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Kein Frust nach Frost im Forst

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Hat den Wald immer im Blick: Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Vergangene Woche noch Eiseskälte mit zweistelligen Minustemperaturen. Und jetzt ist der Frühling da. Worüber sich der Mensch freut, bedeutet für Bäume Stress. »Ist aber nicht tragisch«, sagt Dr. Daniel Müller, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden. »Erst warm, dann wieder sehr kalt, wäre schlimmer.«


Herr Dr. Müller, erst Frost, dann Frühling. Was hält der Wald davon?

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Dr. Daniel Müller: Starker Frost im Winter ist unproblematisch. Die Bäume sind darauf eingerichtet. Aber große Temperaturwechsel bedeuten natürlich Stress. Wobei ein Sprung von Wärme zu Kälte schlimmer ist. Spätfröste im Mai sind fatal.

Warum?

Dr. Müller: Bäume müssen sich an sinkende Temperaturen gewöhnen. Die Zellsäfte müssen sich sukzessive verdichten. Das wirkt wie Frostschutzmittel. Bei einem Temperatursturz innerhalb von 24 Stunden werfen sie die Nadeln ab.

Und was passiert jetzt gerade?

Dr. Müller: Die Böden sind in der Tiefe noch gefroren. Doch die Bäume sind an den Nadeln bereits warm und transpirieren. Wasser können sie aber noch nicht aufsaugen.

Sind Bäume unterschiedlich kälteresistent?

Dr. Müller: Ja. Die Fichte, zum Beispiel, verträgt bis zu -40 Grad. Sie wächst bis zur Waldgrenze und auch in der Tundra. Auch Lärche und Ahorn vertragen extreme Kälte.

Haben Bäume eine Art innere Uhr?

Dr. Müller: Ja, eine genetische Uhr. Die ist von Art zu Art anders gestellt. So treibt beispielsweise die Esche nach der Buche aus. Auch innerhalb einer Art hat jedes Exemplar einen Rhythmus. Der ist allerdings immer gleich.

Warum?

Dr. Müller: Die Evolution hat alle Arten so gestaltet, dass sie überleben können. Das geschieht durch Variabilität.

Können Sie das erklären?

Dr. Müller: Derjenige Baum, der sein Laub am spätesten abwirft, kann länger wachsen als die anderen. Bei Frost hat er aber ein Problem. Umgekehrt ist es genauso.

Mit dem Klimawandel hat sich der Lauf der Jahreszeiten verändert. Was können Bäume dem entgegensetzen?

Dr. Müller: Im Gegensatz zum Menschen haben Bäume hier zwei Nachteile. Erstens leben sie viel länger, zweitens können sie vor nichts weglaufen. Beim Klimawandel sind diejenigen Bäume im Vorteil, die früh austreiben. Christian Fischer