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Kein Auftrag, kein Geld, dafür ein Zweitschlüssel

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Bischofswiesen – Nein, er habe dem Autohaus in Bischofswiesen keinen Auftrag erteilt, beteuerte der 51-jährige Unternehmensberater. Im Gegenteil habe er mitgeteilt, dass er sich selbst darum kümmern wolle. Doch die Werkstatt schritt zur Tat und stellte für die Arbeit eine Rechnung über 312 Euro. Die bezahlte der Familienvater aus Kuchl nicht, holte sich stattdessen seinen Wagen mit einem Zweitschlüssel ab. Pfandkehr lautete der Vorwurf und laut Strafbefehl sollte der Mann 1 200 Euro Strafe dafür zahlen. Dagegen legte der Mann Einspruch ein. Wegen unklarer Rechtslage stellte Richter Dr. Klaus Hellenschmidt das Verfahren ein.


Zunächst hatte es ein Preisangebot über 630 Euro für Reparatur und TÜV gegeben. Am 29. April 2013 hatte der Angeklagte dem Chef des Autohauses per Mail mitgeteilt, dass er sich selbst um die Sache kümmern wolle und sich am darauf folgenden Tag melden werde. »Was macht der Werkstattbesitzer?«, fragte Verteidiger Reinhard Roloff und gab selbst die Antwort. »Der fängt an zu reparieren und erledigt eine sogenannte TÜV-Vorkontrolle.« – »Kein Auftrag, kein Geld«, stand für den Anwalt daher außer Frage. Anders der Richter. »Ein klarer Dissens«, meinte Hellenschmidt »die Karre steht da und es ist was gemacht worden«. Die Firma sei wohl von einem Auftrag ausgegangen. »Wer trägt das Risiko?«, fragte der Richter. »Der Kläger« antwortete Roloff spontan. Und wer sei hier der wahre Kläger, konterte Hellenschmidt, nämlich der Kunde. Das sei der eigentliche Hintergrund des Unternehmer-Pfandrechts. Das Risiko werde auf den Kunden übertragen. Fazit: »Wenn Du zahlst, können wir streiten«. Obschon es keinen Auftrag gegeben hatte, sei gleichwohl Pfandrecht anzuwenden. Was folgte, war ein Diskurs unter Experten in dem kleinen Gerichtssaal im 1. Stock. Der 51-jährige Unternehmensberater verdächtigte die Werkstatt zudem übler Machenschaften. So soll es ein Angebot zum Tausch der Bremsen gegeben haben. »Ich bin damit gerade mal 100 Kilometer gefahren«, versicherte der Kuchler, »die Bremsscheiben waren astrein.« Stutzig habe ihn zudem gemacht, dass das Autohaus gerade die Bremsen für ein 20 Jahre altes und eher seltenes Fahrzeug auf Lager hatte.

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»Da werden wir wohl den Firmenchef brauchen«, überlegte Staatsanwalt Christopher Lang zu dieser Gemengelage.

Etwas überraschend dann die Feststellung von Richter Hellenschmidt: »Ich gehe davon aus, dass wir das Verfahren einstellen können.« Der Staatsanwalt zeigte sich nach längerer Überlegung dazu bereit. Der Kuchler hätte freilich lieber einen Freispruch gesehen, war aber schlussendlich ebenso wie sein Anwalt mit einer Einstellung nach Paragraph 153 Strafprozessordnung einverstanden. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse, lediglich seine eigenen Auslagen muss der Unternehmensberater übernehmen. Hannes Höfer