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Kein Aderlass für die Kunst

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Künstlerbundvorsitzende Felicia Däuber und Berchtesgadens 3. Bürgermeister Bartl Mittner eröffneten die Werkschau.
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Hannes Stellner: »Roter Kopf«.
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Elisabeth Sebold: »Geflügeltes Wesen«.
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Carola Thiersch: »Pärchen«. Fotos: Anzeiger/Meister

Berchtesgaden - Der Berchtesgadener Künstlerbund ist zwar mit seinen gut 90 Jahren ein betagtes Wesen im Markt, aber seit Jahrzehnten gewissermaßen obdachlos und darauf angewiesen, dass sich Menschen mit Kulturinteresse erbarmen und Kunst und Künstlern wenigstens zeitweilig eine Bleibe bieten. Nachdem die Jahresausstellungen einige Jahre im Kongresshaus stattfanden unter nicht optimalen Bedingungen, öffneten nun dankenswerterweise Alexander und Eva Dinter ihre Pforte, hinter der sie eines (vielleicht noch fernen) Tages ihre ganz besondere Vorstellung von Wohnen verwirklichen wollen. Was man ihnen aufs Herzlichste gönnen kann.


Mit einer möglichen Konkurrenz des Badhauses für die Watzmann Therme ist nicht zu rechnen, auch wenn 3. Bürgermeister Bartl Mittner, der auch die Grüße des Marktbürgermeisters überbrachte, diese Vermutung leise bei der Ausstellungseröffnung äußerte. Aber in Sachen Kunst ist das (noch) mit morbidem Charme um die Gunst des Vorübergehenden werbende Haus am Fürstensteinweg derzeit konkurrenzlos.

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Das Ausstellungsareal ist klein und lässt die ausgestellten Werke dicht zueinanderrücken. Was letztlich auch einen besonderen Reiz ausmachen kann. Nischen und sonst eher dunkle Ecken bieten Platz für meist kleine Arbeiten wie die filigranen Torsi von Elisabeth Sebold oder ein »Geflügeltes Wesen« (keine Jahresendfigur, wie Engeldarstellungen in der DDR-Terminologie bezeichnet wurden) von der gleichen Künstlerin.

Nicht wesentlich größer, wenn auch frei stehend, sind die titellosen Kleinplastiken von Fritz Schelle, geschlechtsneutrale Figuren, die alle ein Geheimnis mit sich tragen, das zu enträtseln der Betrachter gefordert ist.

Größer hat Gerhard Passens gearbeitet, bietet mit dem steinernen Gast »Spiel mit dem Asteroid« dem Eintretenden einen schönen Blickfang, als Zugang gewissermaßen in eine Ausstellung. Man muss nicht weit gehen bis zum nächsten Objekt. Etwa zu zwei Arbeiten von Christina Schelle, in denen sie sich im Wechselspiel zwischen Natur und Kunst wohlgefühlt haben mag.

Eine kleine Zeichnung von Siegfried Gruber, leider (aus ein wenig Neid heraus) bereits an eine andere Dame oder einen anderen Herrn gebracht, ist unbedingt anzusehen und eine mit »Metamorphose« bezeichnete Holzplastik von Felicia Däuber, die auch für Felicia-Kenner als besonders prächtiges Stück erkannt werden muss.

Norbert Däubers »Adam«, vom Bildhauer bereits mehrfach variiert und immer neu überraschend, reitet im Türschatten, als wolle er gar nicht gesehen werden, was äußerst schade wäre.

Und einen »Roten Kopf« bekommt man bestimmt nicht von Hannes Stellners hölzerner Büste, eher die Lust zum Näherhinschauen: Ihre mächtigen Hörorgane scheinen wie Antennen in den Raum hineinzuragen.

Letztlich bietet der »große« Raum noch eine schöne, wenn auch ohne Titel versehene Arbeit von Michael Schelle. Und Anton Hribar schließlich hat sich auf die Jagd begeben und zeigt seine Trophäen, verstümmelt, schwarz eingetapt, was Tierschützern (und nicht nur denen) gefallen müsste.

Nebenan lässt Christoph Merker, der übrigens auch das Ausstellungsplakat entwarf, eine für diese Umgebung erstaunlich groß dimensionierte Acrylarbeit »Auftauchen« und da offensichtlich das Sprichwort, dass Platz in der kleinsten Hütte sei, wahr ist, finden sich auch noch ein Eckchen für Gastaussteller. Nämlich für Petra Schwenzfeiers etwas rätselhaften »Kantakt« und Anne Karen Hentschels »Miniatur«.

Kunst ist eigentlich auch immer eine momentane Zustandsbeschreibung der Welt, kann dies zumindest sein. Und so scheint sie sich wohlzufühlen in den historischen Räumen neben vor Jahrhunderten für Bauzwecke behauenen Steinen und frisch aufgetragenem Putz. Zwar mussten sich die einheimischen Künstler und zwei Gäste beschränken, aber nur in den Dimensionen ihrer Werke.

In diesem Hause war durchaus einst nicht nur die Badekultur, sondern ebenso die Kunst zu Hause: Die Heilkunst nämlich, denn bis zum Jahre 1831 übten hier Bader, die sich um die Gesundheit der Mitbürger, auch der allerärmsten, zu kümmern hatten, ihren Beruf aus. Urkundlich ist das Haus 1451 erstmals erwähnt, mit dem Tod des Baders und Hofchirurgen Kajetan Lackhner im erwähnten Jahr 1831 zogen andere Gewerke in das Badhaus ein, beispielsweise der Kunsttischler Alois Felber, der, obwohl schon 1924 gestorben, dem Gebäude seinen Namen hinterließ, der verblasst noch heute die Hauswand über der Eingangstür ziert.

Wie das etwas versteckte Gebäude künftig heißen mag, weiß niemand. Aber dass es wieder zum Glänzen gebracht wird unter den Händen eines Architekten und seiner Familie, ist gut vorstellbar. Und so ist der Besuch der Ausstellung, täglich zwischen 15.00 und 18.00 Uhr, auch die Möglichkeit, sich mit dem Zwischenstand vertraut zu machen. Dieter Meister