »Wegen des Schnees mussten wir die Dachplane am Ofnerboden entfernen«, sagt Häuslschmid. Der Schnee hätte die gesamte Konstruktion zusammengedrückt. Bei dem Straßenausbau, der unter den Planen schlummert, soll es sich nach Aussagen der Bayerischen Staatsforste nicht mehr um den hochgiftigen Teer handeln, sondern um den weniger belasteten Straßenunterbau beziehungsweise die Bankette. »Es ist nicht geklärt, wie das Material entsorgt werden muss«, sagt der 29-Jährige.

Trotzdem laufen derzeit schon der Rückbau der Lagerplätze, etwa in der Scharitzkehl. Die Asphaltplatten müssen aus dem Boden gebrochen werden, die Lagerplätze sollen in der nächsten Zeit wieder verschwinden und der Ursprungszustand wiederhergestellt werden. Erst im Frühjahr müssen die Wege nochmals einige Wochen gesperrt werden, wenn die Deckschicht aufgetragen wird. Weil die Maßnahme rund um die Kehlsteinwege für die Bayerischen Staatsforsten mehrere Millionen Euro kostet, steht Kostenkontrolle an erster Stelle. »Aktuell liegen wir innerhalb der Ausschreibungssumme«, sagt Korbinian Häuslschmid zufrieden. Zwar gab es so manches Erschwernis, das mit Kostensteigerungen verbunden war, etwa die Entsorgung des Teers. Rund 1 000 Lkw-Fuhren mussten teils mehrere Hundert Kilometer transportiert werden. Bis zu 750 Tonnen wurden pro Tag vom Kehlstein abtransportiert. Das entspricht rund 27 Lkw-Ladungen.

Besonderes Augenmerk legte man in den vergangenen Wochen auf das Wasserschutzgebiet im Endstal. Auch dort war eine Teerstraße oberhalb einer Quelle verlaufen, die Teile der Gemeinde Berchtesgaden mit Trinkwasser versorgt. Eine rund einen Kilometer lange Straße musste eigens gebaut werden, diente als Bypass, um den Teer ins Tal bringen zu können. »Hier sind wir vor dem Winter komplett fertig geworden«, sagt Häuslschmid. Kilian Pfeiffer